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Benediktbeuern:Linksliberal und ultrarechts

Ludwig Thoma wusste sich zu inszenieren - ob als Bayer in Tracht mit Gewehr und Pfeife oder ganz bürgerlich als Tennisspieler - so zeigt ihn ein anderes Bild der Ausstellung.

(Foto: Literaturarchiv Monacensia/oh)

Die Bezirksheimatpflege eröffnet am Sonntag eine Ausstellung über Ludwig Thoma, die Klischees brechen soll: "Mensch, Mythos, Marke".

Von Felicitas Amler

Als die Ludwig-Thoma-Gemeinde Dachau im April das Stück "Ludwig Thoma - Eine Selbstzerstörung" uraufgeführt hatte, war das Publikum verstört: "Ich weiß nicht mehr, was ich von Thoma halten soll", sagten die einen. Oder: "Wie kann ein Mensch sich nur so ändern?" Und: "Er war ein Charakterschwein." Es gab aber auch diese Stimmen: "Mir egal, wie er war: Seine Sachen sind großartig." Der Autor, der in einer literarischen Collage diesen ambivalenten Charakter auf die Bühne gebracht hatte, ist Norbert Göttler, Historiker, Publizist und Heimatpfleger des Bezirks Oberbayern. Bei der Fachberatung Heimatpflege des Bezirks hat er eine Ausstellung über Thoma angeregt, die am Sonntag in Benediktbeuern eröffnet wird. Titel: "Mensch, Mythos, Marke". Konzept und Gestaltung: Slávka Rude-Porubska und Katharina Osterauer. Anlass ist das Jahr des 150. Geburtstags von Thoma.

In der Öffentlichkeit herrsche noch immer ein Bild vor, das mit den kritischen Forschungserkenntnissen über den Schriftsteller, Satiriker, Journalisten und Menschen Ludwig Thoma wenig zu tun habe, sagen die Veranstalter. Prägend sei die Vorstellung vom "Bauerndichter" in Lederhose, mit Pfeife und Gewehr, dem Verfasser der "Lausbubengeschichten" und urbayerischen Autor mit Sinn für die einfache Landbevölkerung. "Wo diese Vereinfachung herrührt, ist unklar. Vielleicht geht sie auf Thoma selbst zurück, eventuell auch auf seinen Verlag oder seine Nachlassverwalterin Maidi Liebermann." Die Ausstellungsmacher halten dagegen: Wer Thoma in wenigen Worten beschreiben wolle, beschreibe in der Regel ein Klischee.

Die Ausstellung will das Klischee in Frage stellen und brechen, ohne eine bestimmte Tendenz zu vertreten. An mehreren Stationen können die Besucher sich selbst ein Bild von Thoma machen: "Vom Frömmler und Kirchenkritiker, dem linksliberalen Autor der Satire-Zeitschrift Simplicissimus und dem ultrarechten Polemiker, der im Miesbacher Anzeiger Hetzartikel schrieb, dem Weiberhelden und Weiberfeind und dem Friedensverteidiger, der zum Kriegsfanatiker mutierte."

Am Ende der Ausstellung, so die Hoffnung der Veranstalter, könnten die Besucher selbst eine Antwort auf die Frage geben: Wer ist Ludwig Thoma (für mich)? In einem Gästebuch können sie eigene Gedanken festhalten. Es schließt als interaktives Element den Rundgang ab.

Ludwig Thoma: "Mensch, Mythos, Marke", Sonntag, 18. Juni, 11 Uhr, Maierhof im Kloster Benediktbeuern; bis 30. Juli. 24. Juni, 17 Uhr: "Welch ein Spießer!" Kurt Tucholsky und Ludwig Thoma, Vortrag Dirk Heißerer; 30. Juli, 17.30 Uhr: "Waldfrieden", Einakter von Ludwig Thoma, Ludwig-Thoma-Gemeinde Dachau

© SZ vom 17.06.2017

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