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Historie neu erzählt:Erinnerungen an das Kriegsende und an 75 Jahre DP-Lager Föhrenwald

Stellten das Programm vor (v.l.): Wolfgang Saal, Justine Bittner, Kristina Tschamler, Emanuell Rüff, Sybille Krafft, Elisabeth Voigt und Eva Greif.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Gedenkveranstaltungen, Ausstellungen, Zeitzeugengespräche, Filmabende und Konzerte: Der Badehaus-Verein Waldram-Föhrenwald stellt sein Jahresprogramm vor.

Der Verein "Bürger fürs Badehaus" Waldram-Föhrenwald hat ein denkwürdiges Jahr vor sich: Zum 75. Mal jährt sich heuer das Ende des Zweiten Weltkriegs. Beim Dachauer Todesmarsch Ende April 1945 schleppten sich Tausende entkräftete KZ-Häftlinge durchs Oberland und Wolfratshausen. Nach ihrer Befreiung wurden sie im Lager Föhrenwald versorgt, dem Ort, wo nach Kriegsende zahlreiche jüdische Holocaust-Überlebende ein Leben in Sicherheit und Freiheit beginnen konnten. Das Gedenken daran steht im Mittelpunkt des Jahresprogramms "Begegnungen im Badehaus", das mit zahlreichen Veranstaltungen die besonderen Zeitläufte illustrieren will. Die Vorsitzende Sybille Krafft stellte es am Sonntag zusammen mit weiteren Vorstandsmitgliedern anlässlich eines Neumitglieder-Empfangs vor.

Einer der Höhepunkte ist die am Samstag, 2. Mai, stattfindende Gedenkveranstaltung zum Todesmarsch. Um zehn Uhr setzt sich am Mahnmal in Buchberg ein feierlicher Zug Richtung Erinnerungsort Badehaus in Bewegung, wo von 11.30 Uhr an ein Festakt mit Zeitzeugengesprächen, Musik und Bildern des von den Nazis verfolgten Künstlers Karl Maldek stattfindet. Ein zweiter großer, ebenfalls nur eingeladenen Gästen vorbehaltener Festakt steht am Sonntag, 18. Oktober, auf dem Programm: "75 Jahre jüdisches DP-Lager Föhrenwald" ist die Gedenkfeier überschrieben, die in der Aula der Schule St. Matthias stattfindet und die besondere historische Bedeutung des Orts würdigen will.

Erster Termin der Veranstaltungsreihe ist jedoch eine Feier zum 100. Geburtstag des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer am Sonntag, 9. Februar. Bis zu seinem Tod 2016 engagierte er sich unermüdlich als Zeitzeuge und Mahner. Bei der Festveranstaltung kommen Familie und Freunde zu Wort und in Filmausschnitten Mannheimer selbst. Seinem Ehrenmitglied widmet der Badehaus-Verein außerdem eine eigene Ausstellung, die am Sonntag, 19. Juli, eröffnet wird. Mannheimer hatte in den 1950er Jahren die Kunst als Therapie entdeckt, um sich das Grauen der Konzentrationslager von der Seele zu malen und signierte seine Gemälde mit dem Künstlernamen "Ben Jakov". Ergänzt wird die Präsentation durch Fotos Mannheimers, die von der Karmelitin Sr. Elija Boßler aufgenommen wurden. Der Eintritt dazu ist frei.

Viele Besucher erhofft sich der Verein von einem "Konzert mit Geschichte", das am Sonntag, 15. März, in der Aula von St. Matthias stattfindet. Der Isura Madrigal Chor gedenkt "Krieg und Frieden" mit einer Auswahl an Liedern, darunter auch dem seinerzeit von KZ-Häftlingen gesungenen "Lied der Moorsoldaten". Klezmer-Musik, vorgetragen von dem britisch-deutschen Duo Susi Evans und Szilvia Szaranko, steht am Sonntag, 17. April, auf dem Programm. Der Eintritt für die Konzerte kostet jeweils zwölf Euro (ermäßigt sechs Euro).

Der Badehaus-Verein feiert außerdem zusammen mit der Waldramer Kolpingfamilie am Sonntag, 28. Juni, von 15 Uhr an ein großes Sommerfest unter dem Namen "Sommerfrische am Kolpingplatz", bei der auch die von Schülern des Geretsrieder Gymnasiums als App entwickelte Führung durch den Ort Föhrenwald/Waldram vorgestellt werden soll. Es schließt sich am Sonntag, 13. September, ein Filmabend mit freiem Eintritt an: "Am Ende kommen die Touristen" erzählt von der Begegnung zwischen einem jungen Zivildienstleistenden und einem betagten Auschwitz-Überlebenden.

Zum Jahresende wartet mit der zusammen mit dem Historischen Verein Wolfratshausen in der Loisachhalle veranstalteten historischen Revue "Als die Amis ins Isartal kamen" ein weiterer Höhepunkt. Mit Musik, Tanz, Zeitzeugeninterviews, historischen Filmen und kabarettistischen Einlagen wird am Samstag, 21. November, von 19 Uhr an die Ankunft der GIs in der Flößerstadt erinnert. Der Eintritt beträgt 25 Euro (ermäßigt zehn Euro).

Mit einem Filmabend zum Schicksal der Heimatvertriebenen findet das Veranstaltungsjahr am Freitag, 11. Dezember, seinen Abschluss. "Angekommen in Bayern" heißt der Dokumentarfilm von Sybille Krafft, den die Autorin von 19 Uhr an vorstellt und an den sich ein Zeitzeugengespräch anschließt. Der Kostenbeitrag beträgt acht Euro (ermäßigt vier Euro). Soweit nicht anders angegeben, beginnen alle Veranstaltungen um 17 Uhr im Erinnerungsort Badehaus.

© SZ vom 03.02.2020
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