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Bad Tölz-Wolfratshausen/Penzberg:In kleinen Schritten zu Großem

Die Bürgerstiftung Energiewende gibt ein Klimasparbuch heraus mit Tipps zu umweltschonendem Verhalten im Alltag

Von Arnold Zimprich, Bad Tölz-Wolfratshausen/Penzberg

Bis zum Jahr 2035 soll das Oberland von fossilen Brennstoffen unabhängig sein, fordert die Bürgerstiftung Energiewende Oberland. Seit Jahren wird das Thema Klimaschutz auch im Landkreis heiß diskutiert - jedoch ist auch bei Schlüsselthemen wie dem Ausbau der Solarenergie und beim öffentlichen Nahverkehr noch Luft nach oben.

Wo können Bürger mit dem Thema Klimaschutz im Kleinen anfangen - erst recht, da die Corona-Krise im Moment die Nachrichtenkanäle beherrscht? 15 Jahre sind bis 2035 noch Zeit. Ein guter Zeitpunkt, um das sogenannte Klimasparbuch, das beim Klimaschutzbeauftragten des Landkreises, Andreas Süß, erhältlich ist, als Orientierungshilfe und Basis eigenen Verhaltens und Wirtschaftens zu entdecken. Das Mitte Mai beim Münchner "oekom Verlag" erschienene und von der Bürgerstiftung Energiewende Oberland herausgegebene Bändchen gibt interessierten Bürgern Tipps und Hinweise an die Hand, um den Einstieg in klimaschonendes Verhalten im Alltag zu erleichtern.

Klimasparbuch

Das neue "Klimasparbuch".

(Foto: Arnold Zimprich)

"Besitzer eines Eigenheims haben bei der Gebäudehülle und der Energieversorgung einen ganz großen Hebel in der Hand", sagt Süß. Aus seiner Sicht stellt speziell die Austauschprämie für Ölheizungen einen Anreiz dar, um das Ziel, fossile Brennstoffe im Oberland bis 2035 auszuschleichen, nicht aus dem Auge zu verlieren.

Auch im Kleinen kann etwas getan werden. "Der Gott der kleinen Dinge" heißt ein mit dem Booker-Preis ausgezeichnetes Buch der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy, in dem sie unter anderem auf ökologische Themen aufmerksam macht. Und so ist es auch nicht unbedingt gleich die Ölheizung, die man austauschen muss, um aktiv zu werden. Das Klimasparbuch regt an, bewusster zu konsumieren, nachhaltig unterwegs zu sein und gesünder zu essen - auf lokaler, regionaler Basis. Sei es, den Fleischkonsum zu reduzieren, in Dorf- und Hofläden oder beim Direktvermarkter einzukaufen oder beim Shopping auf Plastik zu verzichten - das Buch will weniger belehren, als vielmehr zum Mitmachen anregen. Daher befinden sich auch 30 Gutscheine in dem gut 100 Seiten starken Büchlein, die sich bei verschiedenen Firmen - vom Jachenauer Dorfladen bis zum E-Bike-Ausleihe der Stadtwerke Bad Tölz - einlösen lassen. Klimaschutz wird auf diese Weise erlebbar gemacht.

Klimaschutzbeauftragter des Landkreises Andreas Süß.

(Foto: Privat/oh)

"Das Hauptaugenmerk beim Klimaschutz liegt auf der Minderung der Treibhausgase aus den fossilen Energieträgern Erdöl, Kohle und Erdgas durch Energieeinsparung und Energieeffizienz einerseits, sowie umweltschonendem Ausbau der erneuerbaren und heimischen Energien andererseits", sagt Josef Kellner, Vorsitzender der Bürgerstiftung Energiewende Oberland. Dass die Treibhausgase auch derart reduziert werden können, indem man mit dem Rad beim Dorfladen einkauft und nicht mit dem Auto zum Discounter fährt, gerät da nicht nur zur Randnotiz.

Das Klimasparbuch stellt einen Schritt dar, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und zu verdeutlichen, dass es nicht viel braucht, um sich klimaschonend zu verhalten - "Der Gott der kleinen Dinge" eben. Und für den Homo Digitalis von heute soll es als Digitalausgabe erscheinen.

© SZ vom 26.05.2020

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