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Verbrechen im Landkreis Bad Tölz - Wolfratshausen:Geschlagen, gefesselt und eingesperrt

Wo sonst Familienautos und Pferdetransporter parken, reihten sich am Sonntag die Fahrzeuge der Ermittler.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Mord in Königsdorf erinnert an ein Verbrechen im Nachbar-Landkreis. Mord und Totschlag sind aber in der Region seltene Delikte.

Von Ingrid Hügenell

Schwere Gewaltverbrechen sind im Landkreis wie in Oberbayern überhaupt selten. Die meisten Taten bleiben daher lange im Gedächtnis. Der Überfall in Höfen erinnert an eine Tat in Meiling im Landkreis Starnberg im September 2015. Dabei wurde ein Ehepaar in seinem Haus überfallen, brutal geschlagen und gefesselt in einer Abstellkammer eingesperrt. Der 72-jährige Ehemann starb an seinen schweren Verletzungen, die 67-jährige Ehefrau wurde erst Tage später entdeckt. Die Täter wurde geschnappt. Es handelte sich um eine Bande aus Rumänien. Die Männer wurden 2016 in Österreich zu Haftstrafen verurteilt, das Auslieferungsverfahren läuft der Staatsanwaltschaft zufolge.

Vielen ist die Vergewaltigung einer 67-jährigen Münchnerin noch präsent, die im November 2011 beim Wandern am Leitenberg im Brauneck-Gebiet überfallen wurde. Der Täter ließ sie gefesselt in einem Dickicht zurück. Dort entdeckte sie kurz darauf ein Jäger, was der Frau das Leben rettete. Denn eine Nacht bei eisigen Temperaturen im Wald hätte sie nicht überstanden. Der Täter ist bis heute nicht gefasst.

33 Jahre hat es gedauert, bis ein Mord in einer Wolfratshauser Garage gesühnt wurde. Am 28. Juli 1983 wurde dort ein Exilkroate erschossen und erschlagen. Sechs Kugeln zweier unterschiedlicher Kaliber wurden in seiner Leiche gefunden, sein Schädel war zertrümmert worden. Der Mann war ein Dissident, der regimekritische Schriften druckte. Die Mörder wurden nie gefasst. 2016 aber wurden die beiden Hintermänner, die dem jugoslawischen Geheimdienst angehört hatten, zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die meisten Gewaltverbrechen sind eindeutige Beziehungstaten, wie der Fall, der im Juni 2012 Aufsehen erregte: Ein 46-jähriger Anwalt tötete seine Ehefrau in der Küche des gemeinsamen Hauses mit mehr als 30 Messerstichen. Er wurde Ende 2013 zu lebenslanger Haft verurteilt. Zurück blieben vier Kinder, die durch die Tat faktisch zu Waisen wurden.

Im Mai 2014 erschlug ein 58-jähriger Mann aus Geretsried seine Frau und tötete sich danach selbst - er warf sich auf der Garmischer Autobahn vor ein Auto. Einen Monat später erstach ebenfalls in Geretsried ein weiterer 58-Jähriger seine gleichaltrige pflegebedürftige Frau. Der Mann hatte psychische Probleme und fühlte sich offenbar überfordert. Er rief nach der Tat selbst die Polizei. Der Kranführer musste nach dem Prozess dauerhaft in der Psychiatrie bleiben.

Gute Bekannte und Mitbewohner waren der 52-jährige Lenggrieser und die jungen Männer, die ihn im August 2004 erschlugen, erstachen und ihm die Kehle durchschnitten. Sie nahmen sein Geld, um Alkohol zu kaufen. Den Toten wickelten sie in einen Teppich, den sie in die Isar warfen. Dort entdeckten ausgerechnet Bereitschaftspolizisten, die einen Ausflug machten, die Leiche. Bei den Ermittlungen kam ein zweiter Mord der selben Männer ans Licht. Sie hatten ein Jahr zuvor einen 58-Jährigen mit einem Hammer erschlagen, den Mord aber erfolgreich als Treppensturz getarnt. Die beiden Haupttäter wurden 2005 zu lebenslanger Haft verurteilt.

© SZ vom 28.02.2017/infu
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