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Inklusionsprojekt:Bad Tölz bewirbt sich um Winterspiele

Special Olympics 2012

Das Feuer der Special Olympics-Wettbewerbe für Menschen mit geistigen und teils mehrfachen Behinderungen soll 2023 in Bad Tölz entzündet werden.

(Foto: dpa)

Die Stadt will die Special Olympics 2023 für Menschen mit geistiger Behinderung austragen. Kurdirektorin Brita Hohenreiter rechnet dann mit 600 bis 700 Sportlern und bis zu 3000 Übernachtungsgästen.

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Die Stadt Bad Tölz will Austragungsort der Special Olympics Winterspiele im Jahr 2023 sein. Dabei messen sich Menschen mit geistigen und teils mehrfachen Behinderungen aus ganz Bayern in Sportarten wie Ski alpin, Ski nordisch, Snowboard, Eiskunstlauf, Short Track, Floorball, Klettern, Schneeschuhlauf und Stocksport. Zu diesen Wettbewerben werden in der Regel etwa 600 bis 700 Athletinnen und Athleten, circa 200 Trainer und Betreuer sowie 100 Offizielle des Organisationsteams erwartet. Veranstalter ist der bayerische Landesverband der Sportorganisation "Special Olympics Deutschland". Der Tölzer Stadtrat stimmte der Bewerbung am Dienstag im Kurhaus einmütig zu. Karsten Bauer (CSU) sprach von "einer einmaligen Gelegenheit, sich als Sport- und Inklusionsstadt zu präsentieren".

Den Anstoß gab der Lions-Club. Die Tölzer Mitglieder der Hilfsorganisation engagierten sich seit Jahren bei diesen Spielen, sagt Kurdirektorin Brita Hohenreiter. "Es war ein Feuerwerk an Gefühlen, das losging, als ihre Vertreter bei mir waren." Ziel der großen Sportveranstaltung sei es, die Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne geistige Behinderungen zu fördern. Für die gehandicapten Sportler gehe es zwar ums Gewinnen, vor allem aber darum, ihr Bestes zu geben, so Hohenreiter. Die Wettbewerbe werden durch ein offenes Mitmachprogramm für Schulen, Kindergärten, Einrichtungen und Besucher aus der Region ergänzt.

Ob Bad Tölz den Zuschlag erhält, entscheidet sich im Juni 2021. Bis Ende Dezember dieses Jahres muss die Stadt ihre Bewerbung abgegeben haben. Hohenreiter glaubt, dass die Kurstadt durchaus gute Chancen hat. "Der große Punkt, der für Tölz spricht, ist, dass wir hier neu sind", sagt sie. Andere Orte wie Reit im Winkl oder Berchtesgaden seien schon mehrmals Gastgeber gewesen. Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) verweist auf die Infrastruktur, die Tölz zu bieten hat: Eisstadion, Kletterhalle, Skigebiete wie das Brauneck ganz in der Nähe. "Unser Angebot trifft man in Bayern nicht unendlich oft", sagt er.

Falls die Bewerbung angenommen wird, muss die Stadt nicht bloß die Sportstätten zur Verfügung stellen, sondern auch eine Reihe von Koordinationsaufgaben übernehmen, zum Beispiel die Kontakte zu Wirtschaft, Politik und Kultur, zu Sportverbänden, Schulen und Bezirksregierung herstellen. Außerdem obliegt ihr die Werbung für die Special Olympics. Hohenreiter plant nach ersten Schätzungen mit Ausgaben zwischen 50 000 und 60 000 Euro, wovon etwa 10 000 Euro alleine aufs Marketing entfielen, der Rest auf den Empfang der Gäste, Familienabende oder auch Mieten für Sportstätten. Die Eishalle koste alleine 1500 Euro pro Tag, sagt sie.

An den Special Olympics Bayern nahmen bislang nicht nur Athletinnen und Athleten aus dem Freistaat teil, sie kamen auch aus anderen Bundesländern, ebenso aus Österreich und der Schweiz. Hohenreiter rechnet mit 2000 bis 3000 Übernachtungsgästen. Die Spiele sollen im Zeitraum von Januar bis März in einer Woche - von Montag bis Freitag - stattfinden. Sollte Bad Tölz mit seiner Bewerbung erfolgreich sein, peilt die Kurdirektorin eine Woche in der ersten März-Hälfte an. Die sei "aus touristischer Sicht die Saure-Gurken-Zeit", sagt sie. Ein Termin im März kollidiere nicht mit den Schulferien oder den großen Messen in München. "Außerdem sind die Tage dann schon wieder länger."

Unter den Stadträten gab es keinen Widerspruch. Anton Mayer (CSU) forderte die Hoteliers in Bad Tölz auf, ihre Häuser in dieser Zeit zu öffnen. Auf seine Frage, ob eine solch hohe Zahl an Übernachtungen in der Stadt überhaupt zu stemmen sei, erwiderte Hohenreiter: "Das bringen wir nicht hin, das geht nur überregional." Filiz Cetin (SPD) wurde trotz der Kälte im Kurhaus beim Gedanken an die Spiele "ganz warm ums Herz". Johanna Pfund (Grüne) sprach von einem positiven Signal: "Es zeigt, dass Tölz als Sportstadt gut punkten kann." Auch für Willi Streicher (SPD) wären die Special Olympics "eine wunderbare Geschichte für Tölz". Für Hohenreiter käme es bei einem Zuschlag als Veranstaltungsort vor allem darauf an, ein "starkes Wir-Gefühl" zu entwickeln. Für die Winterspiele würden um die 250 ehrenamtliche Kräfte benötigt, sagte sie. "Das ist etwas, woran sich wirklich jeder beteiligen kann."

© SZ vom 26.11.2020
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