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Richtfest der Stiftung Nantesbuch am Karpfsee:"Auch der Stall soll toll aussehen"

Stiftung Nantesbuch Rohbau

Der zuständige Architekt Florian Nagler im künftigen Landwirtschaftsgebäude in Karpfsee.

(Foto: Manfred Neubauer)

Auf Gut Nantesbuch von BMW-Erbin Susanne Klatten feiert man Richtfest. Architekt Florian Nagler erzählt, warum eine Ortsstraße neu gebaut werden musste - und warum er gerne Ställe entwirft.

Vor drei Jahren noch gehörte das Gut Nantesbuch der Stadt München, dann kaufte eine der reichsten Deutschen das Gelände nahe Bad Heilbrunn: die BMW-Großaktionärin Susanne Klatten. Sie gründete damals die Kulturstiftung Nantesbuch, gab bekannt, dass sie dort und in der zugehörigen Hofstelle in Karpfsee gerne Projekte zu Kunst und Natur verwirklichen würde. Was mit dem Gut in Nantesbuch passieren wird, ist auch Jahre später noch nicht klar, die Stiftung gibt darüber keine Auskunft. Ein paar Kilometer weiter dagegen, am Karpfsee, feiert man am Mittwoch bereits Richtfest, hier ist unter anderem eine Akademie entstanden. Der SZ erzählte der verantwortliche Architekt Florian Nagler, was ihn am Entwerfen eines Stalls reizt - und warum eine Ortsstraße neu gebaut werden musste.

SZ: Susanne Klatten möchte hier gerne Menschen mit Natur und Kunst in Berührung bringen, so formuliert sie es selbst. Wie setzen Sie das um?

Florian Nagler: Die Häuser stehen inmitten der Natur, das ist natürlich eine privilegierte Lage. Vom Fenster blickt man auf die Moore, nach wie vor soll es hier um Landwirtschaft gehen. Zwar nicht im klassischen Sinne, es wird nichts produziert. Aber zum Stiftungsgelände gehören etwa 300 Hektar Wald und die müssen gepflegt werden. Im Stall werden dafür zum Beispiel Rückepferde untergebracht, die gefällte Holzstämme abtransportieren.

Und die Kunst?

Es wird einen Seminarbereich geben, mit Veranstaltungsräumen und Gästezimmern. Dort können dann auch Seminare zu kulturellen Themen stattfinden.

Wie kann man sich das fertige Gelände im Jahr 2017 vorstellen?

Ursprünglich standen hier zwei Ställe, auf deren Mauerwerk haben wir aufgebaut. Im südlichen Teil ist die Landwirtschaft untergebracht mit Heulager, Pferden und Remise. Im nördlichen Teil die Akademie. Daneben gibt es zwei Wohnhäuser und eine Energiezentrale, die mit Hilfe von einer Hackschnitzelanlage, Photovoltaik und Batterie das gesamte Gelände mit Strom und Wärme versorgt.

Wieso haben sie auf das alte Mauerwerk aufgebaut?

Das hier ist ein schöner Ort, der vielen Leuten schon seit langer Zeit vertraut ist und den sie kennen. Der Ort hat also bereits eine Geschichte, die wollten wir bewahren anstatt einen Neubau zu errichten.

Mit diesem Konzept haben Sie die Ausschreibung gewonnen?

Es gab keine Ausschreibung. Die Stiftung rief mich an und mir schien ein Bauprojekt in solch einer Lage reizvoll. Auch weil man Räume entwerfen darf, in denen noch richtig schwer gearbeitet wird. Wie zum Beispiel eine Stallung - denn auch der Stall soll toll aussehen.

Inwieweit hat Frau Klatten Vorgaben zu den Entwürfen gemacht?

Sie war von Anfang an miteinbezogen, wir haben ihr unsere Planungen und Entwürfe in regelmäßigem Abstand immer wieder vorgestellt. Zum Beispiel war es ihr Vorschlag das Foyer am Eingang des Seminargebäudes größer zu machen, das war ihr spontan zu klein. Ich muss sagen, das war ein ziemlich guter Tipp von Frau Klatten, denn jetzt ist es ein schöner Raum mit großem Fenster.

Was war die größte Herausforderung auf diesem Gelände?

Das Gebäude aus den zwei ehemaligen Ställen ist 130 Meter lang, der Boden aber ist nicht eben. Das Gebäude sitzt auf einer Art Kuppel, links und rechts davon fällt der Boden ab.

Wie löst man das?

Oft wird dann aufgeschüttet, das aber wollten wir nicht, wir wollten ein harmonisches Bild und haben deshalb unsere Entwürfe entlang dieser Kurve angepasst. Der Fußboden im Erdgeschoss etwa ist an den entsprechen Seiten mit Treppen versehen.

Und Sie haben extra eine Straße umlegen lassen?

Genau, direkt am Gebäude entlang verlief vorher die Gemeindestraße, die haben wir in Abstimmung mit der Gemeinde aber an anderer Stelle komplett neu gebaut, die Kosten dafür hat die Stiftung übernommen. Jetzt verläuft sie weit genug entfernt um das Gebäude herum.

Was wird das Projekt insgesamt kosten?

Dazu machen wir vor der Fertigstellung keine Angaben.

Wenn das fertig ist - welches Gefühl sollen die Gebäude den Besuchern dann vermitteln?

Am liebsten wäre mir, dass jemand das alles als selbstverständlich empfindet. Das würde ich dann als Lob werten. Wenn es auf ihn so wirkt, als wären diese Gebäude schon immer da gewesen und er nicht denkt: "Oh, da wollte wieder wer auftrumpfen". Er soll hier schöne Materialien sehen, die in Würde altern.

Also nicht nur Nachhaltigkeit in Sachen Energie?

Wir verwenden viel Holz, also regeneratives Material. Und zum Beispiel auch gut dämmende Ziegel, die keine zusätzliche Schaumstoffdämmung mehr benötigen, weil sie auch ohne genügend dämmen. Außerdem soll auch die Architektur möglichst nachhaltig sein.

Das heißt?

Klare Geometrie, klare Formen, keine Extravaganz. Man soll auch noch in 30 oder 40 Jahren diese Gebäude als schön empfinden können - und nicht nur jetzt, in den nächsten paar Jahren. Es sollen nachhaltige Strukturen sein.

Und mit der Bauherrin sind Sie sich in diesen Fragen immer einig?

Wir sprechen eine sehr ähnliche Sprache, das ist angenehm, wenn der Bauherr so denkt wie man selbst. Denn gegen den Bauherren bauen, das kann man sowieso nicht.

© SZ vom 11.11.2015
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