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Ausstellung:Italien im Schwankl-Eck

Gabi Breitenbach, Ralf Steinberger und Antje Schmuck zeigen Fotos und Skulpturen in Wolfratshausen

Von Susanne Hauck, Wolfratshausen

Mit einer Gemeinschaftsausstellung dreier deutscher Wahlitaliener widmet sich der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) der unstillbaren Italiensehnsucht hierzulande. Mit der Reisefreiheit geht es ja gerade erst so langsam wieder los. Aber die farbenprächtigen Fotografien von Ralf Steinberger und Gabi Breitenbach entführen schon jetzt nach Mailand, Venedig und Palermo. Und die fantasievollen Skulpturen aus Holz und Ton von Antje Schmuck leisten als wohltuende Kunsttherapie wirksame Hilfe gegen das Fernweh.

"Fundstücke aus Italien" heißt die sehenswerte Schau, mit der der "Kunstturm am Schwankl-Eck" am Sonntag Wiedereröffnung feierte. "Nach der langen Abstinenz können wir endlich wieder Kunst und Kultur in die weite Welt hinaustragen", freute sich KIL-Mitglied Daniela Satzinger bei der Vernissage, die dank gesunkener Inzidenzwerte endlich wieder analog mit echten Gästen und Begegnungen stattfinden konnte. "Italien! Geselligkeit und Lebensfreude", geriet Kulturreferent Alfred Fraas ebenso ins Schwärmen wie Bürgermeister Klaus Heilinglechner.

Kunstturm am Schwankl-Eck

Antje Schmuck, Ralf Steinberger und Gabi Breitenbach (von links) kennen sich vom Lago Maggiore.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die drei ausstellenden Künstler lebten unabhängig voneinander am Lago Maggiore und kennen sich von dort. Steinbergers und Breitenbachs Metier ist die Straßen- und Reisefotografie. Zwar verdienen beide ihren Lebensunterhalt mit anderen Berufen - Steinberger, dessen Vater die Pana-Werke gegründet hat, ist Computerlinguist, Breitenbach arbeitet in einem Institut und leitet einen Fotoklub. Sie Hobbyfotografen zu nennen, käme aber einer Beleidigung gleich angesichts ihrer Bilder von beeindruckender Magazinqualität und enormer Aussagekraft. Auf ihren Reisen durch Italien haben sie viele besondere Momente eingefangen, die den Kontrast zwischen Nord und Süd, alt und modern, arm und reich unterstreichen: Ein Prada-Schaufenster im schicken Mailand, eine Messerschleifer-Baracke im ärmlichen Palermo. Wäscheleinen in den Gassen von Genua, an denen ein Strandtuch so aufgehängt ist, dass es wie ein gerahmtes Gemälde wirkt. Ein italienisches Stillleben mit schrillbuntem Schwimmgetier-Verkaufsstand vor gedämpfter Abendstimmung am menschenleeren Strand. Und immer wieder Gesichter, die ganze Geschichten erzählen: ein in die Arbeit vertiefter Korbflechter, ein sizilianischer Gemüsehändler, der vor Lebensfreude strahlt, auch wenn ihm zahlreiche Zähne fehlen, eine alte Frau, die zufrieden vor ihrem Haus sitzt.

"Wir sind so etwas wie moderne Jäger", beschreibt Steinberger die Herangehensweise als Fotograf. Besonders ansprechend ist der Abzug auf mattem Papier, der den Bildern eine ganz ungewohnte Textur verleiht. "Wir machen das selber", erzählt Breitenbach, für die es sogar die erste Ausstellung ist.

Vom Lago Maggiore her kennen sie auch Antje Schmuck, die Dritte im Bunde. Die gebürtige Bremerin kombiniert am Strand gefundenes Treibholz mit Ton zu originellen künstlerischen Skulpturen aus dem Tierreich. "Ich sammle angeschwemmte Holzstücke und schaue sie mir an", berichtet Schmuck von ihrer Arbeit. "Bei vielen erkenne ich sofort, was entstehen soll. Andere erschließen sich erst, wenn ich sie mehrfach von allen Seiten betrachte." Was so spielerisch aussieht, ist handwerklich wegen der beiden verschiedenen Materialien eine Herausforderung. Schließlich schrumpft der Ton beim Brennvorgang unkontrollierbar ein. Allerhand Getier darf so durch den Kunstturm hüpfen und kriechen: von der kleinen Strandkrabbe bis zum wachsam sich erhebenden Chamäleon und mächtigen Oktopus. Ob man auch so ein gutes Auge wie die Künstlerin besitzt, kann jeder selbst ausprobieren. Einige Schwemmholz-Stücke warten noch auf kreative Vorschläge der Besucher.

Kunstturm am Schwankl-Eck

Gesichter, die Geschichten erzählen und Tierfiguren aus Treibholz und Ton.

(Foto: Hartmut Pöstges)

"Fundstücke aus Italien" bis Ende Juni im Kunstturm im Schwankl-Eck, geöffnet samstags von 12 bis 15 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr. Eine Anmeldung ist coronabedingt derzeit erforderlich: per Mail unter kunstturm@mail.de oder per Telefon unter 0172/9076194

© SZ vom 27.05.2021
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