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Tarifstreit:Angestellte des Freistaats streiken vor Schlosskulisse

300 Vertreter von Theatern, Unis und Verwaltung haben mit einem Flashmob eine bessere Bezahlung gefordert. Für den 26. Februar kündigte Verdi ganztägige Streiks an.

"Söder rück' die Kohle raus, sonst ist es mit der Freundschaft aus." Mit diesem Reim machen die Teilnehmer der Flashmob-Aktion vor dem Eingang des Nymphenburger Schlosses Stimmung. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat am Donnerstagvormittag etwa 300 Vertreter von Münchner Theatern, der Technischen Universität (TU), der Ludwig-Maximilians-Universität, der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung und anderen staatlichen Einrichtungen zum Warnstreik aufgerufen, um ihre Forderungen für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu unterstreichen: sechs Prozent mehr Lohn, Zusatzurlaub für Schichtarbeit, 30 Tage Urlaub für Auszubildende und einiges mehr. Für den 26. Februar kündigt Verdi ganztägige Streiks an, am 28. Februar und 1. März wird in Potsdam in dritter, bundesweiter Runde verhandelt. Angestellte des Freistaats erzählen, worum es ihnen geht:

"Wir haben Millionenwerte in den Händen und wissen kaum, wie wir unser Familienleben finanzieren sollen", sagt Jan Braun. Der 48 Jahre alte Restaurator arbeitet zusammen mit Susanne Mayr, 51, in den Restaurierungswerkstätten im Nymphenburger Schloss. Sie beschäftigen sich mit delikaten Papieren, Büchern, Grafiken und Modellen. Dazu braucht es handwerkliches Geschick und fundiertes Geschichtswissen. Braun hat ein Fachhochschulstudium, Mayr war an der Fachakademie der Staatsbibliothek. Sie ist seit 25 Jahren bei der Schlösserverwaltung und verdient Vollzeit gut 2300 Euro im Monat. "Daran wird sich bis zur Rente nichts ändern", sagt sie. Was sie und Braun besonders ärgert: Kollegen, die beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege oder bei der Stadt angestellt sind, werden besser entlohnt.

Bessere Bezahlung fordert auch Fritz Hirschvogel. Er ist Gärtner und einer der beiden Baumkletterer im Nymphenburger Schlosspark. Dazu braucht es Mut, Fitness und eine Zusatzausbildung. "Die Baumkontrollrichtlinien werden immer anspruchsvoller", sagt Hirschvogel. Er sei mit "Leib und Seele Gartenzwerg", aber auch ihm stößt die ungleiche Bezahlung auf. Nach 25 Jahren verdient er weniger als 3000 Euro brutto monatlich. Wenn er nicht eine kleine Dienstwohnung bekommen hätte, könnte er sich München nicht leisten. Die Kollegen bei der Kommune seien besser bezahlt, sagt er. "Kein Wunder, dass wir kaum Nachwuchs bekommen."

Theatermeister Andreas Thiemeier, 50, und Paula Gottschalg, 59, Personalratsvorsitzende, sind als Vertreter der Beschäftigten des Gärtnerplatztheaters gekommen. Eigentlich hätten sie an diesem Vormittag frei, doch sie wollen sich solidarisch zeigen mit den Streikenden. Sie bringen auch ein eigenes Anliegen mit: "Wir arbeiten Schicht, an Samstagen und Sonntagen", sagt Thiemeier. "Wir finden eine Gehaltserhöhung um sechs Prozent mehr als angemessen. Mehr Urlaubstage auch."

40,1 Wochenstunden, das sei zu viel, hört man aus dem Grüppchen, das die Prüfungsverwaltung der TU an der Arcisstraße vertritt. "Wir möchten zurück auf 38,5 Wochenstunden", sagt Renate Bayer, Betriebsgruppensprecherin, seit 16 Jahren dabei. "92 Prozent der Mitarbeiter werden mit befristeten Verträgen eingestellt und 75 Prozent befristet weiterbeschäftigt." Sie seien die unterste Schiene der Verwaltung, beschwert sich die 60-Jährige.

Karin Peintinger, stellvertretende Landesvorsitzende für den Tarifbereich der Polizei, ist aus Straubing angereist. 5000 Tarifstellen gibt es bayernweit, neben gut 38 000 Beamtenstellen. "Wir haben keine Lobby", sagt Peintinger, "aber leisten wichtige Arbeit." Wagenpfleger, Maler, Hausmeister, Elektriker oder Bürokräfte wie sie, sind mit Tarifvertrag angestellt. "Wir haben akute Personalnot", sagt sie. Fachkräfte im IT-Bereich seien kaum zu finden wegen der miesen Bedingungen. Seit 1999 sei die Zahl der Tarifbeschäftigten gleich geblieben.