Vogel des Jahres König Kasimir lebt im Nymphenburger Schlosspark

Früher war der Waldkauz ein Symbol für den Tod - heute hat sich sein Image gewandelt.

(Foto: dpa)

Der Waldkauz gilt als bayernweite Berühmtheit - auch, weil es gar nicht so einfach ist, ihn zu Gesicht zu bekommen.

Von Günther Knoll

Für viele Besucher des Nymphenburger Schlossparks gehört ein Abstecher zu der kleinen Brücke an der Badenburg einfach dazu. Dort nämlich wohnt ein ganz besonderer Kauz, und der ist fast täglich in seiner Höhle in einem alten Baum zu bewundern. Aus sicherer Höhe schaut er von dort auf das Treiben unter sich. Stören lässt er sich weder von neugierigen Blicken noch von Rufern und auch nicht von den vielen Teleobjektiven, die auf ihn gerichtet sind. Wenn ihm die seltsamen Käuze da unten allzu aufdringlich werden, zieht er sich einfach in seinen Unterstand zurück.

Aus unerfindlichen Gründen haben seine vielen Fans - Spaziergänger, Jogger, Ornithologen, Fotografen - dem Nymphenburger Waldkauz irgendwann den Namen "Kasimir" gegeben. Der Vogel ist damit zu einer bayernweiten Berühmtheit geworden, wie der Landesbund für Vogelschutz mitteilt. Der hat zusammen mit den anderen Naturschutzverbänden den Kauz zum Vogel des Jahres 2017 ausgerufen, als "Botschafter der Nachtnatur", und auch um damit deutlich zu machen, dass in den Wäldern naturnahe Altholzbestände fehlen, in denen die Vögel Brutmöglichkeiten finden.

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Bekannt ist sein typischer Balzruf - aus Gruselfilmen.

Den Waldkauz von der Badenburg wählte schon 1973 Walter Wüst, der Nestor der modernen Ornithologie in Bayern, als Titelbild für sein Buch über die Vogelwelt im Schlosspark. Gut möglich, dass sich heute einer seiner Nachkommen genau so bereitwillig wie der Vorfahr im gleichen Baum ablichten lässt. Waldkäuze werden nämlich in der Regel nicht älter als 30 Jahre.

In den Parkanlagen mitten in der Stadt finden sie noch gute Lebensbedingungen, dort gibt es alte Bäume mit Höhlen, Rasenflächen, auf denen sie Jagd nach Mäusen machen können, weil dort noch keine Chemie gegen die Nager eingesetzt wird. Waldkauzreviere finden sich rund um das Schloss Nymphenburg und auch im Englischen Garten.

Weil die Vögel nachtaktiv sind und dazu noch lautlose Flieger, muss man schon ihre Tageseinstände kennen, wenn man die standorttreuen Käuze sehen will. Ihre Reviere und Nisthöhlen verteidigen sie ein Leben lang. Es gibt sie in zwei Morphen, einer braunen und einer grauen. In beiden Federkleidern sind sie nur schwer zwischen Geäst und Rinden auszumachen, die Tarnung ist perfekt.

Das Image des Vogels hat sich gebessert

Einfacher ist es, nach ihren Rufen zu hören. Ohne die kommt kein Fernsehkrimi aus, wenn eine schaurige Nachtszene angesagt ist: "Huh-Huhuhu-Huuuh". Dieser Balzruf erklingt vor allem im ausgehenden Winter. Der Waldkauz gehört zu den Eulen, von denen die meisten nachtaktiv sind. Deshalb galten die Vögel im Mittelalter als Botschafter von Unglück und Tod. Der Kontaktruf des Kauzes "kuwitt" verstärkte diesen Aberglauben noch: Man verstand ihn als "Komm mit", was angeblich den baldigen Tod eines nahestehenden Menschen ankündigte. Um den zu verhindern, erlegte man den rufenden Kauz und nagelte ihn an Tore und Scheunen.

Heute hat der gar nicht so scheue Vogel ein besseres Image: Es gibt ihn als Stofftier zum Spielen, er ziert Glückwunschkarten und Kaffeetassen. Und er ist ein begehrtes Fotomotiv: Fotografen aus ganz Deutschland kommen in den Schlosspark für ein Motiv mit Kasimir. Der LBV in München bietet sogar eigene Führungen zu den Käuzen im Nymphenburger Park an.

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