Ukraine-Krieg:Jurowski initiiert offenen Brief

Lesezeit: 2 min

Ukraine-Krieg: Der Dirigent Vladimir Jurowski.

Der Dirigent Vladimir Jurowski.

(Foto: Vit Simanek/imago/CTK Photo)

Der Putin-Gegner und Bayerische Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski setzt sich darin für russische Kulturschaffende ein und will den Pauschalboykott ihrer Kunst stoppen.

Von Susanne Hermanski, München

Der Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper Vladimir Jurowski bezieht in einem offenen Brief zur aktuellen politischen Situation Stellung. Er initiiert darin einen internationalen Aufruf, sich gegen den Krieg Russlands in der Ukraine zu vereinen. Dies teilte die Bayerische Staatsoper an diesem Mittwoch mit. Vladimir Jurowski ist selbst gebürtiger Russe, vor wenigen Tagen starb sein Vater Michail Jurowski, der ebenfalls Dirigent war und mit dem er als junger Mann 1990 nach Deutschland übersiedelte.

Vladimir Jurowski hat in den vergangenen Wochen bereits häufig vehement gegen Putins Angriffskrieg Stellung bezogen - bei Konzerten, wie Demonstrationen. Sein Appell zielt nun darauf, einem Pauschalboykott gegen russische und belarussische Künstlerinnen und Künstler entgegenzuwirken und fordert dazu auf, davon abzusehen, sie zu öffentlichen Positionierungen zu drängen. Jurowskis Aufruf haben sich schon jetzt mehr als Hunderte Kolleginnen und Künstler, wie Staatsintendant Serge Dorny, Sir Simon Rattle, Barrie Kosky, Edward Gardner und Christian Gerhaher, angeschlossen. Auf dem Portal change. org werden weitere Unterschriften gesammelt.

In Auszügen des Briefes heißt es: "Wir befürworten vorbehaltlos die Sanktionen und den diplomatischen Druck, die gegen das Putin-Regime und seine Handlanger, gegen seine Befürworter, Propagandisten und Informationsmanipulatoren sowie gegen Personen oder Organisationen, deren Verbindungen zu Putin und seiner Regierung eindeutig dokumentiert sind, ausgeübt werden. Aber nicht alle Russen und Belarussen, und schon gar nicht alle Kulturschaffenden dieser beiden Nationen unterstützen diese schreckliche Invasion. Somit erachten wir es als ungerecht, Russen oder Belarussen für die Handlungen des Diktators und seiner Anhänger pauschal zu verurteilen (...) Einen Kulturschaffenden aufgrund seiner Nationalität von einer Veranstaltung auszuschließen, gleichzeitig dem Künstler persönlich aber nicht schaden zu wollen, (...) ist nicht möglich (...) Viele fühlen sich derzeit wie Geiseln in ihrem eigenen Land. Bevor er in die Ukraine einmarschierte, überfiel Putin bereits sein eigenes Land, brachte jede Opposition zum Schweigen und unterzog die Bevölkerung einer ideologisch gesteuerten Gehirnwäsche. Doch seine hassschürenden Desinformationskampagnen können wir besiegen, indem wir geschlossen zusammenstehen (...) Wir erheben unsere Stimmen gegen die willkürliche Ausgrenzung russischer und belarussischer Personen allein aufgrund ihrer Nationalität. Solche Maßnahmen sind nicht nur einer Gesellschaft unwürdig, die sich um die Beseitigung aller Formen von Diskriminierung bemüht, sondern dienen auch dazu, Putins gefährliche Propagandanarrative zu nähren."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB