Viertel-Stunde Häuschen mit Historie

Damals noch ein Arbeitsplatz: das Stationshäuschen am Romanplatz im Jahr 1960.

(Foto: Archiv FMTM)

Nach 91 Jahren muss die ehemalige Tram-Station der Umgestaltung des Romanplatzes weichen

Kolumne Von Sonja Niesmann

Genau 91 Jahre hat es hier gestanden, das hell gestrichene Häuschen mit dem Blechdach, eine Insel im Asphalt- und Schienenmeer, im Laufe der Jahrzehnte immer stärker von Verkehr umspült. Dieser Tage nun fressen sich die Abrissbagger in das Stationshäuschen am Romanplatz, an seiner Statt wird ein paar Meter weiter nördlich ein baumbestandenes Rondell gebaut.

Eine Schleife zog die aus der Romanstraße anschnaufende Dampftrambahn dort schon seit 1903, noch ehe ein Gebäude sie dazu genötigt hätte. 1912 dann wurde eine unterirdische Trafostation errichtet, 4,50 Meter tief. Diesen Keller nun komplett auszubaggern und mit Kies aufzufüllen, würde "einen Riesentrichter erzeugen - ein unverhältnismäßiger Aufwand", erklärt Alfred Lechner, der Projektleiter der Stadtwerke für den Umbau des Romanplatzes. Daher werde man nur anderthalb Meter tief abreißen, der Rest bleibt als unterirdische Ruine.

Der oberirdische Teil des Bauwerks kam 1928 dazu. Von solchen Stationshäuschen aus, die es auch am Stachus, am Leonrod- oder am Max-Weber-Platz gab, traten die Wagenführer und Schaffner der Tram ihren Dienst an, verbrachten auch ihre Pausen dort. Ein Stationsmeister - wie der Schaffner ein ausgestorbener Beruf - hatte dort seinen Arbeitsplatz, kümmerte sich um Ausgabe und Abrechnung der Fahrkarten. 1971 wurde die Station am Romanplatz aus Rationalisierungsgründen aufgelöst. Einige Jahre verkaufte die "Bücher-Insel" dort noch Lesestoff, ehe sie 2008 auszog. Zuletzt wurde das Häuschen nur noch aufgesperrt von Bus- und Tramfahrern, die mal mussten. Die Stadtwerke fällten ihr Urteil: entbehrlich, der Platzumgestaltung im Wege.

Dabei hätte das Häuschen fast noch eine Häutung geschafft: Die Neuhauser Band Naked Superhero wollte dort gerne proben, selbst das Preisgericht im Wettbewerb zur Platzumgestaltung empfahl, es zu erhalten und als Bürgertreff zu nutzen. Doch eine Ortsbesichtigung desillusionierte selbst die Anhänger einer neuen Nutzung: zu marode, eine Sanierung wäre unverhältnismäßig teuer gekommen.