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Verletzung nach Besuch auf Polizeiwache:Zu renitent gewesen?

Polizeisprecher Wolfgang Wenger schildert die eineinhalb Stunden ganz anders: Frau Schneider sei von Anfang an aufgebracht und renitent gewesen. Schon am Mittag des Rosenmontag habe sie nicht einsehen wollen, dass eine Strafanzeige wegen Lohnbetrugs bei der Polizei überflüssig sei, weil der Zoll der Sache bereits nachgehe. Am Abend hätten die Beamten dann laut Wenger den Eindruck gewonnen, dass die Dolmetscherin die beiden rumänischen Arbeiter beeinflusse, um deren Aussage zu verhindern. Und das, obwohl es sich bei der Messerstecherei um versuchte Tötung handle.

Gewalt Revier

Sicher ist nach dem Abend nur, dass die Frau ein großes Hämatom auf der Stirn davontrug.

(Foto: oh)

Zudem seien Schneider offenbar Details der tätlichen Auseinandersetzung bekannt gewesen: Sie habe einem Polizisten einen Zettel hingehalten, auf dem der Name des mutmaßlichen Täters gestanden habe. Trotz mehrmaliger Aufforderung habe sie sich geweigert, den Zettel herauszugeben. Auch ihre Personalien habe sie nicht verraten, so Wenger.

Deshalb habe sich der Polizist gezwungen gesehen, nach mehrmaliger Androhung, unmittelbaren Zwang anzuwenden: den Polizeigriff. Die Beule an der Stirn rühre daher, dass die Frau sich gewehrt habe und dabei gegen eine Wand gekracht sei. Sie habe wild um sich geschlagen und gekratzt. Zwei hinzugerufene Beamtinnen der ebenfalls am Bahnhof ansässigen Bundespolizei bestätigten diesen Verlauf: Franka Schneider habe sich nicht beruhigen lassen. Was es mit dem angeblich verweigerten Toilettengang auf sich habe, sei der Polizei derzeit noch unklar, so Wenger.

Schneider wiederum versichert, dass sie keinen Zettel mit einem Täternamen vorgezeigt habe. Sicher ist, dass die Dolmetscherin nach ihrer ärztlichen Untersuchung an jenem Abend noch zum Polizeipräsidium ging, um die Bahnhofs-Polizisten anzuzeigen. Weil Schneider die letzte S-Bahn bekommen musste, war keine Zeit mehr für eine ausführliche Befragung. Eine Polizistin aber machte Fotos der Stirnverletzung.

Vorladung von der Mordkommission

Gehört hat Franka Schneider dann lange nichts mehr von der Polizei. Erst nach Wochen habe sich ein Polizist telefonisch bei ihr gemeldet, knapp zwei Monate nach dem verhängnisvollen Abend im Bahnhof kam eine schriftliche Vorladung: Frau Schneider solle als "Beschuldigte" aussagen. Man ermittle wegen Widerstands, Körperverletzung, Strafvereitelung und Beleidigung. Die Vorladung kam von der Mordkommission, dort laufen die Ermittlungen in Sachen Messerstecherei. Zugleich beschäftigt sich das Kommissariat für Amtsdelikte mit den Vorwürfen gegen die Polizisten.

Franka Schneider hat inzwischen über ihre Anwältin Angelika Lex Strafanzeige gegen die Polizisten gestellt. Zu ihrem Erlebnis auf der Wache soll sie nun Ende Juni aussagen. Polizeisprecher Wenger begründet die schleppende Bearbeitung mit der Überlastung nach dem Mord an den beiden Mädchen in Krailling. Zunächst wolle man die Vorwürfe gegen die Frau klären, dann sich mit deren Beschuldigung gegen die Beamten beschäftigen, dies sei üblich.

Welche Version stimmt? Selbst wenn man unterstellt, dass die der Polizei wahr ist, bleiben Fragen: Warum gelingt es vier Beamten nicht, mit einer Frau so umzugehen, dass diese unverletzt bleibt? Irgendetwas scheint schiefgelaufen zu sein, wenn eine Frau, die nicht als Beschuldigte kam, sondern als Dolmetscherin, mit gewaltiger Beule an der Stirn und mit nasser Hose die Wache verlässt. Noch immer, gut drei Monate später, ist sie krankgeschrieben und leidet unter starken Kopfschmerzen.

© SZ vom 17.06.2011/sonn
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