Verkehr Wie die Autos langsam aus der Altstadt verschwinden könnten

SZ-Grafik

  • Die Sendlinger Straße wird bald komplett für Autos gesperrt.
  • Das passiert probeweise, ist aber Auftakt für viele weitergehende Pläne in der Innenstadt.
  • Es gibt verschiedene Vorschläge, wie der Verkehr schrittweise reduziert werden könnte. Eine Komplettsperrung der Altstadt für Autos kann sich aber niemand vorstellen.
Von Thomas Anlauf

Noch quälen sich Autofahrer im Schritttempo durch die verstopfte Sendlinger Straße. Doch spätestens im Juli ist damit erst mal Schluss. Dann sperrt die Stadt auch den hinteren Teil der Sendlinger Straße für den Verkehr - zunächst ein Jahr lang auf Probe. Schon zuvor mussten am Marienplatz Taxis und Busse, aber auch Radler weichen.

Das Verkehrsexperiment für die Münchner Altstadt ist danach aber noch lange nicht beendet. Denn es gibt zahlreiche Überlegungen, wie der Kfz-, Rad- und Fußgängerverkehr künftig besser geregelt werden könnte. Stadtbaurätin Elisabeth Merk zumindest kann sich durchaus vorstellen, dass eines Tages die Altstadt nur noch für Anlieger, Radler und Fußgänger zugänglich ist. Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sieht noch einige Baustellen, wo die historische Innenstadt deutlich attraktiver werden müsste.

Als nächstes an der Reihe: der Platz vor der Oper

Noch vor der Sommerpause des Stadtrats will das Planungsreferat drei Lösungsvorschläge für den Max-Joseph-Platz am Nationaltheater vorlegen. Die unterirdische Parkgarage mit der schneckenförmigen breiten Zufahrt ist den meisten Stadträten und auch Reiter schon lange ein Dorn im Auge, auch die breite Trasse am Ende der Maximilianstraße soll neu gestaltet werden. Die Grünen im Stadtrat fordern sogar, die Maximilianstraße zum Teil in eine Fußgängerzone umzuwandeln.

Fußgängerzone Sendlinger Straße: Stadtrat entscheidet über Fußgängerzone
Altstadt

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Ab Juni könnte die Straße zunächst für ein Jahr für den Verkehr gesperrt werden. Viele Mieter befürchten stark steigende Quadratmeterpreise.  Von Thomas Anlauf

Auch im Tal ist die Diskussion um ein neues Verkehrskonzept wieder in Fahrt gekommen, nachdem der Oberbürgermeister im vergangenen Herbst laut Überlegungen angestellt hatte, die Trasse zwischen Isartor und Altem Rathaus komplett für den Kfz-Verkehr zu sperren. Darüber müsse man reden, sagte Reiter. Ein richtiges Verkehrskonzept liest sich allerdings aus diesen Überlegungen nicht gerade heraus. Denn erst vor knapp zwei Jahren wurde das Tal umgebaut, seither haben Fußgänger deutlich mehr Platz zum Flanieren, Autofahrer hingegen weniger Raum.

Das ist grundsätzlich das Problem in der Münchner Altstadt: Für das Hackenviertel zum Beispiel hat das Planungsreferat bereits vor Jahren eine Studie erstellt. Doch bis auf kurze veröffentlichte Auszüge oder einzeln präsentierte Ergebnisse über die Parksituation im verwinkelten Quartier zwischen Sonnen- und Sendlinger Straße ist die Studie bislang unter Verschluss. Denn es gibt besonders in diesem Bereich der Altstadt viele gegensätzliche Forderungen von Anwohnern, Händlern und Politikern. "Eine isolierte Veröffentlichung ist derzeit nicht sinnvoll", sagt Ingo Trömer, Sprecher des Planungsreferats.

Denn eine weitere Sperrung von kleinen Nebenstraßen oder gar die Schließung von Zufahrtsstraßen können sich derzeit höchstens Umweltverbände wie Green City vorstellen. Aber selbst Andreas Schuster, Experte für Mobilität bei der Münchner Umweltorganisation, will keine Einzelfalllösungen für den Verkehr im Hackenviertel: "Man muss sich das Gebiet im Ganzen anschauen."

Es gehe eben nicht nur darum, einfach Verkehrsflächen für Autos zu sperren oder Parkplätze abzuschaffen, sondern auch um mehr Aufenthaltsqualität im Hackenviertel. Gerade kleine Nebenstraßen könnten mit der Öffnung von Hinterhöfen und Passagen attraktiver für Fußgänger werden. Eine Komplettsperrung der Altstadt für den Autoverkehr kann sich selbst Schuster nicht vorstellen, der Verkehrsexperte spricht von der Vision einer "autoreduzierten Altstadt". Allerdings sieht er einen wichtigen Schlüssel, den Autoverkehr in der City zu verringern, darin, die Parkplätze auf öffentlichem Grund deutlich zu verringern.

Minibusse in den Altstadtgassen könnten eine Lösung sein

Stadtbaurätin Elisabeth Merk fordert nun von der Politik, das für die Innenstadt bereits seit zehn Jahren bestehende Mobilitätskonzept fortzuschreiben, bei dem es um die Qualität, aber auch den Charakter des öffentlichen Raums geht. Sie schlägt dafür ein Bürgergutachten vor, in dem untersucht werden soll, wie viel Verkehr in der Altstadt überhaupt noch nötig ist. Denn seit Jahren sinkt die Zahl der Autofahrer, die sich noch durch die engen Gassen quälen.

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Der ADAC pocht darauf, dass für Geschäfte, Praxen und Wohnungen in der Altstadt auch künftig die "Erreichbarkeit gewährleistet ist", sagt ein Sprecher des Automobilclubs. Das könnte aber auch mit einem Angebot funktionieren, das es etwa in Städten wie Regensburg, der slowenischen Hauptstadt Ljubljana oder der französischen Stadt Pau gibt: kostenlose Minibusse oder Elektromobile, die Anwohner oder Kunden durch die Altstadtgassen bringen. Entsprechende Anträge haben die Grünen vor wenigen Tagen gestellt.

Sie könnten sich auch ebenso wie Green City vorstellen, den östlichen Teil der Sonnenstraße zu einem Boulevard umzufunktionieren. Auch gibt es vage Überlegungen für die Brienner Straße und Teile der Ludwigstraße, dort den Verkehr deutlich zu reduzieren. Zumindest in der Brienner Straße stößt die Idee bei einigen Geschäftsleuten auf Widerstand. Aber das Planungsreferat hat bereits abgewunken. Wegen des geplanten Umbaus des Altstadtrings ist die Brienner Straße zunächst aus der Prioritätenliste gestrichen worden. Dafür werden wohl bald zwei Orte am Eingang zur Altstadt gehörig umgestaltet, die bislang vom Autoverkehr regelrecht durchschnitten werden: der Isartorplatz und der Sendlinger-Tor-Platz.