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Altstadt:Sendlinger Straße: Stadtrat entscheidet über Fußgängerzone

Sendlinger Straße in München, 2015

Hinterm Horizont geht's weiter: Die Fußgängerzone in der Sendlinger Straße soll bis zum Sendlinger Tor ausgeweitet werden.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Am 6. April soll der Stadtrat darüber entscheiden, ob die Sendlinger Straße für ein Jahr autofrei wird.
  • Bedenken gibt es unter Anwohnern, dort niedergelassenen Ärzten und Geschäftsleuten eine ganze Menge.
  • Der Plan wurde in der Kooperationsvereinbarung zwischen SPD und CSU festgezurrt, doch Teile der CSU-Fraktion rücken von einer strikten Verkehrssperrung ab.

Von Thomas Anlauf

Die Idee für eine autofreie Sendlinger Straße gibt es seit fast einem Vierteljahrhundert. Doch nun steht plötzlich ein Datum im Raum, an dem die neue Fußgängerzone in der Münchner Altstadt Wirklichkeit werden könnte: Am 6. April soll der Stadtrat darüber entscheiden, ob nun auch der Abschnitt zwischen Hackenstraße und Sendlinger Tor zur Flaniermeile wird - auf Probe.

Denn das ist die Besonderheit an diesem Prozess: Sollte der Stadtrat zustimmen, wird die Sendlinger Straße voraussichtlich von Juni an zunächst für ein Jahr für den Verkehr gesperrt. Die Bewährungszeit ist nicht zuletzt ein Zugeständnis an die Bewohner, die dort niedergelassenen Ärzte und die Geschäftsleute in der Straße.

"Verkehrsversuch" nennt das Planungsreferat deshalb das Projekt vorsichtig, das zuletzt auf Widerstand einiger Anwohner und auch auf Protest im Altstadt-Bezirksausschuss stieß (Bericht unten). Während der gesamten einjährigen Testphase soll ständig überprüft werden, ob eine Fußgängerzone in dem Straßenabschnitt mit seinen vergleichsweise kleinen Geschäften und mehreren Hof- und Garageneinfahrten überhaupt funktioniert.

Halbzeitbilanz im Dezember

Dazu will das Planungsreferat nicht nur eine Bürger-Mailbox, ein Sorgentelefon und eine eigene Internetseite einrichten, sondern auch laufend beobachten, wie sich die Parksituation und der Verkehr im Hackenviertel durch die Sperrung verändern wird. Es soll Ortsbegehungen und Befragungen von Anwohnern, Geschäftsleuten, aber auch Passanten geben.

Und im Dezember ist eine öffentliche Halbzeitbilanz in Form einer Einwohnerversammlung geplant. So sei es auch möglich, während der probeweisen Sperrung kurzfristig auf Probleme zu reagieren und nachzubessern, versichert das Planungsreferat. "Wenn wir feststellen, es sind bestimmte Sachen nicht lösbar, dann wäre eine nächste Betrachtung eventuell ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich", sagte Verkehrsplanerin Petra Wurdack bei einer Informationsveranstaltung zur Sendlinger Straße am Dienstagabend.

Bedenken gibt es unter den Betroffenen eine ganze Menge, allerdings versprechen sich viele auch eine Verbesserung der Lebensqualität als Anwohner einer Fußgängerzone. So halten die einen die Ausweitung der autofreien Sendlinger Straße bis zum Tor für eine "logische Konsequenz der Stadtplanung", die wegfallenden Parkplätze bedeuteten nicht nur mehr öffentlichen Raum für Fußgänger, auch die gesamte Straße würde optisch aufgewertet und beispielsweise die Asamkirche besser zur Geltung kommen.

Auf der anderen Seite befürchten viele Mieter stark steigende Quadratmeterpreise und einen Verdrängungsprozess von Bewohnern und Geschäftsleuten mit kleineren Betrieben. So forderten Teilnehmer der Informationsveranstaltung die Verwaltung auf, in der Testphase nicht nur auf den veränderten Kfz-Verkehr zu achten, sondern auch auf drohenden Wandel in den bestehenden Strukturen. Und auch die umliegenden Straßen sollten in die Prozessbeobachtung einbezogen werden.

Optisch soll sich am Erscheinungsbild wenig ändern

Dass die Sperrung der kompletten Sendlinger Straße Auswirkungen auf das gesamte Hackenviertel haben wird, ist Experten und Anwohnern klar. Schließlich werden in Sendlinger und Schmidstraße, die auch in die Fußgängerzone integriert werden soll, insgesamt 95 Straßenparkplätze und 14 Ladezonen für Lieferwagen wegfallen. Da nicht alle Anwohner Tiefgaragenplätze haben, müssten sie sich künftig in anderen Straßen Parkplätze suchen.

Ganz ausgesperrt werden Bewohner der Sendlinger Straße jedoch nicht. Für 15 Euro Gebühr pro Jahr können sie mit ihren Autos auch weiterhin zu ihren Garagen fahren, auch mit Behindertenausweis darf man parken, Pflegedienste sollen berechtigt sein, außerdem darf der Lieferverkehr bis 10.15 Uhr die Straße von der Hermann-Sack-Straße aus anfahren und über die Herzog-Wilhelm-Straße wieder verlassen.

Optisch soll sich am Erscheinungsbild wenig ändern, zumindest während der Testphase. Die Fahrbahnmarkierungen bleiben, lediglich Verkehrsschilder und Parkscheinautomaten verschwinden. Dafür will das Baureferat auf die Straße acht Pflanzkübel mit bis zu viereinhalb Meter hohen Büschen stellen, allerdings nicht in der Nähe des Sendlinger Tors, um die Sicht auf das historische Bauwerk nicht zu stören. Da in der Fußgängerzone Radler nur zwischen 21 und 9 Uhr fahren dürfen, werden an der Hacken- und der Herzog-Wilhelm-Straße 110 Radlständer aufgestellt.

Noch ist nicht sicher, ob der Stadtrat der Fußgängerzone auf Bewährung überhaupt zustimmt. Zwar wurde der Plan in der Kooperationsvereinbarung zwischen SPD und CSU festgezurrt, doch Teile der CSU-Fraktion rücken von einer strikten Verkehrssperrung ab. "Wir von der CSU sagen: Wir brauchen die Fußgängerzone nicht unbedingt", sagt Stadtrat Thomas Schmid.

© SZ vom 10.03.2016/mkro

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