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Unterschleißheim/Haar:Entscheidung für die Zukunft

Es geht voran: Auf dem Business-Campus entstehen 4000 Arbeitsplätze.

(Foto: Catherina Hess)

BMW wird sein "Entwicklungszentrum Autonomes Fahren" auf dem Business-Campus in Unterschleißheim ansiedeln

Die Meldung war am Dienstag offiziell noch gar nicht raus, da stand schon der erste Interessent bei Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) auf der Matte. Sein Begehr: Wenn BMW doch nicht nach Haar komme, dann könnte man doch auf der Finckwiese wunderbar Einkaufsmärkte errichten. Damit stieß er bei Müller freilich auf taube Ohren, wie all die Investoren in der Vergangenheit, die nahe der A 99 gerne auch ein Logistikzentrum geschaffen hätten. Aber klar ist: Nach der Entscheidung des Autobauers, sein "Entwicklungszentrum Autonomes Fahren" auf dem Business-Campus in Unterschleißheim anzusiedeln, werden die Karten in Haar neu gemischt.

Die Gemeinde muss sich nun wieder überlegen, was aus dem 15 Hektar großen Areal an der Autobahn werden soll. Bürgermeisterin Müller zeigte sich enttäuscht über die Absage von BMW, sagte aber auch, das Schaulaufen mit Unterschleißheim habe sich gelohnt. Haar habe an Profil gewonnen.

Derweil schaut Unterschleißheim in froher Erwartung auf das, was kommt. Die Schließung des Airbus-Standortes an der Landshuter Straße ist schneller als gedacht kompensiert, der Business-Campus füllt sich. Am Montagabend unterzeichnete dessen Geschäftsführer Stephan Hof von DV Immobilien im BMW-Turm den Mietvertrag für das Entwicklungszentrum. Damit sind 47 000 Quadratmeter auf einen Schlag vergeben. Hof zeigte sich am Dienstag erleichtert, die Entscheidung sei knapp gewesen: "Es war wirklich bis zum Schluss offen." Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD), der selbst früher als Entwickler bei BMW arbeitete, sagte: "Wir freuen uns natürlich sehr." Die Stadt habe in den vergangenen Jahren, auch wegen des Weggangs von Microsoft, 3000 Arbeitsplätze verloren; das werde jetzt ausgeglichen. Dabei erinnerte Böck daran, dass es gelungen sei, mit Nokia und der BMW-Tochterbank Alphabet das ehemalige Microsoft-Gebäude am Lohhofer Bahnhof wieder zu beleben. 900 Arbeitsplätze seien auch damit verbunden.

Der Großmieter BMW ändert an den Business-Campus-Plänen laut Hof nichts Grundlegendes. Als erstes wird von Juli 2017 an nach einem Umbau das bestehende frühere Airbus-Verwaltungsgebäude bezogen. Zwei Drittel der am Ende genutzten Gebäude, in denen Büros Platz finden können, bestehen bereits. Vor allem Multifunktionsgebäude, in die Werkstätten, Mess- und Prüfstände, Labore und Lager einziehen, werden neu errichtet.

Im Zentrum des Business-Campus soll ein See entstehen, nahe der Kantine am Bestandsgebäude ist eine kleinere Wasserfläche, die sogenannte Lagune vorgesehen. Geschäftsführer Hof zufolge hält man an dem integrierten Konzept fest, ein städtebaulich lebendiges Gelände mit Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen. Ein Ärztehaus, in dem bisher ein Radiologe residiert, existiert bereits. Architektonisch werde man sich auch mit den neuen Gebäuden an das am Garchinger Business-Campus bewährte Konzept halten, sagt Hof. Demnach soll jedes Gebäude einen eigenen Charakter haben, allerdings mit verbindenden Gestaltungselementen.

Am laufenden Bebauungsplanverfahren wird sich laut Hof wenig ändern. Auch das für das Gebiet in der Stadt auf 4000 Arbeitsplätze ausgelegte Verkehrskonzept sei ausreichend. Bürgermeister Böck sagte, der Ausbau des Knotenpunktes Münchner Ring/Landshuter Straße werde angegangen. Auch das Thema Wohnungsbau werde die Stadt beschäftigen. Denn BMW will nicht nur 600 Beschäftigte nach Unterschleißheim holen, von denen viele schon im Norden Münchens arbeiten - das Unternehmen stellt auch neue ein. Gesucht werden IT-Spezialisten, Software-Entwickler in den Bereichen künstliche Intelligenz, Machine Learning und Data Analysis.

Mit der Entscheidung baut BMW seine Präsenz in Unterschleißheim aus, nachdem der Konzern dort schon ein Trainingszentrum betreibt. Zudem stärkt der Norden des Landkreises weiter sein Image als Innovationsschmiede. Es sollen BMW auch Software-Firmen folgen, die Know-how beim Bau selbstfahrender Autos mitbringen. In Unterschleißheim trifft BMW anders als in Haar auf bereits vorhandene Strukturen. Bis 2019 sind in einigen Bereichen des Campus noch Airbus-Mitarbeiter tätig. Dann sollen sie die letzten Hallen räumen. Seit Kurzem gibt es dort die Accelerator Community Unterschleißheim (Acu), ein Gründerzentrum, in dem sich Start-ups den Themen "Smart City" und "Smart Industry" widmen sollen; bisher residiert dort ein Mieter.

© SZ vom 21.12.2016

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