Unfall bei Foto-Shooting:Model verlangt Schmerzensgeld von Burda-Verlag

Unfall bei Foto-Shooting: Das Model-Lächeln sitzt, aber das Bein macht Probleme: Gela Allmann, die bei Fotoaufnahmen in Island verunglückte.

Das Model-Lächeln sitzt, aber das Bein macht Probleme: Gela Allmann, die bei Fotoaufnahmen in Island verunglückte.

(Foto: Toni Heigl)
  • Während eines Foto-Shootings für die Zeitschrift Fit for Fun im April 2014 verunglückt Angelika Allmann auf einem Berg in Island.
  • Die 30-Jährige überlebt - kämpft aber bis heute mit den Folgen und verlangt nun Schmerzensgeld vom Burda-Verlag.
  • Dieser sieht die Verantwortung jedoch bei dem Sport-Model.

Von Benjamin Emonts

Schon bald muss Angelika Allmann öffentlich sprechen über den Unfall, der sie noch heute schweißgebadet aufwachen lässt. Bei einem Foto-Shooting für die Zeitschrift Fit for Fun verunglückt das heute 30-jährige Sport-Model im April 2014 auf einem Berg in Island schwer. Ihr Unfall geht damals durch die Medien. Mehr als ein Jahr lang versucht Allmann, sich mit dem Burda Verlag, dem die Zeitschrift Fit for Fun angehört, außergerichtlich über eine Entschädigung zu einigen. Alle Verhandlungen verlaufen im Sand. "Ich wurde menschlich enttäuscht", sagt Allmann. Beim Landgericht Hamburg hat sie nun Klage eingelegt. Sie fordert ein Schmerzensgeld in Höhe von 75 000 Euro.

Was im April 2014 geschah

Rückblende: Angelika Allmann, erfahrene Skitourenläuferin, TV-Moderatorin und Model, steht am 3. April 2014 in 900 Metern Höhe auf einem Berg in Island. Für das Foto-Shooting für Fit for Fun macht das Team Aufnahmen in einem steilen, vereisten Hang. Als sie das Plateau bereits erreicht hat, geht Allmann für ein Bild noch einmal einen Schritt zurück in den Hang. Plötzlich rutscht sie ab. Sie schlittert 800 Höhenmeter hangabwärts und prallt gegen mehrere Felsvorsprünge.

Hundert Meter vor dem Fjord im Tal kann sich Allmann mit letzter Kraft stoppen. Überall am Körper hat sie großflächige Hautabschürfungen. Ihr rechtes Knie ist gesprengt, in der linken Schulter erleidet sie einen Trümmerbruch. Ihr Schienbeinkopf ist gebrochen, Muskeln, Bänder, Meniskus und die Hauptarterie des rechten Beines gerissen.

"Sport und die Berge bedeuteten Gela alles"

Gela Allmann überlebt. Nach zehn Operationen und einem halben Jahr stationärem Aufenthalt in Krankenhäusern kann sie heute mit Hilfe einer Schiene am rechten Bein wieder notdürftig gehen. Ob der abgerissene Nerv im rechten Knie wieder funktionsfähig wird, ist unsicher. Die starken Schmerzen sind jeden Tag präsent, ebenso wie die psychischen Folgen des Absturzes. "Sport und die Berge bedeuteten Gela alles", sagt ihr Mann Marcel Maison, der mit ihr die Klage einreicht. Allmann selbst versucht, die Erinnerungen an den Unfall so gut wie möglich bei Seite zu schieben. "Aber die Gedanken überkommen mich immer wieder."

Allmanns Ansicht nach trägt Burda mindestens eine Teilschuld an ihrem Unfall. Fast ein Jahr lang habe der Verlag ihr Unterstützung zugesagt, doch passiert sei nichts. Schlussendlich, das bestätigt ein Sprecher des Verlags, hat Burda eine Zahlung von 30 000 Euro und eine freie Mitarbeit in der Fit for Fun Redaktion angeboten. Allmann lehnte das für sie enttäuschende Angebot ab. "Da war ein Punkt erreicht, an dem wir wussten, dass außergerichtlich keine Einigung zu erzielen ist", sagt ihr Mann.

In der Klageschrift werfen Allmann und ihr Anwalt dem Verlag Fehlverhalten in der Organisation und Durchführung des Shootings vor. Demnach habe es am Tag des Unfalls ohne einen professionellen ortskundigen Bergführer stattgefunden. Außerdem habe das Team die vom Bergführer Jökull Bergmann empfohlene, sichere Skitourenroute 300 Meter weit verlassen.

Um spektakuläre Aufnahmen zu bekommen, hat das Team die Aufnahmen dennoch fortgesetzt. Schließlich sei Allmann angewiesen worden, ihre Skier beim Aufstieg in den Steilhang auf den Rücken zu schnallen. Hierdurch, so argumentiert Allmanns Anwalt, sei "eine gefährliche Situation geschaffen worden, die letztlich zu dem Absturz führte".

Allmann räumt Teilschuld ein

Schließlich fordert Allmann, dass Fit for Fun zumindest eine Teilschuld an dem Unfall auf sich nimmt. Sie selbst räumt eine solche ein, weil sie den Schritt zurück in den Hang, der zum Absturz führte, auf eigene Entscheidung hin gemacht habe. Letztlich aber, so schreibt Allmanns Anwalt, sei es reiner Zufall gewesen, dass seine Mandantin nicht bereits vor dem verhängnisvollen Schritt beim Aufstieg abgestürzt sei.

Der Burda Verlag hingegen lässt über einen Sprecher mitteilen: "Nach gemeinsamer Prüfung mit unserem Haftpflichtversicherer konnte kein schuldhaftes Verhalten der Redaktion festgestellt werden, das zu dem Unfall von Frau Allmann geführt haben könnte." Die begangene Route sei mit einem Bergführer abgesprochen worden und habe keine gesonderten Risiken aufgewiesen. "Die Entscheidung, in den ungesicherten Hang zu steigen, traf Frau Allmann ganz alleine für sich - es erfolgte keine Anweisung hierzu."

Ob der Burda Verlag dennoch eine Mitschuld an dem tragischen Unfall trägt, darüber muss nun das Landgericht Hamburg entscheiden. Für Allmann und ihren Mann geht es um viel. Die 30-Jährige kann derzeit keinem geregelten Beruf mehr nachgehen. "Bei vier Stunden Reha und Physio am Tag bleibt für Arbeit nicht mehr viel Zeit", sagt sie. Den Job als Sport-Model lässt ihr körperlicher Zustand nicht mehr zu. Stattdessen häufen sich die Kosten, die der Unfall nach sich zieht: für Fahrten, Anwalt, Haushaltshilfen. "Ohne die Unterstützung durch unsere Familien hätten wir auf jeden Fall schon finanzielle Sorgen zu all dem anderen Wahnsinn bekommen", sagt Allmann.

Anmerkung: Einige Textpassagen und Zitate wurden nach Veröffentlichung des Artikels noch aktualisiert.

© SZ vom 07.07.2015
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