bedeckt München 22°
vgwortpixel

Umweltverschmutzung:Kampf um die Lufthoheit

Martin Nothhelfer mit Kunstaktion für saubere Luft in München, 2018

Martin Nothelfer ist eine radelnde Kunstinstallation: Wo die Luft gut ist, sondert er Seifenblasen ab - sonst bläst er Rauch.

(Foto: Florian Peljak)

Ein Aktionskünstler dampft symbolisch gegen Autoabgase, die Stadt sucht nach Lösungen für die Luftverschmutzung

Eine seltsame Gestalt war Ende Juli auf Münchens Straßen und unter anderem auch im Englischen Garten unterwegs. Eine Wolke auf einem Hochrad, die abwechselnd mal Seifenblasen absonderte, mal Rauch, je nachdem, wo Martin Nothelfer von der Künstlergruppe "pretty bloody simple" gerade unterwegs war. Die Aktion "Der Wolkenradler" sollte auf die Luftverschmutzung in der Stadt aufmerksam machen. Seifenblasen gab es nur da, wo die Stadtluft normalerweise einigermaßen sauber ist. Wo Autos ihre unsichtbaren Abgase absondern, da ließ es der Wolkenradler ordentlich qualmen.

Nothelfers originelle Kunstaktion ging weltweit durchs Netz - und die Aufmerksamkeit kann bei einem so heiklen Thema nicht schaden. Pretty bloody simple wirbt zusammen mit der Umweltorganisation Green City für eine Reduktion des motorisierten Individualverkehrs und ein sichereres und lückenloses Radverkehrsnetz. Ein sehr einfacher und wirkungsvoller Schritt Richtung saubere Luft - pretty bloody simple eben. Aber so einfach geht die Rechnung dann doch nicht auf. Denn der Stadtrat hat zwar im Sommer einen 127 Punkte umfassenden Masterplan beschlossen, Kritikern wie den Grünen reicht das aber nicht, sie finden nach wie vor, dass der Radverkehr in der Stadt deutlich zu kurz kommt. Selbst jüngste Beschlüsse wie der Bau einer neuen Fahrspur für Radfahrer an der Lindwurmstraße gehen den Grünen nicht weit genug.

Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) würde gern mehr tun für die Luftreinhaltung; vom jüngsten Dieselgipfel in Berlin kam er sichtlich enttäuscht zurück. Allein die 127 Maßnahmen aus dem Masterplan, den die Stadt eigens für den Fördertopf des Bundes erarbeitet hat, würden mehrere Hundert Millionen Euro kosten - doch aus dem Förderprogramm der Bundesregierung, das deutschlandweit gilt, bleibt für München nicht allzu viel übrig. Was der Bund bisher genehmigt habe, etwa einen 40-prozentigen Zuschuss für MVG-Elektrobusse, so Reiters Kritik, löse das Problem der hohen Stickstoffdioxid-Belastung nicht.

Auf Zusagen der Autoindustrie für die Nachrüstung von Dieselautos hofft Reiter vergeblich, ebenso auf die Antwort auf die Frage, wie Kommunen mit möglichen Fahrverboten umgehen sollen. Die oft geforderte blaue Plakette, die saubere Dieselautos kennzeichnen würde, lehnt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ab. Immerhin hatte Münchens Umweltreferentin Stephanie Jacobs kürzlich eine positive Botschaft zu verkünden: Sie sehe eine Tendenz, dass die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid zurückgehe. An den viel befahrenen Brennpunkten der Stadt werden die Grenzwerte aber nach wie vor überschritten.

© SZ vom 29.12.2018
Zur SZ-Startseite