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Tuberkulose an Vorschule in Pullach:Keime in einer heilen Welt

Die Nachricht schockte Dutzende Eltern in Pullach: Im Frühjahr erkrankte die Erzieherin einer teuren Vorschule an Tuberkulose. Zwölf Kinder steckten sich an. Viele Eltern sind unzufrieden mit der Informationspolitik der Behörden - und auch bei der Vorschule selbst gibt es Probleme.

Tom Soyer

Familien zahlen 728 Euro monatlich für einen Platz in einer englischsprachigen Vorschule im Herzen Pullachs - und dafür erwarten sie Sicherheit und Geborgenheit für ihre Drei- bis Sechsjährigen. Als jedoch in diesem Jahr nach den Osterferien ein Bakterium auftauchte und in die High-End-Kindergartenwelt im Isartal eindrang, drehte sich plötzlich alles um Tuberkulose. Die Lungenkrankheit war bei einer Erzieherin dort ausgebrochen.

Drei Antibiotika-Tabletten schluckt die fünfjährige Zita täglich, um TBC-Ansteckungsgefahr für andere auszuschließen, neun Monate lang.

(Foto: Claus Schunk)

Nachweislich infiziert hatten sich drei weitere Erzieherinnen und zwölf Kinder. Und zugleich brach eine gewaltige Verunsicherung aus bei vielen Eltern im Umfeld der Vorschule. Haben wir alles richtig gemacht? Haben die Gesundheitsbehörden konsequent genug gehandelt? Wie hätte man der Infektion entgehen können?

Die Fragen spalten seither die ehemaligen Vertragspartner - und beschäftigen nicht nur Hausärzte, Kliniken, die Gesundheitsämter München-Stadt und Land sowie einen Tuberkulose-Fachberater der Regierung von Oberbayern.

Selbst der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf und sogar Gesundheitsminister Marcel Huber lassen sich über den Fortgang unterrichten - weil sich in Pullach einige Mütter zusammengeschlossen haben und den Gesundheitsbehörden erst in internen Runden und neuerdings auch öffentlich vorhalten, nicht alle eventuell betroffenen Eltern informiert zu haben.

Dazu muss kurz die Geschichte des Falls erzählt werden, der seinen Anfang im März 2009 bei einer Sollner Familie und deren kenianischem Au-pair-Mädchen nahm. Bei diesem Mädchen war TBC festgestellt worden, es hatte die zwei Kinder der Familie zur Pullacher "Preschool" gebracht und dort auch wieder abgeholt.

Die Gesundheitsbehörden gehen in ihren Richtlinien davon aus, dass erst ein Kontakt über acht Stunden in einem Raum eine nennenswerte Ansteckungsgefahr bedinge und Kinder unter zehn Jahren in der Regel sowieso nicht ansteckend seien. Die Folge damals: "Umfassende Untersuchungen bei 91 Personen mit ansteckungsrelevantem Kontakt".

Die Kontakte mit der Vorschule hielt das Münchner Gesundheitsamt "in Übereinstimmung mit den fachlichen Standards nicht für infektionsrelevant". Das kurze Bringen und Abholen wurde als ungefährlich eingestuft, dennoch veranlasste die Kindertagesstätte einen freiwilligen Personaltest. Wie sich herausstellte, hätte erst eine weitere Untersuchung nach drei Monaten Gewissheit gebracht. Diese unterblieb.

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