bedeckt München

Trudering:Im Strahlenkranz

München, Trudering, Mariengrotte, Foto: Angelika Bardehle

Bewahrenswert: Die Mariengrotte hat für die Experten auch große volkskundliche Bedeutung.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Mariengrotte im Truderinger Wald wird zum Denkmal

Von Renate Winkler-Schlang, Trudering

Für Maiandachten, als Station auf einem Spaziergang oder Halt bei einer Radtour, zum Singen und Beten im Advent: Die Mariengrotte im Truderinger Wald nahe der Fauststraße ist ein bekanntes und beliebtes Ziel und soll nun zum Denkmal werden. Der Bezirksausschuss Trudering-Riem zeigt sich von dieser überraschenden Entwicklung äußerst erfreut. "Lourdes-Grotte mit Marienfigur im Strahlenkranz, parabolisch geöffnete Konche aus Naturstein, 1933, der Rest des ehemaligen Kardinal-Faulhaber-Walderholungsplatzes" - so könnte es in der Denkmalliste stehen, wenn die Untersuchung, von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt beim Landesamt für Denkmalpflege angeregt, weiter positiv verläuft.

Handwerksleute und eine Gruppe der Caritas hatten 1932 begonnen, im Truderinger Wald einen Walderholungs- und Spielplatz anzulegen, Auftraggeber war die Katholische Elternvereinigung München. 1933 weihte Kardinal Faulhaber die Anlage ein, die fortan den Namen "Kardinal-Faulhaber-Walderholungsplatz" trug. Bei der Einweihung stand die Marienstatue bereits, wurde aber alsbald in die fünf Meter hohe Grotte aus Naturstein und grobem Beton versetzt, deren Scheitelpunkt von einem Kreuz gekrönt ist. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Platz zerstört, das Holz von Baracke und Zaun geplündert. Nur die Grotte und die Marienstatue blieben erhalten.

Nachträglich wurde der Bereich rund um die Grotte gepflastert, eine Blumen-Stele kam hinzu, das Gitter an der Grotte wurde ausgetauscht. In den Achtzigerjahren stellten Freiwillige halbkreisförmig Bänke auf, die erst kürzlich erneuert oder renoviert wurden.

Für die Denkmalschützer hat die Grotte geschichtliche Bedeutung: Während der Weimarer Republik unterhielten sowohl rechte wie auch linke Parteien solche Erholungsbereiche, dort gab es teilweise auch "paramilitärische Ausbildungen". Es gibt allerdings keine Informationen, dass dies auch in Trudering der Fall war. Man müsse hier aufgrund der christlichen Entstehungsgeschichte eher davon ausgehen, "dass Familien friedfertig ein Naturerlebnis haben wollten". Für die Denkmalschützer ist die Grotte "ein Zeugnis für das Bemühen der kirchlichen Institutionen am Ende der Weimarer Republik, einen ruhigen, gewaltlosen Rückzugsort zu bieten". Die Mariengrotte weist für die Experten auch volkskundliche Bedeutung auf: Ende des 19. Jahrhunderts seien an vielen Orten solche Grotten in Bezug auf die Grotte im französischen Wallfahrtsort Lourdes entstanden.

© SZ vom 04.04.2017

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite