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Toni Roiderer wird 70:"Beim FC Bayern spielt auch keiner für ein Gehalt aus der Dritten Liga"

Wiesnwirt Toni Roiderer im Hacker-Festzelt auf dem Oktoberfest.

"Ich bin Wirtesprecher, nicht Wirteschweiger": Toni Roiderer im Hacker-Festzelt auf dem Oktoberfest.

(Foto: Stephan Rumpf)

Für einen markigen Spruch ist Toni Roiderer immer zu haben. Der Sprecher der Wiesnwirte feiert am Montag seinen 70. Geburtstag auf dem Oktoberfest. Im SZ-Interview gibt er Journalisten Tipps für gute Fragen und verrät, warum der Münchner nicht auf die Wiesn schimpfen darf.

Von Franz Kotteder

Warum das Bier jedes Jahr wieder teurer wird, das ist eine Frage, die Toni Roiderer mittlerweile gelassen sieht. Der Wirt des Hacker-Festzelts und Wirtesprecher auf dem Oktoberfest, der an diesem Montag seinen 70. Geburtstag - natürlich stilgerecht im eigenen Zelt - feiern kann, sagt im Interview mit der SZ augenzwinkernd, die Frage müsse richtig gestellt so lauten: "Wie schafft Ihr es bei diesen hohen Kosten für das Zelt eigentlich, so ein herrliches Bier mit 13,7 Prozent Stammwürze und mehr als sechs Prozent Alkohol so billig herzugeben?" Freilich gebe es für Wiesnwirte auch keinen Grund zu jammern. Es sei "ein großes Glück", wenn man die Chance bekomme, auf dem Oktoberfest mitzuspielen, aber dafür dürfe man auch entsprechend verdienen: "Beim FC Bayern spielt doch auch keiner für ein Gehalt aus der Dritten Liga."

Tatsächlich hätten die Wiesnwirte in aller Regel nicht nur ein enormes Risiko zu tragen, sondern auch erhebliche Unkosten zu begleichen. "Ich habe letztes Jahr 2,16 Millionen Euro gezahlt, bis das Zelt gestanden ist." Mit der Aufstellung seien um die 70 Fremdfirmen beauftragt. Werden deren Leistungen teurer - beispielsweise wegen Tariferhöhungen - dann schlage sich das letztlich auch auf den Bierpreis nieder. Die notwendigen Versicherungen für das Zelt kosteten einen sechsstelligen Betrag, 430 000 Euro seien für den Ordnungsdienst fällig. Im Hackerzelt mit seinen 9420 Sitzplätzen sind an besonders besucherreichen Tagen bis zu 109 Ordner im Einsatz.

Pro Jahr, sagt Roiderer, betrage allein in seinem Zelt der Schwund an Masskrügen um die 50 000 Stück. Schuld daran sind allerdings weniger Gäste, die die Krüge mitgehen lassen, sondern mehr noch das Material selbst: Denn beim flotten Einschenken geht öfter mal ein Glaskrug kaputt. Und flott gehen muss es: Ein guter Schankkellner braucht für eine Mass zwei bis drei Sekunden. Ein guter Schankkellner verfüge über höchstes Feingefühl, "fast wie ein Klavierspieler oder ein Geiger."

Toni Roiderer ist dieses Jahr zum 26. Mal auf der Wiesn, 1989 wurde er von der Brauerei als Wirt des Hacker-Festzelts ausgesucht. Seither, sagt er, habe sich die Wiesn stark verändert, sie sei sehr viel jünger geworden: "Anfangs waren noch viel mehr ältere Leute auf der Wiesn. Aber die Jugend hat sie dann so um 1993, 1994 herum entdeckt." Er findet diese Entwicklung höchst erfreulich, nicht nur als Wirt. Natürlich solle das Oktoberfest seine Tradition bewahren, aber es müsse sich auch immer wieder erneuern, damit es zeitgemäß bleibe.

Daran hätten natürlich auch die Wiesnwirte selbst ihren Anteil: "Da haben wir schon auch Gas gegeben, da haben wir nicht geschlafen. Die Musik ist poppiger geworden, das Essen anspruchsvoller."

Trotzdem sei es völlig normal und auch in Ordnung, dass die Münchner auf die Wiesn schimpften: "Das gehört halt in München dazu. Das ist auch nicht anders, als wenn man jemanden fragt: ,Wie war's denn heuer im Urlaub?' Damit beginnt man ein Gespräch." Auf das Oktoberfest schimpften obendrein vor allem jene, die gar nicht da waren: "Weil, wenn du die fragst, wann sie zuletzt draußen waren, dann heißt's: ,Vor fuchzehn Jahren, weil man da ja nicht mehr rausgehen kann.'"

Das vollständige Interview lesen Sie in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung oder in der digitalen Ausgabe.

© SZ.de/tba

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