Tierpark Hellabrunn Braunbärin Olga ist tot

Braunbärin Olga ist mit 41 Jahren gestorben.

(Foto: dpa)

Sie war mit 41 Jahren die Älteste ihrer Art in Europa. Ihr Gehege wird nun für Löwen umgebaut.

Von Philipp Crone

In den vergangenen Jahren war es immer ein etwas banges Warten im Frühjahr. Olga, Europas wohl ältester Braunbär, hatte sich im Herbst zum Winterschlaf gelegt. Und da die Bärin schon so alt war, wusste niemand, ob sie wirklich im Frühjahr auch wieder aufwachen würde. Das tat das Tier zwar auch in diesem Jahr wieder, jedoch ist Olga nun am Dienstag gestorben, wahrscheinlich an Altersschwäche.

Sie war 41 Jahre alt, "ein äußerst stattliches Alter", sagt Zoo-Chef Rasem Baban.

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In freier Wildbahn werden die Tiere etwa 30 Jahre alt. Damit geht die Braunbärhaltung in Hellabrunn zu Ende. Und obwohl alle Mitarbeiter und alle regelmäßigen Besucher wussten, dass Olga ein so hohes Alter erreicht hatte und wohl nicht mehr so lange leben würde, ist es wie so oft gerade bei großen Tieren im Zoo, die lange hier lebten: Manche Menschen waren durchaus mitgenommen von dieser Nachricht.

Bürgermeisterin Christine Strobl etwa sagt, dass sie der Tod des Tieres ein wenig traurig mache: "Olga ist eines meiner Lieblingstiere gewesen" - obwohl eine Aufsichtsratsvorsitzende streng genommen natürlich alle der knapp 19 000 Tiere gleich gern haben muss. Und Tierpark-Chef Baban sagt: "Olga war in Hellabrunn eine Institution. Sowohl die Besucher als auch alle Mitarbeiter haben sich jedes Frühjahr gefreut, wenn sie wieder aus der Winterruhe erwacht ist." In freier Wildbahn ist es so mit dem Braunbären: Er frisst sich vom Sommer an ein Fettpolster an, bereitet sich ein Quartier und bleibt dann dort im besten Fall den ganzen Winter hindurch. So war es auch bei Olga in Hellabrunn: "Sie hat im März, als sie wieder rauskam, 130 Kilo gewogen, jetzt waren es am Ende, bevor sie in die Winterbox ging, 170", berichtete im Herbst die Tierpflegerin Nicole Baumgartner, die in den vergangenen zwei Jahren für die fast doppelt so alte Bärin verantwortlich war.

Dabei war das Tier bis zuletzt sehr aktiv. Wenn die Tierärztin zum Beispiel mit dem Blasrohr kam, dann brüllte die Bärin, aber richtig. Und auch wenn das Tier auch außerhalb des Winterschlafs viel schlief, bis zu 17 Stunden, war es im Zweifel noch blitzschnell. Zum Beispiel, wenn die Bärin eine etwas zu mutige Ente verspeiste. Manche der Vögel schwammen im Sommer im seichten Wasser bis zu den an verschiedenen Stellen ausgelegten Futterstellen, wo Gemüse, Obst und Fleisch bereitlagen für Olga. Und wenn die gut drauf war, dann wischte sie sich mal schnell eine Ente aus dem Wasser, wie sonst einen Fisch im Fluss.

In den vergangenen Wochen ging es dem Tier zwar "ihrem Alter entsprechend gut", sagt Zoo-Sprecherin Lisa Reininger, aber sie schlief immer mehr und Ende vergangener Woche erlitt sie einen Schwächeanfall. Das bedeutet bei den Tieren, dass sie nicht mehr aus dem Liegen in den Stand kommen. In so einem Fall kommt im Zoo ein Automatismus in Gang: Zunächst werden die Tierärzte verständigt, die untersuchen, was das Tier für ein Leiden hat, und ihm gegebenenfalls Medikamente verabreichen.

Das taten sie auch zunächst bei Olga. Als dann allerdings am Dienstag im Laufe des Tages Lähmungserscheinungen auftraten und sich ihr Zustand erheblich verschlechterte, wurde - wie in solchen Fällen üblich - eine Runde einberufen, die über das weitere Vorgehen entscheidet. Da berieten dann der Tierparkchef, Pfleger, Kuratoren und Tierärzte und kamen zu dem Schluss, dass es das Beste sei, Olga einzuschläfern.

Dieses Vorgehen dauert in der Regel nicht allzu lange, etwa zwei Stunden, kurz nach der Entscheidung schläfern die Tierärzte das Tier ein, und es wird dann auch gleich abtransportiert. Zunächst wurde Olga am Mittwoch in die Pathologie der Ludwig-Maximilians-Universität gebracht und auf die ursprüngliche Ursache untersucht, warum es ihr zunehmend schlechter ging. Danach kommt ein verstorbenes Tier aus dem Zoo in Hellabrunn zur Verbrennung in eine sogenannte Tierkörperverwertungsanlage.

Schon lange steht fest, dass nach dem Tod von Olga das Gehege umgebaut wird und dort einmal die Löwen einziehen werden. Die Pläne dafür werden aber wohl erst in den nächsten Wochen etwas konkreter. Es ist zum Beispiel noch unklar, ob nach dem ersten Bauabschnitt des Mühlendorfs, der im Juli fertig sein wird, zuerst das neue Löwengehege gebaut wird oder erst einmal bis Mitte 2019 der zweite Bauabschnitt des Mühlendorfs fertiggestellt wird.

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