Theater:Ansturm der Liebe

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Meier Müller Schulz.

Gemeinsam einsam: Max Beier und Uta Kargel ("Sturm der Liebe").

(Foto: Roundtable)

Die Drehleiher landet mit TV-Darstellern einen Hit

Von Oliver Hochkeppel

Der Vorhang geht hoch, und Herr Meier schleift den Herrn Schulz zur Tür herein, gefesselt und geknebelt. Er hat ihn gekidnappt, einfach so, von der Straße weg. Aus Einsamkeit. Um endlich jemanden ganz für sich zu haben. Was Meier in höchste Erklärungsnot bringt, als sich die Nachbarin Frau Müller nicht abwimmeln lässt. Zunächst, denn schnell zeigt Müller unerwartet Verständnis. Das ist die Ausgangslage im Stück "Meier, Müller, Schulz oder Nie wieder einsam", das im Februar Stream-Premiere in der Drehleier hatte. Was wie eine Verarbeitung der Pandemie-Situation wirkt, ist in Wahrheit gar nicht neu: Der norddeutsche Autor und Regisseur Marc Becker hat die burleske Farce 2009 geschrieben und in Oldenburg uraufgeführt. Als ein seltenes Beispiel einer Boulevard-Komödie, die auch gesellschaftliche Probleme aufgreift, konkret die wachsende Isolation und Vereinsamung des modernen Großstadt-Singles. Was eben perfekt in eine Zeit der Kontaktsperre und der Sehnsucht nach ihrer Überwindung passt.

So punktgenau ausgesucht hat sich das Stück ein junges Ensemble mit den Schauspielern Max Beier (Meier), Sandro Kirtzel (Schulz) und Uta Kargel (Müller) sowie dem Regisseur Stefan Jonas. Die hatten sich am Set der TV-Serie "Sturm der Liebe" gefunden und ihre gemeinsame Leidenschaft für die Bühne entdeckt. Weil Max Beier, der Sohn der Kabarettistin Angelica Beier, dort schon oft mit seinem Kleinkunst-Duo "Beier & Hang" gespielt hatte, war die Drehleier die logische Anlaufstation. Mit Francis Webers Komödie "Kasimir und Kaukasus" hatte die Truppe dann einen auch von Drehleier-Chef Werner Winkler nie erwarteten Sensationserfolg und - wohl auch dank der großen und treuen "Sturm der Liebe"-Fangemeinde - seit 2019 stets volle Säle. Von Mai an wollen sie, falls möglich, das Stück wieder spielen, dann auch wieder mit Désirée von Delft, die jetzt Babypause macht.

Bei beiden Stücken leben die im Fernsehen an die Zügel genommenen Akteure ihre Lust am Slapstick, am "Überspielen", am Komödiantischen in vollen Zügen aus. Was ideal ins Programm-Profil der Drehleier passt, die sich in den vergangenen Jahren immer mehr vom Kabarett zurückzog und seine Nische mit Burleskem, Boulevardeskem, Musikalischem und Impro-Theater gefunden hat; und das auch unter neuer Leitung fortsetzen will: Manuela Hoffmann, seit elf Jahren schon Mitarbeiterin und vorher beim Hinterhoftheater, dem Schlachthof und der Lach & Schieß, hat die Geschäftsführung von Werner Winkler übernommen, der nur noch als "Berater" dabei ist. Sie wollte unbedingt verhindern, dass Winklers seit 44 Jahren bestehende Institution "sang- und klanglos verschwindet" und hält den Laden dank Spielstättenförderung, Nothilfen und einer Spendenaktion bislang über Wasser. Wobei Erfolge wie "Meier, Müller, Schulz" helfen, das am Startwochenende 600 zahlende Gäste an die Schirme lockte. Cameo-Auftritte sollen den Boom der Streams befeuern, von den "Sturm der Liebe"-Kollegen Viola Wedekind und Sven Waasner am 6., und von Sepp Schauer und Corinna Binzer am 27. März.

Meier, Müller, Schulz, Drehleier, jew. samstags, 6. und 27. März, 20 Uhr, www.theater-drehleier.de

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