Testfahrten des ADAC Zum Sightseeing besser nicht ins Taxi

Von Sehenswürdigkeiten haben die meisten keine Ahnung: Der ADAC hat Taxifahrer getestet - und durchaus auch Lob für die Kollegen in München übrig.

Von Marco Völklein

Unfreundliche Fahrer, müffelnde oder verunreinigte Autos, ein Fahrer, der sich nicht auskennt oder einen Umweg fährt - nahezu jeder, der öfter ein Taxi benutzt, hat sich schon mal über das Gewerbe geärgert. Dennoch konstatiert der Autofahrerklub ADAC nach einem Test in acht deutschen Städten: "Das Taxigewerbe ist besser als sein Ruf." Bei Betrachtung der Details allerdings, "gibt es überall Ansatzpunkte für Verbesserungen", findet der Klub. Auch in München.

So bemängelten die Tester unter anderem, dass "bei etwas mehr als einem Drittel der Fahrten keine freie Wahl des Taxis möglich" gewesen sein soll. Tatsächlich allerdings hat jeder Fahrgast das Recht, frei zu entscheiden, in welches der an einem Standplatz wartenden Autos er einsteigen möchte. Außerdem fiel den ADAC-Leuten negativ auf, dass fast die Hälfte der getesteten Fahrer keine Sehenswürdigkeiten nennen konnte. "Einer empfahl die Hotelrezeption zur Beantwortung der Fragen", notierten die Tester später im Protokoll.

Ebenfalls immer wieder ein Ärgernis: die Bezahlmöglichkeit per Kreditkarte. Viele Fahrer und Unternehmer sehen es nicht gerne, wenn der Kunde mit dem kleinen Plastikkärtchen die Fahrt begleichen will, weil die Kreditkartenfirmen dafür Gebühren kassieren. Die schmälern den Gewinn. Deshalb konnten die ADAC-Tester bei einer Fahrt auch nur erst ab einem Betrag von 20 Euro per Kreditkarte zahlen, bei einer anderen erst ab 15 Euro. Und: "Bei fast keiner Fahrt wurde die Quittung ordnungsgemäß ausgestellt", kritisierten die Prüfer.

Mindestens 25 000 Fahren pro Tag in München

Insgesamt hatte der Autofahrerklub in den Monaten März und April zwei verschiedene Tester losgeschickt, die pro Stadt jeweils fünf definierte Routen befuhren. Jeder Prüfer musste unter der Woche ein Mal nachts und ein Mal tagsüber los. "Start- und Zielpunkte waren dabei stets identisch", erklärte der Klub. Mit einem mitgeführten GPS-Gerät zeichneten die Prüfer die jeweils gefahrenen Strecken auf; im Nachhinein habe man diese mit den von den Taxizentralen eingeholten Idealstrecken abgeglichen, erklärte der Klub, der seit dem Skandal um gefälschte Zahlen bei einem Autopreis seine Testmethoden möglichst transparent darzustellen versucht.

Unterm Strich kamen so bundesweit 160 Fahrten zusammen - pro Stadt 20. Die Taxigenossenschaft schätzt, dass täglich mindestens 25 000 Fahrten in München absolviert werden. Bei der geringen Zahl der getesteten Fahrten sei das Ergebnis leicht beeinflussbar, sagte Vorstand Frank Kuhle. "Ein einzelner Ausrutscher kann die Statistik erheblich beeinflussen." Er habe dennoch Verständnis, dass der ADAC keinen größeren Aufwand betreibe. "Wir sind froh, dass eine unabhängige Stelle sich des Themas annimmt."

Schließlich hatte der ADAC nicht nur zu kritisieren: Gelobt wurden die Münchner Fahrer unter anderem dafür, dass das Taxameter mit einer Ausnahme ordnungsgemäß eingeschaltet wurde, die meisten Autos innen wie außen gepflegt und sauber waren. Und dass immerhin 40 Prozent der Fahrer beim Einladen des Gepäcks halfen. Aber auch das lässt sich noch verbessern: In Stuttgart waren drei von vier getesteten Fahrern so hilfsbereit.

Auch das Recht des Fahrgastes auf freie Wahl des Taxis wird der ADAC-Studie zufolge nicht immer eingehalten.

(Foto: Haas)