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Scooter-Sharing:Roller zum Mitnehmen

Welches Verkehrsmittel darf es sein? Neben Rädern und Autos stehen Motorroller zum Ausleihen bereit. SZ-Collage: Dennis Schmidt/Foto: Stephan Rumpf

  • Lässig soll es sein, mit dem Roller durch die Stadt zu düsen: "Flächendeckend" will das junge Unternehmen Scoo.me bis spätestens 2016 das gesamte Stadtgebiet versorgen und 250 Motorroller zum Mieten anbieten.
  • Das System ähnelt dem von Auto- oder Radverleihern wie Call-a-bike: Gefunden und gebucht werden die Fahrzeuge übers Smartphone oder das Internet.
  • Umweltschützer sehen das Scooter-Sharing kritisch. Bei Rollern "geht die Rechnung zu Gunsten der Umwelt nicht in jedem Fall auf".

Von Marco Völklein

Noch betreiben Magnus Schmidt und seine Kollegen ihr junges Unternehmen aus einer Garage heraus. So wie es sich für echte Firmengründer eben gehört. Auch die Apple-Gründer Steve Wozniak und Steve Jobs fingen einst in einer Garage an. Bei Magnus Schmidt steht diese allerdings nicht in Kalifornien, sondern in Giesing. In der Nähe des Kolumbusplatzes befindet sich die Zentrale von Scoo.me.

Allerdings soll sich das bald ändern. Die drei Firmengründer haben viel vor. "Flächendeckend" wollen sie bis spätestens 2016 das ganze Stadtgebiet versorgen und 250 Motorroller zum Mieten anbieten. Das System der Gründer ähnelt dem von Auto- oder Radverleihern wie Call-a-bike: Gefunden und gebucht werden die Fahrzeuge übers Smartphone oder das Internet. Die Rückgabe erfolgt ebenfalls per Handy. Die Vespas haben eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern, zum Fahren reicht also ein normaler Pkw-Führerschein. Schmidt hofft, dass er mit seinen Vespas auch einige Autos ersetzen kann, die derzeit noch durch München kurven.

Eine weitere Hürde: die Helmpflicht

Für Klaus Bogenberger, Verkehrswissenschaftler an der Bundeswehr-Uni Neubiberg, ist die Idee jedenfalls "interessant zu beobachten". Grundsätzlich gebe es einen Markt für ein "Scooter-Sharing", wie er es nennt. "Die Lücke zwischen Mietrad und Mietauto existiert." Und sie könne für Firmen interessant sein. Allerdings sieht er noch offene Fragen: "Vespa-Fahren ist keine Alltagserfahrung." Sich auf ein Radl zu setzen oder ans Steuer eines Autos - das falle vielen leicht, weil sie es immer mal wieder tun. Aber sich auf dem Roller durch den dichten Stadtverkehr zu wühlen? "Das wird spannend", sagt Bogenberger.

Zumal er eine weitere Hürde sieht: die Helmpflicht. "Das kann viele Nutzer abschrecken", sagt Bogenberger. Scoo.me bietet zwar bei jedem der bislang 30 Roller einen Helm in Größe L an, der sich im Fach unter dem Sitz befindet. "Und der passt zwei Dritteln der Leute", sagt Magnus Schmidt. Aber er ist sich auch bewusst, wie schwierig das Thema werden kann. Deshalb haben die Scoo.me-Leute Desinfektionstücher beigelegt. Und noch ringen die Gründer damit, ob sie ein Topcase am Heck anbringen lassen, um dort einen zweiten Helm (in anderer Größe) zu verstauen. Ein solcher Kasten aber lässt die Roller klobiger wirken. "Dann stimmt das Erscheinungsbild nicht mehr", sagt Schmidt.

Lässig soll es sein

Und das Erscheinungsbild ihrer Fahrzeuge ist den Scoo.me-Machern sehr wichtig. Lässig soll es sein, mit dem Roller durch die Stadt zu düsen, ein "urbanes Lebensgefühl" will Schmidt vermitteln. Preislich wollen sich die Gründer in der Nische zwischen Mietrad und -auto bewegen. 3,60 Euro kostet die Fahrt mit dem Roller, bis zu 30 Minuten sind da inklusive. Danach werden 18 Cent je Minute fällig; wer den Roller kurz abstellen möchte, zahlt sieben Cent. Zum Vergleich: Bei Call a Bike kostet die Minute acht Cent, beim Carsharing-Anbieter Car2go sind es 29 Cent (Parken: 19 Cent). Schmidt hofft, viele Kunden auch damit zu gewinnen, dass beim Rollerfahren die Suche nach dem Parkplatz entfällt. "Carsharing-Nutzer sind doch gestresst, weil bei denen stets die Uhr tickt", sagt der Gründer. Seine Roller könne man einfach auf dem Trottoir abstellen.

Scoo.me, München 2015

Mit dem Motorroller durch die Stadt: Firmengründer Magnus Schmidt betreibt derzeit 30 Fahrzeuge. Im kommenden Jahr sollen es 250 werden.

(Foto: Veronica Laber)

Wirklich legal ist das aber nicht. Die Stadt duldet es nur, räumt auch Schmidt ein. Und sie beobachtet aufmerksam, wie sich die Firma aus Giesing entwickelt. "Unsere Leute prüfen den Sachverhalt", heißt es aus dem Kreisverwaltungsreferat. Noch fallen die 30 Mietroller, die bereits in der Stadt stehen, kaum auf. Bei 250 Stück dürfte sich das ändern. Gut möglich, dass die Firma dann Parklizenzen bei der Stadt beantragen muss - so wie es die Carsharing-Anbieter seit Jahren tun. Selbst die Radlvermieter müssen mittlerweile Gebühren zahlen, wenn sie ihre Velos auf öffentlichem Grund abstellen wollen.

"Wenn Roller, dann nur Elektroroller"

Auch Umweltschützer sehen das Scooter-Sharing kritisch. So begrüßt Anja Smetanin vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) zwar das Prinzip "Teilen statt besitzen". Bei den Rollern aber "geht die Rechnung zu Gunsten der Umwelt nicht in jedem Fall auf". Denn die Zweiräder würden bei der "Abgasreinigung hinterherhinken"; für sie gelten noch alte Abgasnormen. Auch seien die Motorroller lauter als andere Fahrzeuge. "Wenn Roller, dann nur Elektroroller", findet Smetanin.

Für Firmengründer Schmidt sind diese jedoch keine Alternative. Zwar ist eines der 30 Fahrzeuge mit einem E-Antrieb ausgestattet. "Natürlich probieren wir das aus", sagt er. Bei den aktuell 850 registrierten Kunden indes komme der Stromer kaum an: Während die Benzin-Roller im Schnitt achtmal am Tag ausgeliehen werden, zählt Schmidt beim E-Roller nur vier Ausleihvorgänge täglich. Und: Der E-Roller muss immer mal wieder an die Steckdose, fällt also für die Vermietung zunächst aus. Das ist nicht nur umständlich, sondern verursacht auch zusätzliche Kosten. Und die kann ein Unternehmen im Garagen-Modus gar nicht gebrauchen.

© SZ vom 27.05.2015

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