Transport auch ohne Auto Einfach ausprobieren

Raphael Draeger mit einem der geplanten Lastenräder.

(Foto: Michael Artur Koenig)

Zwei Münchner wollen zehn Lastenfahrräder gratis verleihen - das nötige Geld soll per Crowdfunding zusammenkommen.

Von Marco Völklein

Angefangen hat alles mit "Daniel". Dem Lastenfahrrad, das Thomas Schmidt zusammen mit seinen Mitstreitern auf diesen Namen getauft hat. Vor etwa einem Jahr war das, da hatten Schmidt und ein paar weitere Mitglieder des Radfahrerverbands ADFC die Idee: Wie wäre es, wenn wir ein Lastenrad anschaffen - und dieses dann den Münchnern kostenlos zur Verfügung stellen? Damit diese damit ihre Einkäufe am Wochenende erledigen oder auch mal größere Besorgungen tätigen können. Vielleicht, so die Hoffnung, würde der eine oder andere merken, wie praktisch so ein Lastenfahrrad ist. Und aufs Auto verzichten.

Daniel kam gut an. So gut sogar, dass Schmidt und sein ADFC-Kollege Raphael Draeger die Daniel-Idee nun etwas größer aufziehen wollen. Zehn Lastenräder wollen die beiden für die Landeshauptstadt anschaffen und kostenlos den Münchnern zur Verfügung stellen. Ganz ohne Förderung durch die Stadt oder andere Stellen. Nur durch Crowdfunding finanziert. Im Internet können Förderer auf der Crowdfunding-Plattform Startnext Geldbeträge spenden und sich dafür kleinere oder auch größere Geschenke als Gegenleistung gönnen. Wer beispielsweise 45 Euro gibt, erhält dafür ein Lastenradler-T-Shirt, das Draeger und Schmidt gestaltet haben. 175 Euro kostet es, einem der zehn Lastenräder seinen Namen zu geben. Bis zu 1250 Euro, hoffen Draeger und Schmidt, könnten Firmenkunden für einen Reklameaufdruck auf einem der zehn Räder springen lassen. Am Ende wollen die beiden Initiatoren so gut 18 500 Euro auftreiben, um damit zehn Lastenräder von verschiedenen Herstellern anzuschaffen. Bis zum 24. Juni läuft noch das Crowdfunding, danach wird abgerechnet. Kommt genug Geld zusammen, sollen die ersten Räder von August an bereitstehen.

Die beiden Initiatoren sind überzeugt davon, dass das Ganze funktioniert. "Die Erfahrungen bei Daniel waren so positiv", sagt Draeger, "das kann nur gut enden." Die zehn Lastenräder sollen, sofern alles klappt, möglichst flächendeckend über die gesamte Stadt verteilt werden. Schmidt und Draeger wollen die Räder vor allem in die Obhut von Stadtteilläden oder Nachbarschaftstreffs geben, bei denen sich Interessierte die Räder borgen können. Auf einer eigens gestalteten Internetseite müssen sich die Interessenten zuvor registrieren, dort müssen die Lasten-Velos auch reserviert werden. Beim Daniel-Projekt funktioniert all das genauso - und läuft erstaunlich reibungslos, wie Draeger sagt. Vandalismus gebe es so gut wie keinen. "Die Leute gehen äußerst pfleglich mit dem Lastenrad um." Zugleich ist das Daniel-Rad - vor allem in der Sommerzeit - oft schon Wochen oder gar Monate im Voraus ausgebucht. "Es existiert eine rege Nachfrage dafür", sagt Draeger.

Mit ihrem Leihsystem wollen Draeger und Schmidt "Lust machen, einfach mal ein Lastenrad auszuprobieren und zu fahren". Schon jetzt gebe es stadtweit 250 000 Haushalte ohne Auto, sagt Schmidt. Das könnten mehr werden, hofft der Radl-Aktivist und fordert "einen Wechsel hin zu einer urbanen Verkehrspolitik". Aber statt auf Initiativen aus dem Rathaus zu warten, wollen die beiden lieber selbst etwas auf die Beine stellen. "In Kopenhagen oder Amsterdam gehören Lastenräder ganz selbstverständlich zum Straßenbild", sagt Schmidt. Und er hofft, dass dies in München auch bald der Fall sein wird. Kommerziell aufziehen wollen die beiden ihr Projekt aber erst einmal nicht. "Wir wollen München etwas Gutes tun", sagt Draeger. Und Schmidt ergänzt: "München braucht weniger Autos, nicht mehr." Das allein sei das Ziel des Projekts.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.startnext.com/freie-lastenradler-muenchen.