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Szene München:Der Cha-Cha-Cha kehrt in die Clubs zurück

Kunstpark Ost, KPO, Kultfabrik, Reportage über die Kneipen und Läden, die schließen

Wer älter als 30 ist und ausgeht, sitzt an der Bar und schaut auf sein Handy. Ganz anders die jungen Clubgänger. Doch es gibt Hoffnung auf Annäherung der Generationen.

(Foto: Florian Peljak)

Wenn Mittdreißiger ausgehen, sitzen sie an der Bar und schauen auf das Handy. Doch bald könnten sie auch bei jungen Clubgängern Eindruck machen.

Die Nachtkommunikation ändert sich mit zunehmendem Alter dramatisch. Je jünger, desto mehr passiert noch ohne Worte. Während viele ab 30 das Ausgehen schon mehr auf eine Lokalität mit reichhaltiger Barkarte und vielen Tresenplätzen verlegen, ist die aktuelle Club-Generation, die zwischen 18 und 25, in den Münchner Diskotheken unterwegs.

In den von Ü30 beherrschten Bars dieser Stadt spricht man miteinander zwischen zwei Blicken auf das Smartphone, in den Clubs bewegt man sich im Zeitgeist. Und an der Art der Bewegung hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert.

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Szene München

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Früher, da gab es als Quellen für den als Teenager zu entwickelnden Tanzstil zur Auswahl: Filme, Tanzkurs, später dann auch Musikvideos. Wie also tanzt der durchschnittlich unbegabte Mittdreißiger heute? Er tippt zum Beispiel seitlich hin und her wie beim Leerlauf des Cha-Cha-Cha.

Jetzt können Mittdreißiger in Jung-Clubs Eindruck machen

Der Tanz hat zwei Vorteile. Es ist auch für Beat-Banausen einfach, im Groove zu bleiben, und man kann dabei seine Mails checken. Andere ziehen sich immer mal wieder Zeige- und Mittelfinger im V quer über die Augen, in alter Pulp-Fiction-Manier, selbstverständlich nur als ironisches Tanz-Zitat. Oder aber, da ist die Herkunft unklar, die vor der Brust kreisenden Fäuste. Zu sehen gibt es diese Tänzer etwa in der Paradiso Tanzbar, eine der wenigen Clubs Ü30, ab 4 Uhr, wenn auf der Tanzfläche wieder ein wenig Platz ist.

Die Club-Kinder im Jahr 2015/16 bewegen sich anders. Im Q-Club können die Gäste von der Empore gut beobachten, wie dort unten getanzt wird. Da gab es neulich das Video von dem unglaublichen Rap-Tänzer, das auf Facebook rumgelinkt wurde. Der Tattoo-Typ im Unterhemd spielt gerade die Choreografie nach.

Und die beiden jungen Damen daneben zitieren derweil Katy Perrys Superbowl-Show 2015, Domina-Dance im Wechsel mit lieblichen California-Girl-Retro-Moves wie Trippelschritten und Anfersen. Retro? Gute Aussichten für Ü30, demnächst in den Jung-Clubs der Sonnenstraße Eindruck zu machen. 2016 kommen bestimmt auch Cha-Cha-Cha und Faustkreisel wieder in Mode.

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