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Szene München:Veganer Aufstrich statt Nudelsalat

Oliven, auf verschiedene Arten mariniert. Nur ein kleiner Nebenaspekt des Partybuffets, hat kaum Mühe gekostet. Wirklich.

(Foto: AP)

Früher trank man bei wilden WG-Partys billigen Wein. Heute laden die Feierbiester von einst zur Vorführung der neuen Wohnung: Vorsicht mit dem Wein, der neue Teppich!

Die besten Partys waren früher, als alles irgendwie besser war, die WG-Partys. Zu den Bekannten mischten sich die Bekannten von anderen, aus dem Wohnzimmer grölte ein Chor irgendwann "Wonderwall". Ein paar Leute saßen auf dem Küchenboden, zwischen sich eine Flasche billiger Wein, von dem es kistenweise gab. Zwei gerade eben erst Bekannte knutschten im Flur und das Bett des Gastgebers blieb auch nicht verschont.

"Ich feiere bei mir daheim"? Bitte nicht.

Meldet Facebook oder Whatsapp heute ein "Ich feiere bei mir daheim", ist die Freude gedämpft. Gerne wird ein "ganz gemütlich" hinterher geschoben, damit auch gleich klar wird, wie die Einladung eben nicht gemeint ist: als Einladung zur Eskalation. Im schlimmsten Fall ist sie so gemeint: "Ich führe euch mein wunderschönes Zuhause vor, in dessen Styling ich sehr viel Mühe gesteckt habe. Verschüttet bloß keinen Rotwein auf dem Teppich."

Die Transformation vom Feierbiest zum Vorführer tritt oft ein, wenn eine gemeinsame Wohnung mit dem langfristig angedachten Partner bezogen wird. In München dauert das immobilienmarktbedingt seine Zeit; gefühlt geht es manchmal trotzdem erschreckend schnell.

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Zum Vorführen gehört es, möglichst vielfältiges Fingerfood darzureichen, dessen Aufwand in etwa dem eines Drei-Gänge-Menüs entspricht. Wo früher Chips und Nudelsalat standen, sollte mindestens ein veganer Aufstrich eine Selbstverständlichkeit sein; auch ein wenig Lokalkolorit schadet nicht, vielleicht in Form von etwas hausgemachtem Obazda.

Gelobt werden muss: Die Wohnung. Das Buffet. Und natürlich die Veranstaltung.

Für den Gast gebieten sich neben Gastgeschenk und den "Ahs" und "Ohs" zur Einrichtung also auch "Ahs" und "Ohs" in Richtung des Buffets. Die strumpfsockerten Bewunderer stehen dann in der Wohnung herum, bilden Tratschgrüppchen. Ein einzelner Raucher stiehlt sich leise auf den Balkon.

Im Normalfall aber wünscht sich auch der Gastgeber eine legendäre Party wie damals, als alles irgendwie besser war. Nur eben in einer Light-Version. Wegen des Teppichs. Und den netten Nachbarn. Er animiert zum Trinken und fragt, ob alle Spaß haben; mit müden Augen, weil er die gestrige Nacht zu lange in der Küche stand, und alle nicken höflich. Wohl dem, der noch WG-Bekannte hat, die einen Teppich wegzuräumen wissen, falls vorhanden. Der Rest vermag sich mit dem Wein zu trösten: Zumindest der war damals nicht besser.