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Szene München:Die Macht des Biertragerls

Abendstimmung am Flaucher in München, 2015

Verlockung für die gesellige Runde: ein Kasten Bier.

(Foto: Robert Haas)

In diesen verregneten Tagen trifft man sich zwangsläufig bei Freunden, statt im Biergarten. Um da ein Bier zu ergattern, muss man manchmal wunderliche Dinge tun.

Freitagabend in Schwabing, diesem Stadtteil der Designer-Schal-Träger und Mercedes-Fahrer. Die Ray-Ban-Brillen sind in diesen verregneten Tagen weniger zu sehen, dagegen teure Kutschen, wie sie die Kneipen umzingeln. Angesichts des Sauwetters wird auch an diesem Abend nichts aus den geplanten Stunden im Biergarten.

Mit nassen Schuhen und trockenen Kehlen sucht ein Sextett vergeblich nach einem Wirtshaustisch. Dann gehen wir halt zu mir, hat sich einer von ihnen schließlich erbarmt. Er müsste sogar noch eine Kiste Bier im Keller stehen haben - und nicht nur das. Welch ein Glück, sagen die Spezln. Nun ja.

Die Überraschung folgt im Keller

Die Häuser im Westen Schwabings sind hoch und vielstöckig. Manche Keller sind so groß, dass fast die blank polierten Edelwagen am Straßenrand darin Platz hätten. Die durstige Truppe hat sich vor allem von der Aussicht auf das Biertragerl locken lassen. Selten hat man die Burschen und Mädels derart flink die 130 Stufen bis zum fünften Stock erklimmen sehen. Von Argwohn keine Spur. Ein kühles Begrüßungsgetränk für jeden. Dann folgt die Überraschung.

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Der Vorschlag, man möge sich zur Bierkiste in den Keller begeben, sorgt noch für eindeutige Zustimmung, sehr gerne nehme man freilich auch die Müllsäcke mit nach unten. Nur was es mit dem Schraubenzieher auf sich habe, das wüsste der eine dann doch ganz gern.

Die Auflösung folgt im Untergeschoss. Dort steht ein Bauernschrank aus Massivholz und versperrt den Zugang zur Bierkiste. Der Schrank müsse nach oben in die Wohnung, sagt der Gastgeber, vorher kurz entzwei geschraubt werden. Ob es was ausmachen würde, ihn hochzutragen, die paar Stufen? Schon bemerkenswert, wie überzeugend so ein Biertragerl manchmal sein kann.