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Szene-Kolumne:Mittags? Disco!

Stricknacht im Art Babel, Tanztee im Harry Klein und nun auch noch Mittagsdisco in der Minibar: Ist München, das wilde Kind der Achtziger, zu einer totalen Spießermetropole verkommen?

Es war einmal, vor einer langen Zeit, da waren Münchens Nächte legendär. Freddie Mercury feierte so wild im Mrs. Henderson in der Müllerstraße, dass Fernsehsender sich weigerten, das Musik-Video zu "Living on my own", das an jenem Abend gedreht wurde, auszustrahlen.

Heute heißt das Mrs. Henderson Paradiso. Statt Hosen, denen an Pobacken und anderen expliziten Stellen der Stoff fehlt, tragen die Gäste nun Hemden mit Stehkragen und haben Sonnenbrillen ins Haar gesteckt. München, das wilde Kind der Achtziger, ist brav geworden - und das scheint noch nicht das Ende der Entwicklung.

Im Art Babel wird seit kurzem bei der Knit Nite gemeinsam gestrickt, zwischen Wollfäden, Nadeln und einem Schluck Bier werden Tipps ausgetauscht. Das Harry Klein lädt diesen Sonntag zum zweiten Mal zum Tanztee - von 16 Uhr an wird Tee und Kuchen serviert, DJs legen auf.

Und in der Minibar im Westend ist eine neue Veranstaltungsreihe gestartet: die Mittagsdisco. Die Regeln: Jeder muss tanzen, es gibt nur gesundes Essen, es darf nicht über die Arbeit geredet werden. Geöffnet ist einmal im Monat von 12.30 bis 13.30 Uhr.

Ist die Stadt nun zu einer totalen Spießermetropole verkommen? Nein. Im Gegenteil - die Mittagsdisco schließt nur eine wichtige Feierlücke, die zwischen Afterhour und After-Work-Party. Die 24-Stunden-Disco ist möglich geworden, das gibt es nur in München. Ob das Freddie im Himmel schon mitbekommen hat? Dann schaut er bestimmt bald wieder vorbei.

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