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Studieren in München:LMU-Präsident fordert Reform für Universitäten

"Wir sollten die Debatte beenden": LMU-Präsident Bernd Huber hat im SZ-Interview die Staatsregierung für ihren Umgang mit dem Thema Studiengebühren kritisiert. Er würde auf die Gebühren am liebsten verzichten - allerdings nur, wenn der Freistaat dies in voller Höhe ausgleicht.

Sebastian Krass und Martina Scherf

Bernd Huber, Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität, kritisiert die bayerische Regierungskoalition für ihren Umgang mit dem Thema Studiengebühren. Zugleich fordert er Reformen am bisherigen System. "Man fragt sich, was es bedeutet, wenn sich einzelne Politiker mal so und mal so äußern", sagte Huber im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. "Wir sollten die Debatte zügig beenden und nicht mit Heckenschützengefechten weiterführen." Hochschulen bräuchten Planungssicherheit, um das Geld, bayernweit etwa 160 Millionen Euro im Jahr, sinnvoll auszugeben.

Welche Auswirkungen der doppelte Abiturjahrgang hat, ist noch nicht abzusehen: Studenten an der LMU.

(Foto: Robert Haas)

Die Debatte über die Gebühren in Bayern ist wegen deren Abschaffung in Baden-Württemberg wieder in Schwung gekommen. Zusätzlichen Zündstoff bekam sie vor gut zwei Wochen, als Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) überraschend Studiengebühren in Frage stellte. Grund sind Restmittel in achtstelliger Höhe, die sich an den Hochschulen angesammelt haben. Er verlangte von Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) einen Rechenschaftsbericht. Zugleich plädierte die bayerische FDP-Generalsekretärin Miriam Gruß für kostenfreie Bildung vom Kindergarten bis zur Uni und begab sich so in Opposition zu ihrem Parteifreund Heubisch, der Gebühren befürwortet.

Es gilt als denkbar, dass CSU und FDP sich angesichts von 260.000 Studenten, zugleich potentielle Wähler, bis zur Landtagswahl 2013 von Gebühren verabschieden. In diesem Zusammenhang ist auch die Meldung der Technischen Universität (TU) München zu sehen, man habe die Einnahmen aus dem Jahr 2010 komplett ausgegeben.

Ein Wegfall ohne Kompensation "wäre eine Katastrophe für die Studenten", sagt Huber. Die Einnahmen hätten zu "massiven Verbesserungen" der Studienbedingungen geführt. Der Staat könne die Akzeptanz der Gebühren und die Qualität der Hochschulen erhöhen, wenn er für jeden Euro aus Studentenhand einen Euro drauflege, schlägt Huber vor. Er mahnt auch Reformen an der bisherigen Praxis an. Mit dem Gesetzespassus, die Gebühren dürften nur zur Verbesserung der Studienbedingungen verwendet werden, habe "man sich keinen großen Gefallen getan".

Dadurch entstünden in den Unis "sehr deutsche Diskussionen", was darunter zu verstehen ist. Besser wäre zu schreiben, das Geld werde "für das Studium" verwendet, so Huber. TU-Präsident Wolfgang Herrmann fordert, die Zweckbindung aufzuheben. Minister Heubisch hält am Status quo fest.

Welche Auswirkungen der doppelte Abiturjahrgang im Wintersemester auf die ohnehin überfüllte LMU haben wird, sei nicht abzusehen, sagt Huber. Wegen der Abschaffung der Wehrpflicht, die zu noch mehr Studienanfängern führen dürfte, hat der Freistaat der LMU 15 zusätzliche Stellen zugeteilt. Davon soll der besonders belastete Bereich des Lehramtsstudiums profitieren. "Es ist geplant, 8,75 Stellen den Geisteswissenschaften zuzuteilen, dabei kommt die Lehrerbildung zum Zuge. 4,25 Stellen gehen an Medizin und Naturwissenschaften", erklärt Huber.

Lesen Sie das Interview mit Bernd Huber in der SZ von Montag.

© SZ vom 01.08.2011
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