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Streit um S-Bahn:Hahnenkampf der Rechthaberei

Es ist eine groteske Zumutung, wie sich Ministerpräsident Seehofer und Münchens OB Ude beim S-Bahn-Ausbau verhalten. Um ihren Streit beizulegen braucht es keinen Mediator. Auch nicht Gauweiler. Sondern einfach nur ein Telefon.

Zur Schlichtung eines Streits zwischen zwei erwachsenen Menschen gibt es ein Gerät, das sich schon häufig bewährt hat. Man nennt es Telefon. Einer wählt, der andere hebt ab, man redet, so einfach ist das.

Stammstrecke S-Bahn, München

Im Münchner S-Bahn-Streit sollten sich CSU-Chef Seehofer und Münchens OB Ude einfach mal an einen Tisch setzen.

(Foto: Carmen Wolf)

Oder besser: So einfach wäre das, würde der Streit um den S-Bahn-Ausbau in München mit einem Mindestmaß an Vernunft geführt. Wird er aber nicht. Das Spektakel der Nicht-Kommunikatoren Horst Seehofer und Christian Ude in den vergangenen Tagen ist eine groteske Zumutung, die auf beiden Seiten das Maß des Erträglichen längst überschritten hat. Die Region erlebt einen Hahnenkampf der Rechthaberei, wie er üblicherweise in Sandkästen aufgeführt wird: "Mama, der Christian hat mir meine Eisenbahn kaputtgemacht", "Papa, der Horst hat gesagt, ich bin blöd."

Allmählich aber wird es Zeit, den Christian und den Horst daran zu erinnern, dass sie versprochen haben, sich zu vertragen und sich gemeinsam um ihren Spielplatz zu kümmern. Das nennt man Amtseid. Ganz im Ernst: Wenn der Oberbürgermeister und der Ministerpräsident nicht mehr in der Lage sind, eine Jahrhundertfrage ihrer Landeshauptstadt geordnet auf die Reihe zu bekommen, dann werden sie beide zum Problem für die Entwicklung Münchens.

Es gibt nur einen Weg aus dem S-Bahn-Schlamassel, und er ist so simpel, dass man ihn kaum aufschreiben mag: Die Beteiligten müssen an einen Tisch, dazu gehören neben den Amtsträgern aus Stadt, Land und Bund selbstverständlich auch die Politiker der Region und der Bahnchef. Dazu braucht es keinen Mediator und auf der Tagesordnung nur einen Punkt: Wie bekommen alle Beteiligten das Projekt finanziert, und zwar jetzt. Das Fazit wird nicht überraschen: Alle müssen zusammenhelfen. Eines könnte die Einsicht befördern: Wenn ausnahmsweise alle mit der S-Bahn kommen.

© SZ vom 25.04.2012/bica

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