Auszeichnung:Emma und die Schlangenfarm

Auszeichnung: Einer der Literaturstipendiaten der Stadt München in diesem Jahr: Maximilian Murmann übersetzt aus dem Finnischen und Estnischen.

Einer der Literaturstipendiaten der Stadt München in diesem Jahr: Maximilian Murmann übersetzt aus dem Finnischen und Estnischen.

(Foto: Robert Haas)

Ob Lyrik, Roman, Kinderbuch oder Übersetzung - die Literaturstipendien der Stadt München 2021 würdigen höchst unterschiedliche Projekte.

Von Antje Weber, München

"Dafür, dass ich Natur mochte, kannte ich mich wirklich schlecht aus." Das sagt die Ich-Erzählerin in Louise Kenns "Wir bauen Gehege und wundern uns dann" - einem Text der 1992 geborenen Münchnerin, der in diesem Jahr mit einem "Leonhard- und Ida Wolf-Gedächtnispreis" ausgezeichnet wird. 3000 Euro erhält die Autorin, die am Literaturinstitut Leipzig studiert hat, für diesen Text, der die Annäherung an die Natur "klug dekonstruiert", wie die Jury schreibt. Denn die Ich-Erzählerin hat ein alles andere als romantisierendes Verhältnis zur Natur; sie muss sich selbst auf einer Wiese im Botanischen Garten eingestehen: "Keine Erkenntnis, kein Ankommen setzte ein."

Das wird hoffentlich anders sein, wenn es an diesem Freitag zur diesmal pandemiebedingt nicht-öffentlichen Preisverleihung und Lesung im Literaturhaus kommt. Nicht nur Louise Kenn wird dann ausgezeichnet, sondern noch weitere sieben Literaturstipendiaten der Stadt München, die in diesem Jahr mit jeweils 6000 Euro dotierte Stipendien erhalten. Der Lyriker Daniel Bayerstorfer zum Beispiel, über dessen Gedichtband "Neulich starb Antigone" die Jury urteilt: "Die trunkenen, lustigen, klugen Spiele dieses Dichters sind genau das, was unsere immer auf Effizienz und Logik abgerichtete Gegenwart benötigt". Ausgezeichnet wird auch das Schreibprojekt "Wie man barfuß auf Kies stolziert" von Christian Hödl, das von der lebendigen Münchner Schwulenszene der Achtzigerjahre erzählt - bis sie mit Aids konfrontiert wird. Jan Hoffmanns Romanprojekt "Monte Serpente" wiederum handelt von einer Schlangenfarm auf einem Schweizer Berg und Zufluchtsort. Einen Roman über die Abwesenheit der Familie schreibt dagegen Fabienne Imlinger, der Titel lautet "Alles über meine Eltern".

Auch ein Übersetzungsprojekt aus dem Finnischen von Maximilian Murmann wird in diesem Jahr ausgezeichnet. Ein Kinderbuchprojekt von Benita Berge überzeugte die Jury ebenfalls: "Emma und die verrückte Weihnachtsnacht" bewertet sie als "Achterbahnfahrt aus Spaß, Spannung, Verzweiflung und Freude". Eher an Jugendliche richtet sich dagegen das Projekt "Die Perfekten" von Yasmin Shakarami, laut Jury "eine gelungene Mischung aus Science-Fiction, Wissenschaftskrimi und Liebesgeschichte". An Erkenntniswillen mangelt es diesem Stipendiaten-Jahrgang offensichtlich dann doch nicht.

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