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Start-ups:Auf Wachstumskurs

Andreas Kunze, 2016

Andreas Kunze gründete das Start-up Konux, das intelligente Sensoren für Verkehrsunternehmen entwickelt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die EU bietet gerade jungen Firmen wie Konux Chancen, die sie sonst nicht hätten

Andreas Kunze muss nicht viele Seiten in seinem Kalender zurückblättern, nur bis März. Die Geschäftsreisen haben ihn nach London, nach Stockholm und nach Paris geführt, auch nach Brüssel. Normales Business - also, europäisches Business. Kunze ist einer dieser jungen Gründer, die mehrmals im Monat, manchmal auch mehrmals in der Woche durch Europa fahren und die Grenzen kaum mehr kennen. Er kann sich nur vage daran erinnern, wie er im Auto seiner Eltern auf der Rückbank saß, wie sie gewartet haben an den Schranken. Er ist 28 Jahre alt - und Start-ups wie seines sind heute die kleinsten Keimzellen Europas.

Andreas Kunze hat sich auf smarte Sensoren für Eisenbahnnetze spezialisiert, das mag abstrakt klingen, kann aber den Alltag von Millionen Menschen beeinflussen. Er und seine fast 70 Kolleginnen und Kollegen arbeiten daran, dass Techniker die Weichen schon warten können, bevor sie kaputt gehen und Züge pünktlich fahren. Die Firma hat Erfolg, in München haben im vergangenen Jahr nur wenige Start-ups mehr Geld eingesammelt als Konux, und schon bald werden Kunze und seine Leute in ihrem Büro im Südwesten der Stadt ein Stockwerk höher ziehen müssen, weil sie mehr Platz brauchen.

Das hat viel mit ihrem Geschäftsmodell zu tun, aber auch mit Europa. Kunze sagt: "Wenn es die Europäische Union nicht gäbe, hätten wir als junge Firma kaum eine Chance auf Wachstum." Die Zölle, die Wechselkurse, alles Dinge, die man leicht vergisst, solange es sie nicht mehr gibt - aber die verhindern würden, dass Unternehmerinnen und Unternehmer wie Andreas Kunze so einfach in einem anderen Land Europas wirtschaften könnten. Wenn er die Liste seiner Mitarbeiter durchgeht, dann stehen dort Leute aus den USA, aus China und Australien, aber auch aus Dänemark und Bulgarien, aus Frankreich und Polen, aus Schweden und Rumänien und Italien. Alleine in diesem Quartal wird Kunze 26 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen und das ist einer von vielen Schritten, bei denen ihm wieder einmal bewusst wird, was er an der Europäischen Union hat: "Jemand aus einem Land der EU habe ich zehnmal so schnell da wie jemanden aus Palo Alto."

Er beobachtet mit Skepsis die nationalistischen Tendenzen, kritisiert, dass viele Menschen immer nur sehen, was sie an Europa nervt und dabei die vielen Errungenschaften vergessen. Wenn es nach ihm ginge, sollte die Europäische Union viel enger zusammen wachsen, sollte es einen gemeinsamen digitalen Markt mit gemeinsamen Standards geben, damit Andreas Kunze sich zum Beispiel nicht in jedem Land wieder einen neuen Anbieter für seine Clouds suchen muss, mit einem Rechenzentrum vor Ort.

Wenn Unternehmer wie Kunze über ein stärkeres Europa reden, geht es ihnen natürlich erst einmal ums Geschäft, um einen möglichst großen Markt und um einen möglichst starken Konkurrenten zu den USA und zu China. In der Vergangenheit waren es allerdings schon oft wirtschaftliche Interessen, die das Projekt Europa vorangebracht haben. "Momentan werden wir von Investoren hier als deutsche Firma wahrgenommen", sagt Kunze. Leider, denn das Potenzial einer europäischen Firma wäre doch viel größer.

Der Unternehmer ist gerade dabei, ein Büro in Frankreich aufzubauen, auch in Schweden hat Konux nun Kunden, schon bald werden noch zwei Länder dazukommen, wie Kunze berichtet. Er wird also in den kommenden Monaten viel reisen, nur muss er nun manchmal innerhalb Europas an einer Grenzkontrolle anstehen - und warten.