Wohnen:Riesiges Interesse am Einheimischenmodell

An diesem Freitag läuft die Frist für die 51 Reihenhäuser am Wiesengrund ab: Mehr als 200 Familien haben sich beworben.

Von Peter Haacke

Der Bedarf ist riesig, das Angebot bestenfalls überschaubar - und oft genug platzt für Normalverdiener der große Traum vom kleinen Eigenheim allein an den Grundstückskosten. Umso attraktiver erscheint vielen das Starnberger Einheimischenmodell "Am Wiesengrund", wo an der Gemeindegrenze zu Pöcking eine neue Siedlung entstehen soll. Ende November verkündete Bürgermeisterin Eva John eine zweimonatige Bewerbungszeit für insgesamt 51 Grundstücke für Reihenhäuser. An diesem Freitag endet die Frist - und die Zahl der Bewerber übersteigt das Angebot um ein Vielfaches.

Wie viele Familien und Einzelpersonen sich genau beworben haben, ist noch offen. Doch Lena Choi, Pressesprecherin der Stadt, teilt dazu mit: Es sind "sehr viele". Eine Umfrage bei den wichtigsten Kreditinstituten in Starnberg ergibt, dass mindestens 200 Bewerber allein bei den Banken Interesse bekundet haben. Viele Bauherren in spe werden demnach leer ausgehen. Kein Wunder bei den Konditionen: Der Preis für einen Quadratmeter Bauland beträgt nur 486 statt der durchschnittlich geforderten 1080 Euro - ein Schnäppchen für Starnberger Verhältnisse.

Starnberg Rathaus Wiesengrund

Dieses Modell des Architektenbüros AKFU hat beim städtischen Realisierungswettbewerb 2017 den ersten Preis gewonnen.

(Foto: Georgine Treybal)

Auf die Stadtverwaltung kommt in den nächsten Wochen viel Arbeit zu: Die Bewerbungen müssen gesichtet, anhand diverser Kriterien priorisiert und nach einem vom Stadtrat festgelegten Punktesystem in eine Rangfolge gebracht werden. "Die anonymisierte Liste wird die Verwaltung dann dem Stadtrat voraussichtlich im März/April zur Vergabe der Grundstücke vorlegen", erklärt Choi. Danach erfolgen die Beurkundungen der Verträge und seitens der Bauherren die Planung der Gebäude, das Einholen baurechtlicher Genehmigungen und die Vergabe der Bauleistungen an Firmen.

Als Indiz dafür, dass Bedarf und Anzahl der verfügbaren Grundstücke am Wiesengrund weit auseinander klaffen, können Aussagen von Finanzberatern der Kreissparkasse und der Volks- und Raiffeisenbank (VR) gelten: Jeweils mehr als hundert Interessenten hätten sich gemeldet, hieß es. Nach einer Baufinanzierungsberatung habe man etwa 70 Interessenten eine Bestätigung als formelle Voraussetzung für die Bewerbung um ein Grundstück ausstellen können, teilt VR-Sprecher Johann Oberhofer mit. Der meisten Bewerber kommen demnach aus Starnberg, ein Drittel aus umliegenden Gemeinden wie Berg, Pöcking oder Feldafing. Die meisten Anfragen habe es unmittelbar nach Bekanntwerden der Bewerbungsmöglichkeit gegeben, ein "großer Hype" folgte kurz vor Ablauf der zweimonatigen Frist. Die Sparda-Bank hat rund 25 Kunden zu einer Finanzierung beraten, die überwiegend in Starnberg oder Nachbargemeinden wohnen. "Aus dem sehr großen Interesse an dem Vorhaben leiten wir einen entsprechend hohen Bedarf an bezahlbaren Wohnraum in dieser Region ab", teilt Sparda-Sprecherin Marianne Schmid mit.

51 Reihenhäuser und 70 Wohnungen

Am südlichen Ortsrand von Starnberg entsteht auf einer 35 000 Quadratmeter großen Wiese - das entspricht etwa einer Fläche von fünf Fußballfeldern - eine neue Siedlung: das Einheimischenmodell "Am Wiesengrund". Die Stadt Starnberg vergibt dazu gemeindeeigene Baugrundstücke, um insbesondere in Starnberg verwurzelten, einkommensschwächeren Bürgern sowie jungen Familien eine dauerhafte, langfristige und nachhaltige Sesshaftigkeit zu ermöglichen. Für die Reihenhäuser stehen 51 Grundstücke mit einer Größe zwischen 142 und 253 Quadratmetern zur Verfügung. Die Bewerbungsfrist endet diesen Freitag um 12 Uhr. Die Vergabe der Grundstücke erfolgt durch Verkauf oder per Bestellung eines Erbbaurechts.

Weiterhin geplant ist der Bau von Geschosswohnungen und Mehrfamilienhäuser, über die Vergabekriterien ist bislang jedoch nichts bekannt. Erst im Oktober soll sich der Stadtrat mit dieser Angelegenheit befassen; eine Ausschreibung wird demnach frühestens zum Jahresende erfolgen. Insgesamt sollen auf dem Areal rund 120 Wohneinheiten entstehen. Als problematisch gilt bislang die Erschließung und die Verkehrsanbindung an die Bundesstraße 2. phaa

Eine Einschätzung, die auch die Kreissparkasse teilt: Julian Fürstenberg, Abteilungsleiter des Immobiliencenters in Starnberg, ließ unmittelbar nach Bekanntwerden der Frist eigens eine auf die Informationsbedürfnisse potenzieller Bauherren abgestimmte Bewerbermappe erstellen. Personell sei seine Abteilung angesichts der vielen Anfragen vor allem um die Weihnachtsfeiertage herum und zum Jahresbeginn für die kostenfreie Beratung zeitweise am Limit gewesen. "Es gibt auf jeden Fall sehr viele Bewerber", stellt Fürstenberg fest, der auf Erfahrungswerte aus anderen Kommunen zurückgreifen kann. Und: "Wir haben es hier in Starnberg fast ausschließlich mit Ersttätern zu tun, die zuvor noch nie ein Haus gebaut haben."

Dabei ist ungewiss, was auf die potenziellen Häuslebauer am Wiesengrund, die sich auf den bislang unerschlossenen Baugrund bewerben, zukommt. Der Einstiegspreis für die Grundstücke im hochpreisigen Landkreis Starnberg ist nach Expertenmeinung sehr attraktiv. Dennoch betrage der individuelle Finanzbedarf für ein schlüsselfertiges Haus wenigstens 450 000 bis eine halbe Million Euro - eine Summe, die sich durch individuelle Wünsche noch problemlos steigern lässt.

Die Konkurrenz unter den Bewerbern dürfte also groß sein. Allein VR-Bank und Sparkasse haben dreimal mehr Interessenten, als es verfügbare Grundstücke gibt. Von den übrigen in Starnberg vertretenen Bankfilialen gab es keine Angaben. Angesichts der erwarteten Preise für ein Reihenhaus ist aber erfahrungsgemäß damit zu rechnen, dass eine überschaubare Zahl an Bewerbern auch wieder abspringt. Für die Glücklichen, die im Frühjahr eine Zusage von der Stadt erhalten, folgt eine rund neunmonatige Planungs- und Genehmigungsphase, "sodass ein Baubeginn im Frühjahr 2020 realistisch erscheint", teilt Choi mit. Die Erschließungsarbeiten für das Baugebiet sollen bereits dieses Frühjahr beginnen. Jene allerdings, die sich für ein Domizil im günstigeren Geschosswohnungsbau interessieren, müssen sich gedulden: Über Konzepte wird der Stadtrat voraussichtlich erst im Oktober beraten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB