Wegen Weßlinger Bedenken Feldafings Bürgermeister ausgebootet

Wo soll die Müllumladestation des Landkreises entstehen? Der Abfallverband lässt Bernhard Sontheim nun doch nicht mitreden.

Von Otto Fritscher und Patrizia Steipe

Es war wohl die kürzeste Amtsperiode, die Bernhard Sontheim, Feldafinger Bürgermeister und Kreisrat, je erlebt hat. Gerade mal einen Tag war er Mitglied des Lenkungsausschusses, der für den Abfallwirtschaftsverband (Awista) die Kriterien erarbeiten soll, nach denen über den Standort für die geplante Müllumladestation entschieden wird. Im Gespräch sind ein Grundstück an der Gautinger Gemeindegrenze, gegen das die Weßlinger vehement protestieren, und eines bei Sankt Gilgen an der Lindauer Autobahn.

Landrat Karl Roth und Awista-Chef Peter Wiedemann hatten Sontheim am Mittwoch bei einer Sondersitzung im Freizeitheim Hochstadt vor 150 Zuschauern in das Gremium berufen, doch sie bekamen dann offenbar kalte Füße, als im Weßlinger Gemeinderat Bedenken gegen die Neutralität Sontheims laut wurden. "Ja, ich hab' da im Herbst mal einen Spruch über die Vorgänge in Weßling losgelassen, aber so genau kann ich mich da nicht mehr erinnern", sagte Sontheim auf SZ-Anfrage.

Es war wohl die kürzeste Amtsperiode, die Bernhard Sontheim, Feldafinger Bürgermeister je erlebt hat.

(Foto: Privat)

Am Tag nach der Berufung hatte der Spruch Konsequenzen: Wiedemann rief Sontheim an und fragte, ob es ihm etwas ausmache, doch nicht im Lenkungsausschuss mitzumachen. "Erst habe ich reagiert, wie es meine Art ist. Dann habe mich aus dem Gremium zurückgezogen, wenn es der Sache dienlich ist", sagte Sontheim der SZ. Wer Sontheim kennt, weiß, dass er sich fürchterlich aufgeregt haben muss. Der Bürgermeister bleibt aber gelassen: "Wenn das die neue Art ist, mit der Meinungsfreiheit umzugehen, dann ist das halt so", sagte er lakonisch. "Das ist für mich gegessen."

Sontheim wird durch den Kraillinger CSU-Kreisrat Max Stürzer ersetzt, wenn sich der Lenkungskreis am 8. Juli trifft. Neben den Bürgermeistern Manfred Walter (Gilching), Michael Muther (Weßling) und Brigitte Kössinger (Gauting) gehören Landrat Roth und Awista-Chef Wiedemann, zwei Ingenieure und die Verwaltungsräte Rupert Monn, Bürgermeistersprecher, und Gerd Mulert von der Energiegenossenschaft dem Gremium an. Im Herbst soll über den Standort entschieden werden.

AWISTA-Geschäftsführer Peter Wiedemann.

(Foto: Privat)

In der Sondersitzung ließ Roth zwischen den Zeilen durchblicken, dass er einem Standortwechsel von Oberbrunn bei Hochstadt zugunsten von "An den Gruben" in Weßling bei Sankt Gilgen nicht abgeneigt sei. Die notwendigen Grundstücke, die neben dem Abfallunternehmen Remondis liegen, hat der Awista bereits erworben. "Wir hätten nicht gekauft, wenn wir hier nicht eine Chance sähen", versicherte er. Es sind 6,2 Hektar, statt der vier Hektar hinter Hochstadt. Genug Platz, um neue "Geschäftsfelder aufzutun". 2023 laufen die Dienstleistungsverträge mit Remondis aus. "Bis dahin wollen wir eine eigene Umladestation errichtet haben", sagte Roth. Bis 2034 kann Remondis seine Verträge verlängern. Dann muss das Grundstück zurückgegeben werden und der Awista könnte es ebenfalls nutzen.

Oliver Fiegert von der Bürgerinitiative Sankt Gilgen betonte, dass sein Dorf dort bereits zwei Asphaltmischanlagen ertragen müsse. "Warum reicht Remondis nicht?", fragte er. Doch der Landkreis möchte nicht mehr von einem Privatunternehmen abhängig sein und die Müllentsorgung in die eigenen Hände nehmen.

Weßlinger Gemeinderäte zogen alle Register, um den bislang geplanten Standort bei Hochstadt madig zu machen. Bilder von saftigen Feldern und die von Peter Weiß (FW) beschworene Schönheit der Heimat zielten auf die Emotionen. Claus Angerbauer (SPD) erinnerte an die Umweltproteste der Jugend. Michael Sturm (FW) malte das Szenario von riesigen Lastwagen, die sich durch die engen Straßen Hochstadts quetschten und Michael Muther erinnerte daran, dass das Grundwasser gefährdet sei. Außerdem gebe es Probebohrungen für einen weiteren Brunnen in der Tiefenbrunner Rinne, mit dem der steigende Trinkwasserbedarf der Region gedeckt werden könne. Die Müllgebühren würden übrigens steigen, "egal ob wir bauen oder nicht", sagte Awista-Chef Wiedemann.