Artenvielfalt Bauern und Naturschützer suchen Gemeinsamkeiten

Johannes Enzler hat die Veranstaltung zum Thema "Artenvielfalt in der Landwirtschaft" in Wartaweil moderiert.

(Foto: Nila Thiel)

Bei einer Diskussion in Wartaweil präsentieren Interessenvertreter Ideen, wie es nach dem erfolgreichen Volksbegehren weitergehen soll.

Von Blanche Mamer

Das Volksbegehren gegen das Artensterben und den Verlust der Biodiversität hat viele Landwirte verunsichert und erzürnt. Sie wehren sich dagegen, als alleinige Verursacher oder "Sündenböcke" angesehen zu werden, wie der Starnberger Bauernobmann Georg Zankl am Samstag bei der gemeinsamen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung im Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil am Ammersee sagte. Die Gräben zwischen Bauernverband und Naturschutzorganisationen sind tief, darum wird allseits gelobt, dass sich die Opponenten zusammen mit dem Amt für Landwirtschaft Weilheim zum gemeinsamen Austausch über "Artenvielfalt in der Landwirtschaft" treffen.

Wie die Landwirte und ihre Familien arbeiten und sich um den Erhalt der Arten in ihren landwirtschaftlichen Betrieben bemühen, berichten die Bauernobmänner aus Landsberg und Garmisch, Johann Drexl und Alois Krammer in ihren Vorträgen. Krammer aus Krün ist Biolandwirt und bewirtschaftet einen 65 Hektar großen Hof (davon sind drei Hektar Streuwiesen, vier Hektar extensive Talweide und neun Hektar Buckelwiesen) zusammen mit seiner Frau, den beiden Söhnen und dem Vater. Er hält 45 Kühe, die eine Milchleistung von 9800 Litern erbringen, 65 Stück Jungvieh und 15 Kälber. Das Jungvieh ist auf der Weide, die Kühe kraxeln im Sommer bis auf eine Höhe von 999 Meter und sind so robust, dass sie auch über Schotterflächen laufen können. Trotzdem müsse er viermal im Jahr mähen und nicht höchstens zweimal, wie im Text des Volksbegehrens vorgeschrieben. Die Bilder, die er an die Wand wirft, zeigen eine Ökolandwirtschaft wie im Bilderbuch.

Dass die Bauern im Alpenvorland anders wirtschaften als die sogenannten Agrarfabriken in Nord- und Ostdeutschland, zeigt auch das Referat von Johann Drexl, seit 18 Jahren Biolandwirt aus Kaufering. Seit 2017 motiviere er die Landwirte, seinem Beispiel zu folgen und Blühstreifen von drei Metern Breite einzuführen, Lerchenfenster auf den Feldern einzurichten und auf den Abschnitten von mehreren Quadratmetern nicht zu ernten. Zudem ruft er dazu auf, Hecken anzulegen und Sonnenäcker für Unser Land anzubieten. Er erzählt, dass er zur Kartoffelernte Kindergärten auf seine Felder einlade. Beim Kartoffelklauben bringe er den Kindern die Natur wieder näher. Er habe vor, sie auch zum Legen der Saatkartoffeln einzuladen. Er appelliert an die Verbraucher, beim Einkaufen auf das Bayerische Biosiegel zu achten und in ihren eigenen Gärten Blühwiesen zuzulassen. Der Starnberger Kreisobmann Georg Zankl setzt sich ebenfalls für blühende Ränder und Gewässerschutzstreifen ein und ruft die Bauern auf, durch das Ansähen von Zwischenfrüchten und -pflanzen dem Wasserschutz zu dienen.

Wirklich etwas lernen konnten die Teilnehmer beim Multivisionsvortrag "Wunder Welt Wiese" von Roland Günter, Forstingenieur, Biologe und Fotograf. Mit umwerfend klaren Naturaufnahmen und leicht verständlichen Kommentaren zeigte er, wie Biodiversität funktioniert und wie faszinierend sie ist. Unterhaltsam und voller Selbstironie berichtete er von seinen Beobachtungen der komplexen Beziehungen zwischen Insekten und "ihren" Pflanzen und dem Ungleichgewicht, das entsteht, wenn nur eine davon verschwindet. Das alarmierende Fazit: "Wir stehen kurz vor dem Zusammenbrechen des Systems. Wir haben keine Zeit mehr für Mätzchen. Wir müssen jetzt handeln." Das Positive: Naturschützer und Landwirte aus der Region sind wieder im Gespräch.

Dazu gab es am Samstag viel Gelegenheit, auch Beratungen durch erfahrene Landwirte und Experten standen auf dem Programm. Eine gemeinsame Erklärung zu dem sensiblen Thema wollen die Organisatoren im Laufe dieser Woche herausgeben.