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Starnberger See:Frische Brise im Clubhaus

Der Deutsche Touring Yacht-Club in Tutzing gestaltet seine Räume luxuriös um. Sie stehen auch Nicht-Mitgliedern zur Verfügung. Verknüpft mit ihrer 111 Jahre alten Historie wollen die erfolgreichen Segler sich ein modernes Image zulegen.

Von Manuela Warkocz

Ein herrschaftlicher roter Teppich, eine stilvolle Lounge-Ecke mit Seeblick, elegante Vorhänge und Esstische aus hellem Ahornholz, dazu Halbmodelle von berühmten Segelschiffen an den Wänden - der Deutsche Touring Yacht-Club hat seinen Clubraum repräsentativ aufgemöbelt.

Auch die Bar nebenan bekam mit einer luftigen hellblauen Tapete voller Segelschiffe von Ralph Lauren und maritimen LED-Hängelampen ein modernes Ambiente. Die umgestalteten Räume, die auch Nicht-Mitglieder für Feste mieten können, sind sichtbare Zeichen, dass sich der 111 Jahre alte Yacht-Club ein neues Image zulegen will. Durchaus historisch vertäut, aber mit frischem Wind zu neuen Ufern, um vor allem junge Leute mit an Bord zu nehmen.

"Das sah vorher aus wie die Kantine in einem Altenheim", beschreibt Vorstandsmitglied Thomas Giebelhausen die bisherige nüchterne Atmosphäre mit fahlgelben Wänden und Plastiktischen im Clubhaus nahe dem Südbad. Nach 25 Jahren startete der Tutzinger, der sich als BR-Moderator einen Namen gemacht hat und selbst einen 40er Schärenkreuzer von 1923 segelt, mit Casinowartin Kirstin Berr, der Tutzinger Interior-Designerin Barbara Schütte und einer engagierten Arbeitsgruppe aus den Reihen der 600 Mitglieder einen Relaunch. Weil das Budget mit 20 000 Euro eher knapp war, investierten die Helfer 250 Arbeitsstunden, um Vorhangstangen und Lampen aufzuhängen und alle 70 Stühle neu zu polstern.

Giebelhausen selbst knüpfte stundenlang Raffhalter für die Vorhänge aus jeweils neun Meter langer, silbergrauer Schnur mit Segelknotentechnik. Besondere Hingucker sind die großen, auf die Wände gemalten schwarz-weiß-roten Flaggen - historisches Signet des Clubs. Modernisiert wurden Brandschutz und Konferenztechnik und für das Wirtepaar Andreas und Dana Fink ein spezieller Gläserhalter über der Bar eingerichtet. Weitere Bereiche sollen aufgehübscht werden: der Übergang im Clubhaus zum See und das Stüberl, das früher offen zum Trocknen der Baumwollsegel diente und über dem heute Kojen zum Übernachten sind.

Feiern wollte der neue Clubpräsident Christian Teichmann mit den Mitgliedern die Renovierung im Sommer bei einem Fest zum 111-Jährigen. Das musste Corona-bedingt auf nächstes Jahr verschoben werden. Eingesprungen ist der DTYC dafür im August für das zum Risikogebiet erklärte St. Petersburg, um kurzfristig die Sailing Championship mit 150 Teilnehmern aus elf Nationen in Tutzing auszurichten. Mit einer rigorosen Trennung von Event- und Mitgliederbereich habe der Club das "Riesen-Event" gut hinbekommen, so Giebelhausen.

Als Gründungsmitglied der deutschen Segelbundesliga ist der DTYC stolz auf seine Erfolge im Spitzensport. Die Tutzinger gewannen zwei Meister- und zwei Vizemeistertitel und siegten 2016 in der Champions League. Ein Team aus etwa 20 Athleten trainiert mit Max Weiss und Patrick Follmann, einem gewieften Taktierer, der 2012 selbst bei den Olympischen Spielen in London segelte. Die Segel streichen musste dagegen für dieses Jahr das Olympia-Team für Tokio, Nadine Böhm und Ann-Christin Goliaß im 470er. Sie hoffen, dass sich 2021 ihr Kindheitstraum erfüllt.

1964 segelte schon einmal eine Crew des DTYC bei Olympia in Tokio - und fuhr auf den 5. Platz, der bisher größte Erfolg der Club-Geschichte. Die Urkunde nimmt einen Ehrenplatz neben der Bar ein. Der damalige Steuermann Biwi Reich will die legendäre 5.5er Rennyacht als Halbmodell für den Clubraum stiften.

Damit es der Tutzinger Nachwuchs mal so weit bringen kann, legt der Yacht-Club nicht erst seit Präsident Teichmann großen Wert auf Nachwuchs- und Talentförderung. Gerne beteiligt man sich an der alljährlichen Wassersportwoche am Tutzinger Gymnasium. "Danach können wir immer wieder Kinder und Eltern als Mitglieder gewinnen", freut sich Giebelhausen. 600 Euro kostet die jährliche Mitgliedschaft, dafür kann man Clubhaus und Liegewiese direkt am See genießen.

© SZ vom 01.10.2020
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