Stellenmarkt Billige Wohnungen als Lockmittel

An der Schloßstraße im Ortsteil Buch baut die Gemeinde Inning für Mitarbeiter ein Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Gemeinden müssen sich anstrengen, um gutes Personal zu bekommen. Günstige Mieten und Gratis-Fahrkarten sollen Anreize bieten. Aber auch das menschliche Miteinander spielt eine große Rolle.

Von Sabine Bader, Starnberg

Personalchefs von Behörden haben es nicht leicht. Denn der Markt an Verwaltungsangestellten und Beamten ist leergefegt. Um gutes Fachpersonal anzuwerben, muss man sich anstrengen. Da heißt es, Anreize zu bieten.

Das tut das Starnberger Landratsamt nach Kräften. "Ich meine, wir sind ein attraktiver Arbeitgeber", sagt Renate Breuninger vom Personalreferat in der Kreisbehörde und zählt einiges auf: Da ist natürlich die tollen Lage des Landratsamts direkt am See. Wer hier arbeitet, kann mittags locker mal ins Wasser hüpfen. Wo kann man das schon? Dann verfügt der Landkreis über 120 Dienstwohnungen für seine 550 Beschäftigten, zwei neue Häuser sind gerade in Söcking geplant. Die Mieten für die Wohnungen sind stets so günstig wie Sozialwohnungen. "Wenn wir jemanden von auswärts einstellen wollen, kümmern wir uns nach Möglichkeit schon vorher um eine Dienstwohnung für ihn. Sonst könnte so mancher auch gar nicht hier anfangen", sagt Breuninger.

Kommen Mitarbeiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, bekommen sie die Fahrkarten vom Arbeitgeber komplett ersetzt. Wer mehr als 25 Kilometer zur Arbeitsstelle fahren muss, erhält einen Zuschuss zu den Benzinkosten. Was die Bewerber laut Breuninger besonders schätzen, sind die familienfreundlichen Arbeitszeiten in der Behörde: Im Landratsamt gibt es seit 2002 Gleitzeit ohne Kernzeit. Es gibt etliche Teilzeitmodelle, die von 50 Prozent der Mitarbeiter genutzt werden. Außerdem haben sie die Möglichkeit, von Zuhause zu arbeiten. Und noch ein Punkt: Das Landratsamt hat momentan 55 Auszubildende und damit so viele wie noch nie. Die Behörde kümmert sich also um ihren eigenen beruflichen Nachwuchs. Dennoch gibt es momentan acht offene Stellen in der Kreisbehörde - im Bürgerservice, Bauamt und im Jugendamt.

Der Berger Bürgermeister Rupert Monn kennt das Problem mit den offenen Stellen ebenfalls. Er hat eine Ingenieursstelle im Bauamt seines Rathauses, die er trotz dreimaliger Ausschreibung noch immer nicht besetzen konnte. Die beiden anderen offenen Stellen im Bauhof seien jetzt vergeben, sagt er. Berg gehört im Landkreis zu den besonders begehrten Gemeinden am See. Bauland ist hier Mangelware, gesalzene Wohnungspreise leider nicht. Zwölf Mitarbeiterwohnungen gibt es in der 8000-Einwohner-Gemeinde. Viel mehr Vergünstigungen kann Monn seinen Beschäftigten nicht bieten. Es sei ja schon ein Problem, einem Mitarbeiter zum Jubiläum eine Flasche Wein zukommen zu lassen. "Ich kann den Leuten doch nicht nur einen warmen Händedruck verpassen", findet er. Für den kleinen Geldbetrag, den es in Berg zu runden Geburtstagen gibt, wurde Monn, wie er erzählt, schon mal vom kommunalen Prüfungsverband gerügt. Aber da ist der Bürgermeister stur. "Das mach' ich trotzdem weiter."

Seit zehn Jahren ist Christian Schiller Bürgermeister in Herrsching. Auch er kennt Personalprobleme aus eigener Erfahrung. "Wir beobachten den Markt sehr intensiv", erzählt Schiller, und er hat die Erfahrung gemacht: "Wir müssen langfristig planen." Schiller setzt auf die Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter und nennt dafür ein Beispiel: Der Herrschinger Kämmerer wird Ende des Jahres aufhören. Eine gute Nachfolge für diese anspruchsvolle Tätigkeit zu finden, stellt Gemeinden häufig vor große Schwierigkeiten. "Wir haben eine fähige Mitarbeiterin und haben sie gefragt, ob sie sich für diese Aufgabe weiterqualifizierten möchte, was sie tut", erzählt der Bürgermeister.

Derzeit gibt es in der Herrschinger Verwaltung mit ihren 70 Beschäftigten zwei offene Stellen. Die sind beide im Bauhof. Da werden Handwerker gebraucht, und die sind kaum zu finden. Zwölf Dienstwohnungen kann die Gemeinde anbieten. Weitere Vergünstigungen sind Fahrtkostenzuschüsse, Ballungsraumzulage und Teilzeitvarianten. "Ohne die geht es heute fast nicht mehr." Und dann ist da noch das Betriebsklima. "Das muss einfach gut sein. Man muss den Mitarbeitern sagen, dass man sie wertschätzt", weiß Schiller.

Auf sogenannte "weiche Kriterien setzt auch der Pöckinger Rathauschef Rainer Schnitzler. "Anscheinend ist unser Ruf als Arbeitgeber gar nicht so schlecht ", sagt er. Schließlich habe er trotz aller Engpässe auf dem Arbeitsmarkt alle offenen Stellen wieder "gut besetzen können". Dabei vergibt die Gemeinde ihre mehr als 30 kommunalen Wohnungen nicht nur an eigene Bedienstete. Die meisten vermietet sie nach sozialen Kriterien unterhalb des Marktpreises auf dem freien Wohnungsmarkt.

Für etwa acht Euro pro Quadratmeter will die Gemeinde Inning die neun Wohnungen vermieten, die seit vier Monaten an der Schlossstraße im Ortsteil Buch entstehen. Gedacht sind sie für Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, aber auch für Erzieherinnen oder Pflegekräfte aus der Gemeinde. Damit hofft Inning, das jahrelang über Personalnot in der Verwaltung klagte, einen Anreiz für gemeindliche Mitarbeiter zu schaffen.

Anders Gauting. Auf gemeindeeigene Wohnungen kann die Gemeinde nicht zurückgreifen. "Leider", sagt Gabriele Heigl vom Referat für Öffentlichkeitsarbeit. Die Kommune hat sich aber ein Belegungsrecht in einer neuen Wohnanlage gesichert, die in Stockdorf entstehen soll. Punkten kann die Würmtalgemeinde mit flexiblen Arbeitszeiten und geförderten Fortbildungen. "Wir haben auch nicht Millionen auf der hohen Kante." Also ist man im Rathaus dazu übergegangen, sich auch hier "den Nachwuchs selbst ranzuziehen". Derzeit gibt es drei Auszubildende unter den 150 Mitarbeitern, und bald werden es vier sein. Heigl denkt vor allen an den demografischen Wandel, der sich in den kommenden Jahren noch stärker bemerkbar machen wird. "Es wird nicht leichter für uns", sagt die Rathaussprecherin.