Freizeit und Tourismus:Kein Schiff wird kommen

Freizeit und Tourismus: Wegen einer Pannenserie fahren 2023 weniger Dampfer über den Starnberger See als eigentlich geplant.

Wegen einer Pannenserie fahren 2023 weniger Dampfer über den Starnberger See als eigentlich geplant.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Aus dem Starnberger See fällt ein Ausflugsdampfer nach dem anderen aus. Über eine Saison voller Pannen.

Von Viktoria Spinrad, Starnberg

Es beginnt bereits unter schlechten Vorzeichen. Als der Saisonstart der Seeschifffahrt im Frühjahr mit Politprominenz aus München eingeläutet wird, fehlt ein Schiff der Flotte. Die Bayern, ein 48 Meter langer Tanker aus dem Jahr 1948, hat ein Leck im Rumpf. Weil das Wasser zu niedrig ist, kann sie zur Reparatur auch nicht aus dem Wasser gehievt werden. Sie wird die gesamte Saison ausfallen.

Das Jahr 2023 ist ein turbulentes für die Schifffahrt auf dem Starnberger See. Eines, wie es Michael Grießer in seinen zehn Jahren als Geschäftsführer noch nie erlebt hat. Über das Jahr verteilt ist er häufig mit sorgenvoller Miene anzutreffen und sagt Sätze wie: "Diese Saison hat auf dem Starnberger See den Teifi g'sehn." Die bayerische Zusammenfassung für ein Annus horribilis.

Dabei sollte es eigentlich das Jahr sein, in dem alles wieder halbwegs normal ist, nach all dem Corona-Wahnsinn. Einfach über das Wasser gleiten, die Alpenaussicht genießen, Fotos machen. Oh, wie schön ist der Starnberger See. Nur spielen die Schiffe nicht so richtig mit. Wegen eines technischen Defekts läuft die EMS Berg nahe der Roseninsel auf Grund. Als wäre das nicht genug, wird dabei auch noch eine Schraube beschädigt. Dabei war das elektrisch betriebene Vorzeige-Schiff ja erst 2021 in Betrieb.

Kurz darauf macht der Motor der Seeshaupt schlapp. Die Diagnose: ein ungewöhnlicher Verschleißschaden an der Kupplung. Bis Ende Juni fällt sie aus. Und auch die Starnberg lässt Michael Grießer keine Ruhe. Eigentlich soll sie für eine Charterfahrt auslaufen. Doch der Motor verhakt sich. Das Schiff lässt sich nicht mehr steuern und prallt gegen einen Steg am Bayerischen Yachtclub. Nach Probefahrten tritt der Defekt erneut auf - es ist einfach der Wurm drin.

Mitte Juni dann der nächste Dampfer-Dämpfer. Die Bernried lässt sich nicht mehr steuern und fällt aus. Und das, obwohl die Flotte im Winter überholt worden war. Ein Grund, weshalb die Schiffsführer nicht weiter ausgebildet werden konnten - wodurch dann Personalengpässe entstehen, schließlich kann nicht jeder Kapitän jedes Schiff steuern. Als im Juli vier Schiffe einsatzbereit und vier Schiffsführer krank sind, fällt der Satz mit dem "Teifi".

Freizeit und Tourismus: Leinen los: Zur beschirmten Eröffnungsfeier kommen die Minister Albert Füracker und Ulrike Scharf. Der Seenschifffahrtschef Michael Grießer versteckt sich hinter der Reling.

Leinen los: Zur beschirmten Eröffnungsfeier kommen die Minister Albert Füracker und Ulrike Scharf. Der Seenschifffahrtschef Michael Grießer versteckt sich hinter der Reling.

(Foto: Nila Thiel)

Auf dem Saisonhöhepunkt ist die Starnberger Schifffahrt auf dem Tiefpunkt. Längst gilt ein reduzierter Fahrplan, der bis zum Ende auch beibehalten wird. Wie zum Beweis für das turbulente Jahr tritt im September auf der Seeshaupt Kohlendioxid aus, die Passagiere müssen in Sicherheit gebracht werden. Im November zieht Grießer dennoch eine insgesamt positive Bilanz. "Wir haben annähernd wieder die Fahrgastzahlen von vor Corona erreicht", sagt er. Rund 511 000 Menschen sind in diesem Jahr über den Starnberger See und Ammersee geschippert. Zum Vergleich: 2019 waren es 514 000, im vergangenen Jahr, also 2022, waren es 512 000. Das schöne Herbstwetter und das Ammersee-Geschäft haben also das Schiffsfiasko wieder wettgemacht.

Am 1. April 2024 soll es wieder losgehen, dann mit vier bis fünf Prozent höheren Preisen. Höhere Strom-, Diesel- und Personalkosten treiben die Preise hoch. Jeder einzelne Aspekt sei erträglich, sagt Grießer. "In der Summe müssen wir aber versuchen, das wieder hereinzubekommen." Zumal die Schifffahrt in die Sicherheit investiert: An den Stegen in Berg und Seeshaupt sollen Tore installiert werden, damit Schwimmer nicht mehr vor die Dampfer hüpfen. "Diese werden zur nächsten Badesaison fertig sein", so Grießer.

Derweil wird vom 8. Januar an wieder das Winterwerkeln in den Werften weitergehen. Dann wird sich auch zeigen, inwieweit das Sorgenkind Bayern wieder fit für den Starnberger See gemacht werden kann.

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