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Starnberger See:Kostenloser Bus für Touristen

Bernried will "Bonuskarte" einführen, die zunächst nur für den Regionalbus gelten soll

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Bernried

Als erste Gemeinde im ganzen Fünfseenland will die Gemeinde Bernried Touristen kostenlose Tickets für den Nahverkehr anbieten. Einstimmig hat der Gemeinderat am Donnerstag Bürgermeister Josef Steigenberger das Mandat erteilt, Verhandlungen zu führen und Verträge abzuschließen. Das Projekt soll im Juli starten. Vorerst würde die "Bonuskarte" jedoch nur für den Regionalbus gelten.

Das Angebot wurde vom Tourismusverband Pfaffenwinkel und dem Regionalverkehr Oberbayern (RVO) entwickelt. Bislang verbindet der RVO Tutzing, Bernried, Seeshaupt und Penzberg nur mit einer Linie und einzelnen Fahrten werktags am frühen Morgen zwischen sechs und sieben Uhr sowie am Nachmittag. Damit das Angebot angenommen werde, müsse das Netz ausgebaut und mehr Fahrten angeboten werden, sagte der Bürgermeister. In Bernried sollen zunächst vier, später sechs Fahrten aufgestockt werden. Bislang kämen Urlauber vom Bahnhof Bernried oder von Tutzing aus nur mit dem Taxi zum Buchheim-Museum. Künftig soll das mit dem Bus möglich sein.

Steigenberger hofft, dass man auch Autofahrer, die in Bernried Urlaub machen, dazu bewegen kann, für Ausflüge auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Denn das kostenlose Angebot soll für ganz Oberbayern gelten, beispielsweise bis nach Rosenheim, den Tegernsee oder zu den Schlössern. Laut Steigenberger steht die Bahn dem Angebot positiv gegenüber und testet derzeit ein Pilotprojekt. "Nur der MVV macht nicht mit", bedauerte der Bürgermeister. Das sei schade, weil dadurch der Starnberger See weitgehend vom Angebot ausgenommen sei.

Die Kosten für den Ausbau der RVO-Linien müssen allerdings die Kommunen selbst tragen. Bernried will dies über den Kurbeitrag finanzieren, der deshalb neu kalkuliert werden muss. Bislang zahlen Urlauber 44 Cent pro Übernachtung und Geschäftsreisende 22 Cent. Nach Schätzungen des Rathauschefs müsste der Betrag um etwa 40 Cent erhöht, also nahezu verdoppelt werden. Das wäre gegenüber den Kurbeiträgen in anderen Gemeinden immer noch moderat, betonte Steigenberger. Markus del Fabbro (BLB) bezweifelte, dass Urlauber für die Strecke Bernried bis zum Schloss Neuschwanstein öffentliche Verkehrsmittel nutzen, zumal schon jetzt die RVO-Busse weitgehend leer führen.

Nach den Erfahrungen von Regina Steiger (CSU), die selbst an Urlauber vermietet, lassen viele ihrer Gäste das Auto im Urlaub stehen. Achim Regenauer (BL) monierte, dass jeder Anbieter, ob Bahn, Bus oder MVV, eine eigene App anbietet. Das sei kompliziert für den Nutzer und müsse zusammengeführt werden, forderte er. Wie Steigenberger betonte, wird die neue Bonuskarte in Verbindung mit der "Pfaffenwinkelcard" angeboten. Darin sei das gesamte RVO-Netz mit allen Zielen und Verbindungen dargestellt.

Nach seinen Angaben hat die Gemeinde Bad Bayersoien im Nachbarlandkreis Garmisch-Partenkirchen das neue Angebot schon getestet und sehr gute Erfahrungen gemacht. Im Landkreis Weilheim-Schongau indes habe sich bislang noch keine Kommune beteiligt. Neben Bernried hat auch die Gemeinde Steingaden Interesse an dem Projekt angemeldet.

© SZ vom 07.03.2020

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