Verkehr:Bevor der Tunnelbohrer kommt

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Starnberg: B2 Kreuzung Münchnerstr./ Gautingerstr.

Geänderte Verkehrsführung: Vom Sommer an wird ein Linksabbiegen von Starnberg kommend in die Gautinger Straße nicht mehr möglich sein.

(Foto: Nila Thiel)

Auch 2022 wird der millionenschwere Umbau der B2 in Starnberg weiter vorangetrieben, mit einer Freigabe ist vor 2030 aber nicht zu rechnen. Entscheidender Faktor ist ein Planänderungsverfahren, und im Sommer wird es an vier Wochenenden wieder Verkehrsbeeinträchtigungen geben.

Von Peter Haacke

Die Stadt, der Verkehr und der Tunnel: Kein Bauvorhaben war in der mehr als 100-jährigen Stadtgeschichte Starnbergs jemals so umstritten, aufwendig und so teuer wie der Tunnel an der B 2. Mehr als 320 Millionen Euro wird den Bund die 1,9 Kilometer lange Röhre kosten, die nach aktuellem Stand im besten Fall frühestens im Jahr 2030 fertiggestellt sein könnte. Der Tunnel soll die Kreisstadt an der Oberfläche dann täglich von bis zu 18 000 Fahrzeugen befreien. Mit dem Bau des eigentlichen Tunnels wurde bislang aber noch gar nicht begonnen: Seit dem offiziellen ersten Spatenstich im Juli 2018 konzentrieren sich die Arbeiten im Wesentlichen auf den Nordzulauf der Bundesstraße 2 im Bereich zwischen Würm und Eisenbahnbrücke.

Auch 2022 wird die Tunnelbohrmaschine nicht zum Einsatz kommen: Auf der Agenda des Staatlichen Bauamts Weilheim steht der Bauabschluss am Nordzulauf bis zur Eisenbahnbrücke, die von 2023 an umgebaut werden soll. Neben baulichen Aspekten aber steht vor allem das Planänderungsverfahren bei der Regierung von Oberbayern und der Abschluss der Ausschreibungsplanung zum Start des Tunnelbaus im Vordergrund.

Das bislang noch nicht entschiedene Verfahren könnte sich noch als größeres Hemmnis auf dem Weg zum Tunnel erweisen. Im Vorjahr war ein umfangreiches Paket mit wasserrechtlichen Unterlagen erarbeitet und an die zuständigen Behörden übergeben worden. Am Staatlichen Bauamt ist man optimistisch, dass die Planänderungsunterlagen "mit geringfügigen Anpassungen" voraussichtlich dieses Frühjahr im Rahmen einer öffentlichen Auslegung bekannt gegeben werden können. Zusätzliche Unterlagen ergänzen das laufende Verfahren in Zuständigkeit der Regierung von Oberbayern. Allerdings besteht weiterhin das Risiko einer Klage durch Tunnelgegner. Die Folge: Die Ausschreibung zur Vergabe der Arbeiten könnte sich auf unbestimmte Zeit hinziehen.

Gleichwohl zeigt sich das Team "Tunnel Starnberg" durchaus zufrieden mit dem bislang Erreichten. Bauoberrat Raphael Zuber, Leiter der Tunnelbauabteilung im Staatlichen Bauamt, zieht eine positive Bilanz für den Bau- und Planungsfortschritt im Vorjahr: Die Petersbrunner Straße wurde im Frühjahr nach dem Durchbruch zur B 2 weitgehend fertiggestellt, diverse Sparten - also Ver- und Entsorgungsleitungen - im Bereich Moosstraße, Gautinger Straße und Uhdestraße wurden verlegt, was wochenlange Sperrungen einiger Teilabschnitte zur Folge hatte. Zudem konnte im November ein Realisierungswettbewerb zur Gestaltung der Tunnelportale abgeschlossen werden - auch wenn die Ergebnisse nicht restlos überzeugten: Das Preisgericht vergab zwei zweite und einen dritten Preis. Im Rahmen des weiteren Vergabeverfahrens soll nun ein Architektenteam ins Boot geholt werden, "um eine für die Stadt Starnberg ansprechende und das Stadtbild prägende Gestaltungslösung zu finden", heißt es. Die Entwürfe der Preisträger finden sich auf der Homepage des Straßenbauamts.

"Motiviert blickt das Team nun in ein aufgabenreiches Jahr 2022", erklärt Zuber weiter. Auf dem Plan steht insbesondere der Lückenschluss bis zur Eisenbahnbrücke. Die Arbeiten werden - abhängig von der Witterung - voraussichtlich im April auf Höhe der Esso-Tankstelle auf der Südseite der B 2 beginnen. Vier Wochen später ist für den Bereich an der B 2-Kreuzung mit Moos- und Perchastraße bis kurz vor der Eisenbahnbrücke an je zwei Wochenenden der Bau einer Tunneldecke vorgesehen. Das wird voraussichtlich die größten Verkehrseinschränkungen 2022 mit sich bringen. Spürbarste Änderung für Autofahrer: An der Einmündung zur Gautinger Straße wird in der Mitte der B 2 eine Querungsinsel eingebaut, die das Abbiegen von der Innenstadt in Richtung Gauting künftig verhindert. Von Juli an sind "Restarbeiten im Nordzulauf" vorgesehen. Im Umfeld der B 2 wird es zudem wiederholt zu Arbeiten an Ver- und Entsorgungsleitungen im Bereich der Bahnbrücke kommen. Eine LED-Hinweistafel vor dem Kreisverkehr Maxhof soll Verkehrsteilnehmer aus Richtung Weilheim vom zweiten Quartal an auf planmäßige Verkehrseinschränkungen in der Ortsdurchfahrt hinweisen.

Wenn das Haus Risse bekommt

Die für das Großprojekt "Tunnel Starnberg" entwickelten Medien im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit haben Zuwachs bekommen: Die neue Dialog-Ausgabe des Staatlichen Bauamts Weilheim stellt die Beweissicherung in den Mittelpunkt. "Ein Beweissicherungsverfahren umfasst die sachverständige Erfassung und objektive Dokumentation des Ist-Zustandes von Gebäuden und technischen Anlagen im Einflussbereich einer Neu- oder Umbaumaßnahme durch einen unabhängigen Sachverständigen", erklärt Raphael Zuber, Leiter der Abteilung Bergmännischer Tunnelbau am Staatlichen Bauamt. Im Klartext: Sollten sich an Gebäuden Schäden durch den Tunnelbau ergeben, ist die Beweissicherung für die betroffenen Eigentümer von großer Bedeutung. Der neue Flyer soll hierzu in Grundzügen alles Wissenswerte rund um Zweck, Nutzen, Ablauf und die zu erwartenden Messungen beleuchten.

Zirka 9000 Exemplare der neuen Ausgabe sollen bis 15. Januar per Posteinwurf an alle Haushalte im Starnberger Stadtgebiet, unter dem die Tunneltrasse verlaufen wird, verteilt werden. Entscheidend bei der Festlegung des Verteilungsgebiets war für das Tunnelteam der Einflussbereich und die Nachbarschaft zum Beweissicherungskorridor. Parallel dazu liegen von Montag, 17. Januar, an weitere Flyer im Rathaus und im Landratsamt aus.

"Wir freuen uns, der Starnberger Bevölkerung mit der Beweissicherung zum Jahresauftakt ein weiteres Thema näher bringen zu dürfen, das viele interessieren dürfte", erklärt dazu Michael Meister, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Staatlichen Bauamt Weilheim. Bislang erschienen sind der zweiteilige Flyer "Fragen und Antworten" sowie ein Flyer zu "Geologie und Hydrogeologie". Weitere Dialog-Ausgaben sind in Planung. Nebenher verfolgt das Staatliche Bauamt konsequent den Weg, auch das Team "Tunnel Starnberg" sukzessive vorzustellen. Diesmal ist Ingenieurgeologe Dominik Spitzenberger dran, der zahlreichen Bürgern bereits durch das Infocenter und Informationsveranstaltungen bekannt ist.

Die Gestaltung der jüngsten Ausgabe sowie die inhaltliche Gliederung und Themenaufbereitung des Flyers folgt der bisherigen Linie, zu der laut Bauamt aus der Bevölkerung überwiegend positive Reaktionen eingingen. Sämtliche bisher veröffentlichten Medien zum Tunnel finden sich auf der Internet-Projektseite unter www.stbawm.bayern.de (Straßenbau, Projekte). phaa

Auch wenn die 160 Meter lange Tunnelvortriebsmaschine längst noch nicht zum Zug kommt, benötigt sie für ihren Einsatz im Starnberger Untergrund dennoch eine eigene Stromversorgung. Die Bayernwerk AG übernimmt in den nächsten zwei Jahren die Verlegung der Leitung, die laut Staatlichem Bauamt auch den Löwenanteil der Kosten tragen wird. Grund: Nach der Stromversorgung der Tunnelvortriebsmaschine schließt sich eine langfristige Folgenutzung der neuen Leitung für Starnberg an. Die Stromtrasse führt vom Bahnhof-Nord entlang der B 2 zum derzeitigen Zwischenlager am südlichen Ortsrand, wo die Tunnelbohrmaschine starten wird.

Besonders wichtig war dem Staatlichen Bauamt von Beginn an die kontinuierliche Kommunikation mit den Bürgern. Abgesehen von regelmäßigen Terminen im Infocenter am Landratsamt setzen die Verantwortlichen auf eine Telefonhotline sowie Infos via E-Mail und Facebook; hinzu kamen diverse Info-Flyer. Das nächste Infopapier, das noch diese Woche im Starnberger Kerngebiet zugestellt werden soll, widmet sich dem Thema "Beweissicherung". Eine wichtige Grundlage, falls sich - wider Erwarten - durch den Tunnelbau Schäden an Immobilien ergeben sollten.

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