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SZ-Adventskalender:Ein Stück Heimat für Wohnungslose

Die Caritas-Wärmestube am Starnberger Bahnhof ist Anlaufstation für Menschen ohne feste Bleibe. Täglich kommen sechs bis acht Obdachlose vorbei, um günstig zu duschen, zu frühstücken oder die Wäsche zu waschen.

"Das hier ist für die Leute ein Stück Heimat", sagt Simone Christenn. Sie deutet in der Caritas-Wärmestube am Starnberger Bahnhofplatz 2b auf vier Tische mit blauem Wachstuch, die schmale Küchenzeile und die alte hölzerne Schrankwand, aus der Porzellannippes lugt und die zusammenzubrechen droht. Ein kleiner Raum, in dem Obdachlose zur Ruhe kommen können, ein geschützter Platz. Hier ist es mollig warm, es darf geraucht werden. Und wer das Frühstück zu sich genommen hat, das samt Haferl Kaffee für einen Euro angeboten wird, schläft oft gleich am Tisch ein, den Kopf auf die Arme gelegt.

Starnberg Wärmestube Obdachlose

Paul Rübo und Simone Christenn bieten im Auftrag der Caritas Wohnungslosen in Starnberg wochentags eine bescheidene Bleibe in einem Container.

(Foto: Georgine Treybal)

"Gehäuft kommen jetzt jüngere Männer", sagt Simone Christenn über die Entwicklung der vergangenen Jahre. Viele hätten keinen Schulabschluss, keine Ausbildung, aber Drogengeschichten oder Bewährungsauflagen vom Gericht. Die meisten stammten aus dem Landkreis oder der Region. Manche seien geprägt von Familien, in denen schon Eltern und Großeltern Sozialhilfeempfänger sind, "die dritte Generation chancenlos". Auch mehr psychisch kranke Menschen seien darunter, Männer und Frauen aus traumatisierenden Beziehungen.

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Sozialpädagogin Christenn betreut seit 1998 im Auftrag der Caritas den Container in Starnberg, der alleinstehenden Wohnungslosen an jedem Wochentag von 9 bis 12 Uhr offen steht. Den Container hat der SZ-Adventskalender 1997 mit Leserspenden ermöglicht. Dort bekommen Obdachlose vom ehrenamtlichen Helfer Paul Rübo ihren Hartz-IV-Tagessatz von 14,13 Euro ausbezahlt. 23 Männer und vier Frauen holten sich im Jahr 2018 ihr Geld bei ihm im Tagesaufenthalt. 42 Personen sprachen insgesamt vor. Christenn berät sie bei Behördenangelegenheiten, vermittelt Ärzte und ambulante Fachdienste, klärt Rechtsansprüche, hilft bei Bewerbungen oder hört einfach nur zu.

In der Wärmestube versorgt die 56-Jährige "ihre Leut'" - täglich etwa sechs bis acht - auch mit ganz praktischen Dingen. Wie dem günstigen Frühstück. Semmeln, Salami, Kaffee vom Discounter. Christenn muss genau kalkulieren, ob sie ein Glas Nutella dazu kaufen kann oder vielleicht mal ein Ei. Einer ihrer Stammkunden isst so gern Croissants mit Aprikosenmarmelade - ein "Cornetto" ist schon Luxus für ihn. Eigentlich müsste Christenn den Preis von einem Euro auf 1,20 anheben. "Aber das ist für die Leute viel Geld. Vielleicht machen wir nur Eins Dreizehn - das wären die 13 Cent vom Tagessatz", überlegt sie. Wer auf der Straße lebt oder von einer Schlafcouch bei Freunden zur nächsten zieht, ist froh, wenn er im Container für 50 Cent duschen oder für einen Euro seine Kleidung waschen kann. Das Trocknen ist derzeit aber ein Problem. Denn der uralte Wäschetrockner tut es nur noch sporadisch. Ein neues Gerät wäre dringend notwendig, vor allem jetzt im Winter.