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Klimaschutz in Starnberg:Weit entfernt von der Energiewende

Vorstellung der Berger Windräder

Der Stagenda-21-Arbeitskreis für Klimaschutz lobt die Berger Windräder. Dort entsteht mehr Ökostrom, als der ganze Ort verbraucht.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

In der Kreisstadt werden nur sechs Prozent des Verbrauchs regenerativ erzeugt.

Von David Costanzo

Strom sparen, neue Technologien nutzen, zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umsteigen: Bis 2035 wollen Landkreis und Gemeinden die Energiewende schaffen, das haben sie sich 2005 vorgenommen. Zur Halbzeit nach 15 Jahren fällt die Bilanz verheerend aus. Der Landkreis erzeugt keine 15 Prozent seines Stromverbrauchs regenerativ. Die Stadt Starnberg hinkt besonders weit hinterher.

Nur 6,3 Prozent des Verbrauchs stammten im Jahr 2017 aus erneuerbaren Quellen, wie aus dem Klima- und Energiebericht für die Stadt hervorgeht, den Karin Wurzbacher vom Stagenda-21-Arbeitskreis für Energie und Klimaschutz im Umweltausschuss vorstellte. Bundesweit liege der Anteil mittlerweile sogar bei 50 Prozent. Das Fazit: "Ohne einen konsequenten und schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien ist das Ziel der Energiewende bis 2035 in Starnberg nicht erreichbar."

Bislang stammt der Ökostrom ausschließlich aus Solaranlagen. Da die Bedingungen zur Nutzung der Sonnenenergie am Starnberger See "grundsätzlich hervorragend" seien, fordert der Arbeitskreis einen konsequenten Ausbau - mit kleinen Anlagen auf Dächern auch durch Privatleute und leistungsstarken Anlagen auf Freiflächen. Die Klimaschützer plädieren zudem für Windräder und loben die vier Rotoren in Berg, wo mehr Ökostrom entsteht, als der ganze Ort verbraucht. Das schafft keine andere Gemeinde im Landkreis.

Die schlechte Bilanz in Starnberg hat einen sehr hohen Ausstoß von Kohlendioxid zur Folge. 15,4 Tonnen des Klimagifts bläst jeder Starnberger im Jahr 2017 rechnerisch in die Atmosphäre, während der bundesweite Schnitt nur 11,6 Tonnen erreicht. Tatsächlich könnte der Starnberger Ausstoß sogar viel höher liegen, argumentiert Wurzbacher, da für die Sparten Flüge und Konsum nur die bundesweiten Mittelwerte einfließen konnten, weil keine lokalen Daten vorliegen - wobei der Starnberger womöglich häufiger und weiter reist als der durchschnittliche Deutsche.

Kleine Fortschritte gibt es zumindest beim Stromsparen. Der Verbrauch ist nach dem Klimabeschluss von 2005 kurz leicht angestiegen, seit 2008 aber um gut zehn Prozent gefallen. Wobei der Tiefstwert von 2017 laut Bericht weniger dem Klimabewusstsein der Menschen als vielmehr der Sanierung des Seebads geschuldet sein dürfte, wodurch ein Energiefresser entfiel.

Mit gutem Beispiel geht die Stadt voran. 2017 lieferten die Solaranlagen auf städtischen Gebäuden 20 Mal mehr Ökostrom als 2005 und könnten etwa die Hälfte des städtischen Verbrauchs decken. Dank energetischer Sanierungen konnten auch die Heizungen heruntergedreht werden. Unterm Strich hat sich der Kohlendioxid-Ausstoß städtischer Gebäude seit 2005 auf 1438 Tonnen halbiert. "Ein sehr schönes Ergebnis für die Stadtverwaltung und die frühere Bürgermeisterin", lobte Wurzbacher. Allerdings müssten Wege gefunden werden, auch die privaten Hausbesitzer zu klimafreundlichen Sanierungen zu bringen. Laut Stadtverwaltung unterstützt die Stadt Sanierer verglichen mit anderen Gemeinden jedoch bereits "recht großzügig".

Über die schlechte Bilanz "wahnsinnig entsetzt" zeigte sich CSU-Stadtrat Rudolf Zirngibl und plädierte für Windräder. Bürgermeister Patrick Janik erklärte, dass im Landratsamt ein Gespräch aller Gemeinden über ein möglicherweise gemeinsames Vorgehen bei der Windkraft anberaumt worden sei.

© SZ vom 18.06.2020

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