bedeckt München
vgwortpixel

Jubiläum:Die ganze Welt auf einer Eisfläche

Markus Nirschl steht hinter dem Eiszauber; Markus Nirschl

Weil es in Starnberg keine Eisbahn gibt, fährt Markus Nirschl seit 30 Jahren mit seinen "Geronimo Stars" zum Eishockeyspielen in alle Welt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Markus Nirschl aus Starnberg organisiert seit 30 Jahren Eishockeyspiele in Kanada oder Spanien und trainiert Kinder im Himalaya. Am Samstag treten seine "Geronimo Stars" beim Eiszauber an.

Im Herzen ist er ein Indianer. Ein Indianer, der Eishockey spielt. Markus Nirschl hat in seinem Leben schon einiges gemacht, war Stuntman, Fitnesstrainer und Türsteher. Sein Lebensprojekt aber ist das Eishockey-Unternehmen "Geronimo Stars", das er vor genau 30 Jahren gegründet hat. Aus Protest flog er damals mit 18 Leuten nach Australien, Singapur und Bangkok, um dort Eishockey zu spielen, weil die geplante Starnberger Eisbahn nie verwirklicht wurde. Heute sind die "Geronimo Stars" Eishockeymannschaft, Travel-Agency und Hilfsorganisation zugleich. Nirschl geht es dabei vor allem darum, "Menschen zusammenzubringen, verschiedene Völker und Nationen. Mehr kann man im Kleinen nicht machen, aber es reicht." Das Jubiläum feiert er an diesem Samstag beim Starnberger Eiszauber, unter anderem mit dem ehemaligen Nationalspieler Jan Bender.

Auf die 30 Jahre schaut der gebürtige Starnberger leicht ungläubig zurück. Er hat Unglaubliches erlebt. In Ladakh habe er zum Beispiel vor mehreren Tausend Leuten Eishockey gespielt, erzählt er. Nirschl war zu Gast bei Neuseelands erster Maori-Eishockeytruppe und kennt einflussreiche russische Unternehmer. Bald soll er auch den Dalai Lama kennenlernen. "Ich habe durch das Eishockey schon echt tolle Sachen erlebt. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt", sagt Nirschl mit einem Augenzwinkern, er habe noch viel mehr Geschichten auf Lager. Seit er 14 ist, steht er auf dem Eis, hat schon in Canberra, Australien, in der höchsten Liga gespielt und in Deutschland für einen Club in Dresden.

Seit drei Jahrzehnten konzentriert er sich hauptsächlich auf die "Geronimo Stars". Aus dem Protest sei irgendwann eine "Spaßgeschichte" geworden. Mit immer verschiedenen Leuten habe er bald in St. Petersburg, Riga oder Johannesburg gegen einheimische Teams Eishockey gespielt. Daraus sei dann ein Netzwerk entstanden, das es ihm ermöglicht, bis jetzt mehr als 500 Eishockeyspiele etwa in Kanada, Südafrika oder Spanien zu organisieren. "Es bringt die Welt schon zusammen."

Besonders stolz ist er auf sein Hilfsprojekt im Himalaya. Seit sechs Jahren fährt er mit Reisegruppen und meist mehr als 200 Kilo Eishockeyausrüstung nach Ladakh, um einheimische Kindern zu trainieren. Vergangenes Jahr haben sie dort auch einen Guinness-Weltrekord aufgestellt: für das höchste Eishockeyspiel der Welt. Im Februar ist er wieder in Ladakh. Danach geht es weiter nach Bangkok. Eine Pause braucht der 57-Jährige offenbar nicht, er sprüht förmlich vor Energie.

Beim Eishockey gehe es für ihn vor allem darum, verschiedene Menschen kennenzulernen: "Diese Unterschiede zusammenzubringen, das freut mich. Jeder hat irgendwo etwas Gutes an sich." Besonders habe aber der Maori-Häuptling Michael Patena sein Herz berührt. Mit der Lebensphilosophie und Naturnähe der Ureinwohner fühle er sich sehr verbunden. "Ich bin Indianer", sagt Nirschl über sich selbst. Deswegen heißt seine Eishockeytruppe auch "Geronimo Stars", nach dem gleichnamigen Apachen-Häuptling.

Für die Jubiläumsfeier hat Nirschl einiges geplant. Es gibt eine Tombola, um Spenden für sein Himalaya-Projekt zu sammeln, und ab 15 Uhr geben fünf Nachwuchseishockeyspieler und der ehemalige Nationalspieler Jan Bender ein Training für Kinder. Anstrengend sei die Planung schon, meint Nirschl, weil er auch Eismeister vom Eiszauber ist und gleichzeitig die Reise nach Ladakh plant. "Ich freue mich auf das Wochenende", sagt Nirschl, "aber wenn das Schlimmste vorbei ist, werde ich mich abseilen und am Montag vielleicht in die Sauna gehen."

Die Zukunft wolle er nicht so genau planen, "es kommt, wie es kommt", meint er schlicht. "Ich bin froh, dass ich diesen Weg gegangen bin", sagt Nirschl im Rückblick auf die vergangenen Jahre. In Starnberg ist er inzwischen fast zur Legende geworden: als Eishockey-Häuptling. Leider für den Großteil des Jahres immer noch ohne eigene Eisbahn.

© SZ vom 25.01.2020
Zur SZ-Startseite