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Nach 25 Jahren Mitgliedschaft:Christiane Lüst verlässt die ÖDP

Verkäuferin auf dem Wochenmarkt, Kämpferin gegen Gentechnik und Pflegemissstände, Betreiberin eines Umweltzentrums: Christiane Lüst.

(Foto: Arlet Ulfer)

Die Gautingerin verkauft auf dem Wochenmarkt, betreibt ein Umweltzentrum, hält Reden vor Uno-Vertretern, aber von der Öko-Partei ist sie enttäuscht. Im Gemeinderat bleibt sie als Parteifreie.

Von Michael Berzl, Starnberg

Die ÖDP im Landkreis Starnberg muss sich einen neuen Chef suchen. Die Kreisvorsitzende Christiane Lüst aus Gauting ist nach fast 25 Jahren Mitgliedschaft aus der Partei ausgetreten. Das teilte sie am Donnerstag mit. Die 49-Jährige hätte sich gewünscht, dass die Jugend mehr zu sagen hat, und bedauert die Abwahl des ehemaligen Bundesvorsitzenden Sebastian Frankenberger. Lüst wird als Parteifreie im Gautinger Gemeinderat bleiben.

Wenn die Bezeichnung "Umweltaktivistin" auf eine Kommunalpolitikerin im Fünfseenland zutrifft, dann auf Christiane Lüst. In der Nähe des Gautinger Freibads betreibt sie in ehemaligen Fabrikräumen, die sie selbst renoviert hat, ein Umweltzentrum. Dort werden Vorträge gehalten und Filme gezeigt, dort sieht es aus wie früher in Dritte-Welt-Läden; es gibt Blechspielzeug aus Madagaskar, Tee und Müsliriegel. Ein Hauptanliegen ist ihr der Kampf gegen Gentechnik in der Landwirtschaft; darüber und über Pflegemissstände hat sie mehrere Male vor UNO-Vertretern gesprochen. Sie kündigt an, "politisch weiterhin sehr aktiv zu bleiben", vor allem auf EU- und Bundesebene

Für die ÖDP im Landkreis dürfte der Austritt ein herber Verlust sein. Die kleine Partei stellt zwar seit der Kommunalwahl im vergangenen Jahr mit Rudolf Krug in Tutzing zum ersten Mal einen Bürgermeister, konnte im Kreistag aber nur zwei Mandate holen. Lüst ist auf allen Ebenen als Kandidatin angetreten und hat sich, wenn auch aussichtslos, um Sitze in Land- und Bundestag beworben.

© SZ vom 23.10.2015

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