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SPD:Mr. Energiewende

Hans Wilhelm Knape im Garten seines Energie-Plus-Hauses.

(Foto: Arlet Ulfers)

Hans Wilhelm Knape setzt sich für den Klimaschutz ein

Als "Überraschung" sieht Hans Wilhelm Knape aus Hausen selbst seine Bürgermeisterkandidatur für die Grünen in Gauting. Diesen Begriff hat der 59-Jährige aus Hausen verwendet, als er im vergangenen Mai als Bewerber vorgestellt wurde. Er ist als Nachrücker auf der SPD-Liste in den Gemeinderat gekommen, gehört aber keiner Partei an und hat zusammen mit der ehemaligen ÖDP-Politikerin Christiane Lüst eine Minifraktion mit dem Namen "Soziale Ökologen" gegründet. Als Bürgermeisterkandidat wird er mittlerweile auch von der SPD unterstützt, die derzeit nicht im Gemeinderat vertreten ist.

Derzeit ist Knape viel unterwegs, um Wähler zu werben. Er hat schon ein halbes Dutzend Wohnzimmergespräche mit zehn bis 15 Teilnehmern bei Freunden und Nachbarn absolviert. Außerdem geht er von Tür zu Tür, um sich vorzustellen. Die Resonanz sei "ganz überwiegend sehr positiv", berichtet er. Meistens werde er sehr freundlich aufgenommen. Mehr als 200 Besuche seien es schon gewesen. Im Gemeinderat missfällt ihm eine zunehmende Tendenz zur "Lagerbildung". Er habe sich vorgenommen, mehr nach einem Konsens zu suchen, das "Ringen um die beste Entscheidung. Das ist der Stil, für den ich stehe."

Bisher ist Knape vor allem durch sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement im Landkreis Starnberg bekannt. Er war Vorsitzender des Energiewendevereins und hat die Gründung der Energiegenossenschaft Fünfseenland mit vorbereitet. Später hat er Sprachkurse für Flüchtlinge organisiert und bei der Vermittlung von Arbeitsplätzen geholfen. Um dafür eine organisatorische Basis zu schaffen, hat er die gemeinnützige GmbH "Grain" gegründet.

Der Name Grain sagt viel über Knape aus, denn die Buchstaben, aus denen er sich zusammensetzt, stehen für wesentliche Bestandteile seiner Lebensphilosophie: ganzheitlich, regional, achtsam, integrativ, nachhaltig. Ökologische Ziele setzt er mittlerweile in seinem Lebensbereich in die Tat um. So hat der gelernte Betriebsschlosser, der später Luft- und Raumfahrttechnik sowie Betriebswirtschaft studiert hat, in Hausen mit viel Liebe zum Detail und Erfindungsgabe ein Null-Energie-Haus mit Fotovoltaik auf dem Dach, Sonnenkollektoren für Warmwasser und Heizung sowie einer Wärmepumpe gebaut. Im Garten laufen Hühner umher. Ein Teil des Hauses wird gewerblich genutzt, im Obergeschoss ist eine Großtagespflege untergebracht, im Erdgeschoss hat seine Frau Sabine, die als Hausgeburtshebamme arbeitet, ihre Praxis. Im Privaten ist es Knape wohl schon gelungen, viele Ansprüche in die Tat umzusetzen. Vor Hausen hatte Knape beruflich in ganz anderen Sphären gelebt. Er arbeitete als Diplom-Ingenieur bei Daimler in Stuttgart, war für das Unternehmen als Projektleiter in Korea und in den USA, war Geschäftsführer für Webasto in Seoul und schließlich freiberuflich als Ingenieur und Unternehmensberater tätig. "Ich habe die Hybris von Geld und Macht erlebt", sagt der 59-Jährige, der nun offenbar mehr Wert darauf legt, seine Ideale in die Tat umzusetzen. "Ich freue mich, dass ich Teil eines Wandels sein kann", sagte er zu seinen politischen Ambitionen.

Zugleich räumt er ein: "Ich bin kein Selbstdarsteller. Das ist ein Punkt, der mich eigentlich nicht für die Politik prädestiniert." Er wählt seine Worte mit Bedacht, ob im Gemeinderat oder wie jüngst bei einer Podiumsdiskussion. Das kann manchmal umständlich wirken. Ein wichtiges Ziel ist für ihn, das geplante Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz zu verhindern. Er findet, "dass so ein Industriegebiet nicht stattfinden darf."

© SZ vom 18.02.2020
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