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Sozialer Wohnungsbau:Schön und günstig

Mit ansprechender Architektur hofft der Verband Wohnen bei Neubauten auf die Zustimmung der Nachbarn

Von Blanche Mamer, Gauting

Der Verband Wohnen hat viel vor: 70 Millionen Euro will er in den kommenden Jahren in den Bau von zehn Projekten mit 250 neuen bezahlbaren Wohnungen im Landkreis investieren. "Wir würden gern mehr machen, doch es fehlt an Grundstücken. Und selbst wenn wir ein Grundstück haben, stößt das manchmal auf Ablehnung bei der Bevölkerung", sagte die Verbandsvorsitzende Christine Borst am Montag bei der Veranstaltung "Gemeinnütziger Wohnungsbau als Selbstverpflichtung" der Gruppe Architektursichten im Bosco in Gauting. Als Beispiel nannte die Kraillinger Bürgermeisterin ein Projekt in ihrer eigenen Gemeinde, nahe dem Caritas-Altenheim.

Die Gemeinden hätten relativ großen Einfluss auf die Planung des Verbands, sagte sie, selbst wenn sie selbst nicht Bauherr seien. Es gebe Möglichkeiten, schön und zugleich kostengünstig zu bauen, das zeige sich in Gebäuden, die über einen Laubengang erschlossen werden. Dazu gehören das Mehrgenerationenhaus mit 21 Wohnungen in der Vitusstraße in Stockdorf, das 2013 fertig gestellt wurde.

Allein in Gauting verfügt der Verband über 372 Wohnungen, das ist der höchste Bestand der 13 Kommunen im Landkreis mit insgesamt 2349 Wohnungen. Mit Ausnahme der Stadt Starnberg sind alle Gemeinden Mitglied im Zweckverband. Aktuell gibt es keine fertige Planung für Gauting, allerdings stehen mittelfristig 60 Wohnungen in der Pötschenerstraße auf der Agenda des Verbandes.

Gauting,  Verband Wohnen

In der Gautinger Schlossstraße gibt es moderne altengerechte Wohnungen.

(Foto: Georgine Treybal)

Michael Vossen, Verbandsgeschäftsführer seit 2008, nahm die rund 40 Zuhörer mit auf eine Zeitreise zu den verschiedenen Wohnanlagen in Gauting, beginnend mit den Sozialwohnungen in der Bergmoserstraße, die vor 67 Jahren entstanden, bis zum Gebäude an der Schlossstraße mit zwölf altengerechten Appartements, die 2009 bezogen wurden. Fast alle ältere Wohnungen sind energetisch saniert und modernisiert, so Vossen; er sorgt sich indes um die ständig steigenden Handwerkerkosten.

Für Landrat Karl Roth ist es keine Frage, dass etwas getan werden muss, um mehr preiswerte Wohnungen zu schaffen, wobei es dabei nicht nur um die Unterbringung von Hartz IV-Empfängern, Geringverdienern oder anerkannte Flüchtlinge gehe. Noch in den 60er Jahren hätten es die Firmen als ihre Aufgabe angesehen, Wohnungen für die Arbeiter und Angestellte zu bauen. Das sei heute nur noch ganz selten der Fall. Für die Landwirte müssten Anreize geschaffen werden, damit es sich für sie lohne, Äcker zu verkaufen. Auch müssten wieder Prämien und Steuererleichterungen für Familien, die ein Haus bauen wollen, eingeführt werden, sagte Roth.

Stockdorf,  Verband Wohnen

Über einen Laubengang sind die Verbands-Wohnungen in Stockdorf erschlossen.

(Foto: Georgine Treybal)

Auf große Ablehnung bei den Zuhörern stieß seine Aussage, dass verdichtet und in die Höhe gebaut werden müsse. "Noch mehr Verkehr. Wir fahren unsere schöne Landschaft gegen die Wand", befand Stadtplaner Andreas Romero, der die Veranstaltung mit initiiert hatte. Verdichtung sei ein Fass ohne Boden, kritisierte eine Zuhörerin. Man müsse expandierende Unternehmen zwingen, nach Nordbayern zu ziehen und auch gleich Wohnungen zu bauen, forderte sie. Freiheit sei ein hohes Gut, betonte Borst, zudem bräuchten die Kommunen die Einnahmen aus der Gewerbesteuer.

© SZ vom 06.12.2017

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