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Prozess um Doppelmord von Krailling:Fingerabdrücke belasten Onkel

Er soll seine zwei kleinen Nichten brutal ermordet haben. Am zweiten Prozesstag um den Doppelmord von Krailling berichten Ermittler von zahlreichen Spuren, die darauf hinweisen, dass Thomas S. am Tatort war.

Allein sieben Finger- oder Handabdrücke weisen darauf hin, dass der Angeklagte im Kraillinger Mordprozess Thomas S. in der Wohnung der getöteten Mädchen war und dort auch Dinge hinterlassen hat, die er für die Tat brauchte.

Von ihm finden sich Fingerabdrücke am Fenster, ein Handflächenabdruck an der Wandverkleidung über der Besteckschublade in der Küche und ein Abdruck an der Waage über der Spülmaschine. Das berichtete ein Experte des Bayerischen Landeskriminalamtes dem Gericht am zweiten Prozesstag gegen Thomas S., der beschuldigt wird, seine Nichten Sharon, 11, und Chiara, 8, vor knapp einem Jahr aus Habgier in Krailling getötet zu haben.

Insbesondere eine silberne Taschenlampe spielt eine Rolle. Sie war am Tatort gefunden worden und konnte keinem der Polizisten und Rettungssanitäter zugeordnet werden. Es ist eine rund 15 Zentimeter lange Taschenlampe. Richter Ralph Alt holte eine durchsichtige Plastiktüte unter seinem Richterpult hervor, in der diese Taschenlampe lag. Es ist die Taschenlampe, auf deren Batterie ein Fingerabdruck gefunden wurde - und dieser stimmt mit dem rechten Daumen des angeklagten Thomas S. überein.

Zudem haben die Experten den Abdruck des linken Zeigefingers des Angeklagten auf einem Kassenzettel eines Baumarkts in Peißenberg gefunden. Fingerabdrücke gelten als noch verlässlicher bei der Identifizierung von Personen als DNS-Spuren. Nicht einmal eineiige Zwillinge haben die gleichen Fingerrillen. Fingerabdrücke gelten als eindeutiges Beweismerkmal. "Es besteht kein Zweifel, dass diese Abdrücke von Herrn S. sind", bestätigte der LKA-Beamte.

Gericht versucht Todeszeitpunkt der Kinder einzugrenzen

Zudem versuchte das Gericht den Todeszeitpunkt der Kinder einzugrenzen. Polizisten, Rettungssanitäter und Notärzte hatten rund 20 Minuten um das Leben der zwei Mädchen gekämpft, die am 24. März vor einem Jahr in ihrer Wohnung in Krailling getötet worden sind. Sie mussten dabei in fast völliger Dunkelheit arbeiten, weil es im ersten und zweiten Stock kein Licht gab - die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der angeklagte Thomas S., der Onkel der Kinder, Stromkabel aus der Wand gerissen hatte, um die Wohnung zu verdunkeln.

Junge Polizisten und Rettungskräfte versuchten die Mädchen im Schein von Taschenlampen wiederzubeleben. Bei der größeren Schwester, Sharon, erkannten die Rettungskräfte jedoch schnell, dass alle Mühe zu spät kam. Mehrere Notärzte und Sanitäter mussten am Mittwoch vor dem Landgericht München dazu detailliert aussagen - das ist wichtig, um den genauen Todeszeitpunkt zu bestimmen, die Tat zu rekonstruieren und später festzustellen, ob der mutmaßliche Täter fähig war, in der Zeit zwischen der Tat und der Entdeckung der zwei Mädchen "die umfangreichen Putzmaßnahmen" vorzunehmen, die ihm die Staatsanwaltschaft vorhält.

Als der Germeringer Notarzt Wolfgang Viehbeck kurz nach fünf Uhr morgens eintraf, kämpften Rettungskräfte noch um die Wiederbelebung der kleinen Chiara. Der Notarzt maß ihre Körpertemperatur, sie war bereits unter 34 Grad gefallen. Er geht deshalb davon aus, dass bereits zwei Stunden zuvor der Tod eingetreten war. Nach 15 bis 20 Minuten stellten die Notärzte die Wiederbelebungsversuche ein.

© SZ vom 19.01.2012/afis

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