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Neuer Rekord:Babyboom am Starnberger Klinikum

  • Die werdenden Mütter kommen aus einem Umkreis von 200 Kilometern und mehr.
  • Unter den 2674 Geburten waren 52 Zwillingspaare.
  • Das Krankenhaus organisiert den enormen Zulauf inzwischen generalstabsmäßig.

Von Manuela Warkocz, Starnberg

Reicher Kindersegen in Starnberg: So viele Babys wie im Jahr 2016 kamen dort noch nie zur Welt. 2674 Geburten meldet das Klinikum Starnberg, darunter 52 Zwillingspaare. Der Andrang werdender Eltern an die renommierte Geburtsklinik wächst von Jahr zu Jahr. 2013 blickte man stolz auf 2131 Geburten, inzwischen sind noch einmal ein Viertel mehr zu bewältigen. Schwangere drängen nicht nur aus München und der Region nach Starnberg.

Frauen aus ganz Deutschland, sogar aus Russland und arabischen Staaten wählen die Geburtsklinik hoch über dem Starnberger See und bescheren ihrem Nachwuchs damit Starnberg als Geburtsort. Der Babyboom in der Stadt hält auch die Starnberger Standesbeamten ganz schön in Atem. Der gute Ruf der Starnberger Geburtshilfe hat sich schon über Jahrzehnte gefestigt. Ob Wassergeburt, Bachblütentherapie, Akupunktur oder Reflexzonenmassage für Gebärende - das Ärzteteam mit acht Oberärzten um Chefarzt Professor Christoph Anthuber und die 23 Hebammen mit der Leitenden Hebamme Karin Gruber setzen alles daran, die Geburt nach den Wünschen und Bedürfnissen jeder Frau zu gestalten. Eine Herausforderung, wenn jeden Tag mindestens sieben und bisweilen sogar 19 Geburten begleitet werden.

Die werdenden Mütter kommen aus einem Umkreis von 200 Kilometer und mehr. "Wir haben auch Frauen aus anderen Bundesländern. Häufig sind das Angehörige von Mitarbeitern oder ehemalige Mitarbeiterinnen", sagt Klinik-Geschäftsführer Thomas Weiler. Er bestätigt auch, dass inzwischen Agenturen im Ausland Schwangere zu Entbindungen nach Deutschland vermittelten. Die meisten gingen zwar nach München. Doch jedes Jahr kämen auch mehrere Frauen nach Starnberg - "vor allem, wenn es medizinisch indiziert ist, etwa bei Zwillingsgeburten", so Weiler. Der Aufwand sei nicht unbeträchtlich, wenn Visa benötigt würden und man wegen Sprachproblemen eventuell Dolmetscher benötige. Die Hochschwangeren mieteten sich dann rechtzeitig in Hotels oder Appartements in Starnberg ein.

Das Krankenhaus selbst organisiert den enormen Zulauf inzwischen generalstabsmäßig. An zwei Abenden jeden Monat können sich Paare bei Hebammen und Ärzten informieren. Pro Termin kommen Weiler zufolge etwa 100 Interessenten. "Wir empfehlen, sich dann frühzeitig mit dem Geburtstermin anzumelden." In einer Oberarztsprechstunde könnten entsprechende Daten hinterlegt werden. Aber auch unangemeldet lasse man als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung keine Frau vor der Tür stehen. So hätten mehrere Flüchtlingsfrauen 2016 ihre Babys in der Klinik zur Welt gebracht.

Die Räumlichkeiten der Geburtsklinik wurden ebenfalls optimiert. Verfügbar sind vier Kreißsäle und vier Wehenzimmer. Direkt angeschlossen an die Kreißsäle befinden sich Behandlungsräume, etwa für Akupunktur und Periduralanästhesie. In die Kreißsäle sind komplette OP-Bereiche integriert. 898 Kaiserschnitte wurden dort vergangenes Jahr vorgenommen. Das entspricht 33,6 Prozent aller Geburten. 384 Kaiserschnitte waren nach Klinikauskunft geplant, 514 sind als sekundäre Sectio einzustufen. Auch eine Neugeborenenintensivstation ist angeschlossen. Mit seinem Perinatalzentrum der Stufe II nimmt das Klinikum Starnberg alle Schwangeren, deren Kinder nicht früher als in der 29. Schwangerschaftswochen auf die Welt kommen wollen.

Hitliste der beliebtesten Vornamen

Das Standesamt der Stadt Starnberg hat für das Jahr 2016 die beliebtesten Vornamen aufgelistet, mit denen Eltern ihr neugeborenes Kind angemeldet haben. Angegeben ist auch, wie häufig der Name gewählt wurde. Allerdings unterscheidet die Statistik nicht zwischen erstem, zweitem oder gar drittem Vornamen.

1. Marie (88) - Maximilian (104)

2. Sophie (66) - Alexander (50)

3. Maria (55) - Anton (47)

4. Sophia (44) - Felix (46)

5. Anna (33) - Noah (35)

6. Johanna (33) - Jakob (34)

7. Emilia (31) - Lukas (33)

8. Leonie (30) - Valentin (33)

9. Emma (28) - Julian (32)

10. Elisabeth (26) - Leopold (30)

11. Mia (25) - Michael (30)

12. Katharina (24) - (Elias (29)

13. Helena (23) - Benedikt (27)

14. Magdalena (21) - Paul (26)

15. Victoria (21) - Johannes (25)

16. Julia (20) - Moritz (25)

17. Amelie (19) - Leon (24)

18. Antonia ((19) - Andreas (23)

19. Charlotte (19) - Johann (23)

20. Leni (19) - Jonas (23)

21. Valentina (19) - Luca (22)

22. Theresa (18) - Sebastian (22)

23. Franziska (17) - Vincent (22)

24. Lena (17) - Jonathan (21)

25. Luisa (17) - Loius (21)

26. Isabella (15) - David (19)

27. Greta (14) - Fabian (19)

28. Lara (14) - Ferdinand (19)

29. Lea (14) - Max (19)

30. Sarah (14) - Ludwig (18) manu

Kapazitätsgrenzen bei den Geburten sieht der Geschäftsführer weniger bei den Kreißsälen oder dem Personal, sondern in der Bettenzahl auf der Geburtsstation K3. Man wolle dort nicht mehr als 28 Betten, um den Müttern mit ihren Babys im Zimmer Ruhe zu ermöglichen. Drei-Bett-Zimmer seien da schon kritisch. Auch die angrenzende Residenz, das exklusive Bettenhaus der Klinik mit Vier-Sterne-Hotel-Komfort, ist bei frisch gebackenen Eltern sehr gefragt. "Wir haben acht der 31 Zimmer für die Geburtshilfe reserviert, haben aber viel mehr Anfragen", wie Weiler konstatiert.

Die ständig weiter steigenden Geburtszahlen in Starnberg machen auch dem Standesamt zu schaffen. Denn jedes in der Kreisstadt geborene Kind muss auch dort angemeldet werden. "Das wird immer massiver", sagt der langjährige Standesbeamte Matthias Blaßl. In der Regel geschieht das über das Patientenservicezentrum des Klinikums. Schon bei der Anmeldung erhalten Eltern entsprechende Unterlagen und Hinweise. Jede Geburtsregistrierung nimmt Standesbeamte mindestens 15 Minuten in Anspruch, bei ausländischen Eltern auch ein Vielfaches mehr, wenn Dokumente fehlen oder Dolmetscher gebraucht werden.

Blaßl wundert sich auch aufgrund des Schwangeren-Auslandstourismus und der Babys von Flüchtlingen schon lange nicht mehr über exotische Namen. Abgelehnt haben er und seine zwei Kolleginnen vergangenes Jahr keinen einzigen. "Ein somalischer oder afghanischer Name - wenn's den Eltern gefällt, was soll ich dazu sagen?" Was ihm bei der Namensgebung deutscher Eltern aufgefallen ist: Die bodenständigen, traditionellen Vornamen sind auf dem Vormarsch. Xaver, Ferdinand oder Leopold habe es früher kaum gegeben. Und Marie und Maximilian stehen seit Jahren unangefochten auf Platz 1 der Namenshitliste - nicht nur in Starnberg.

© SZ vom 23.01.2017
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