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Landkreis Starnberg:Das leise Sterben der Arten

Zum Artenschutztag stellen (von links) Constanze Gentz, Ildiko Gaal-Baier und Tobias Stieger vom Seefelder Bund Naturschutz Plakate am Aubachweg in Hechendorf auf.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Naturschützer in Seefeld sorgen sich um heimische Tierarten: Haselmaus, Kiebitz oder Moosjungfer sind stark gefährdet.

Von Christine Setzwein

Eine besondere Aktion haben sich die Naturschützer im Landkreis Starnberg anlässlich des Artenschutztages am 3. März ausgedacht. Die Seefelder Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) informiert von diesem Mittwoch bis zum 18. März mit zehn Plakaten entlang des Aubachwegs in Hechendorf Fußgänger über Biodiversität und Gründe für den massiven Schwund der Arten und will damit auf die existenzielle Bedeutung der Artenvielfalt aufmerksam machen. Aber auch einfache Tipps für den Verbraucher und Garten- oder Balkonbesitzer finden sich auf den Tafeln wieder. "Wir dürfen nicht nur ausbeuten, damit zerstören wir unsere eigenen Lebensgrundlagen. Es ist jetzt Zeit, auch etwas zurückzugeben", so Linda Rüger, Vorstandsmitglied der Ortsgruppe.

Gleichzeitig will Bettina Freistedt-Bayr am alten Seefelder Rathaus mit fünf bunten Postern die Menschen aufrütteln. Darauf sind die Haselmaus, der Kiebitz, die Bekassine, die Azur- und Moosjungfer und der Geißklee-Bläuling zu sehen, alles Arten, die bedroht sind. Diese Plakte werden auch in anderen Gemeinden verbreitet, teilt der BN-Kreisvorsitzende Günter Schorn mit. Damit solle der "Tag des Artenschutzes als Tag des Artensterbens" interpretiert werden. Alle Entscheidungsträger sollten jetzt schnellstens den Kurswechsel einläuten.

Der Welttag des Artenschutzes (World Wildlife Day) wurde 2013 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen und erinnert an die Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens am 3. März 1973. Weltweit sollten an diesem Tag Institutionen und Organisationen sowie die Öffentlichkeit mit Aktionen auf die Bedeutung der wild-lebenden Tier- und Pflanzenarten für den Menschen sowie auf den anhaltenden globalen Verlust der Artenvielfalt aufmerksam zu machen.

Doch die Politik stehe immer noch nicht ernsthaft hinter diesem Thema, beklagen die Naturschützer. "In Deutschland wird für den Artenschutz viel zu wenig getan", kritisiert Schorn. Auch im Landkreis Starnberg gehe das leise Sterben weiter. Als Beispiel nennt Schorn die Kiebitze in Seefeld. Vier Jahre sei es gelungen, ein Artenschutz-Projekt "mit Leuchtturm-Charakter" zu realisieren. "2020 gab es dann den totalen Brutausfall, verursacht durch eine unachtsame Bewirtschaftung." Der Seefelder Kiebitz sei aber kein Einzelfall. Auch in Weßling habe man in Kauf genommen, "dass bayernweit bedeutende Amphibienpopulationen durch die Umgehungsstraße dramatisch beeinträchtigt wurden", so Schorn.

"Jeden Tag erhalten wir von der Natur Öko-Dienstleistungen - kostenlos. Die Zusammenhänge sind faszinierend, was die Natur für uns täglich, fast unbemerkt, leistet. Diese Leistungen der Natur sind so kostbar, wir müssen das noch mehr schätzen", sagt Ildiko Gaal-Baier, die Zweite Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Seefeld.

© SZ vom 03.03.2021
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